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Die Aussendung der Zwölf

Friedhelm Appel über Matthäus 10,5–15.

Vorschaubild: Matthäus 10

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Matthäus 10

Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht nicht in eine Stadt der Samariter, [...] (Mt 10,5-15; LUT)

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Das Team steht. Jesus hat eine Gruppe von zwölf Männern zusammengestellt. Mit ihnen will er die nächsten drei Jahre verbringen. Es sind zwölf Auszubildende. Die Bibel nennt sie Schüler oder Jünger. Jesus selbst nennt sie später dann auch Apostel. Das Wort Apostel kann man übersetzen mit „Gesandte“ oder auch „Botschafter“. Im lateinischen haben wir dafür die Übersetzung „Missionar“.

Die ersten Apostel, quasi die Ur-Apostel, sind die Augenzeugen des Lebens Jesu. Ihr Auftrag geht in abgeleiteter Weise auch auf die nachfolgenden Christen über und gilt bis heute in unseren missionarischen Diensten.

Nun kommt es also zum ersten Schritt in der Karriere der Apostel. Jesus setzt sie ein zum Praktikum. Jesus macht gleich ernst. Apostel sind Gesandte. Er sendet seine Auszubildenden zu den Menschen in die umliegenden Städte.

Die Sendung beinhaltet einen doppelten Auftrag: zum einen geht es um eine Botschaft, eine Information. Die Jünger sollen einen Vorgeschmack der Ewigkeit vermitteln. Und diese Information beschreibt Jesus mit folgenden Worten: „Sagt, das Himmelreich ist nahe.“

Zum anderen geht es um ganz praktische Hilfe auf verschiedene Art und Weise: Kranken helfen und sie heilen. Aussätzigen, also Ausgegrenzten helfen, dass sie wieder ins gesellschaftliche Leben integriert werden können; Tote und am Leben Gescheiterte wieder zum Leben verhelfen. Entmutigten, Betrübten und geistlich Verirrten Freiheit verschaffen, sodass sie sich wieder neu orientieren können.

Es geht also ganz praktisch um Liebe, Dienst für die Menschen, Hilfestellung. Und damit verbunden ist ein erster Hinweis auf das Reich Gottes. Die praktischen Dienste der Liebe sind Zeichen und Wunder. Zeichen, die auf das eigentliche Leben hindeuten. Solche praktischen Taten und Zeichen und Wunder sind immer mehrdeutig. D. h. es ist nicht eindeutig klar, woher die Kraft und das Leben kommen und worauf die Zeichen hindeuten. Ähnliche Zeichen und Wunder gibt es auch von anderen Institutionen, Religionen und Ideologien; sie haben jedoch andere Motive und Absichten und deuten ganz woanders hin, nämlich z. B. in den Tod, in die Abhängigkeit, in die Sucht.

Ein erklärendes Wort soll deshalb deutlich machen, woraufhin die Zeichen und Wunder der Apostel deuten. Und das informierende und erklärende Wort sagt: es geht hier um den Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, er kümmert sich auch um Sie! Sein Handlungsbereich reicht bis zu Ihnen.

Hervorheben möchte ich, dass Jesus seine Leute hier zunächst nur zu einer ersten von mindestens zwei Begegnungen zu den Menschen sendet. Es wird hier noch nicht der ganze Missionsauftrag ausgeführt, für den Jesus seine Leute ausbildet. Der Missionsauftrag, den er am Ende seines irdischen Wirkens aufgibt, ist umfassender. Weitere Lern-Schritte kommen also noch auf die Jünger zu.

Und das wird zum Beispiel durch folgenden Aspekt deutlich: die Umkehr. Die Jünger fordern nicht sofort zur Bekehrung auf. Diese erste Begegnung ist noch keine Evangelisation im engeren Sinne.

Zum Beginn seines Auftretens formuliert Jesus seine Botschaft und nimmt die Worte von Johannes den Täufer auf: Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe.

Bei dem Auftrag für die Jünger nun formuliert Jesus: „Sprecht: Das Himmelreich ist nahe.“ Das Wort „kehrt um“ steht nicht gleich bei der ersten Begegnung im Mittelpunkt. Das kommt erst später.

Bei der ersten Begegnung geht es darum, Beziehungen zu knüpfen, Vertrauen aufzubauen, den Dienst der Liebe in dieser Welt vorzuleben. Dadurch wird das Netzwerk der Beziehungen der Jünger größer. Sie arbeiten mitten in der Gesellschaft. Sie sind keine zurückgezogene Sondergruppierung, sondern dienen den Menschen im Alltag, mitten im Leben. Sie haben keine Berührungsängste. Sie grenzen sich nicht ständig ab.

Gleichzeitig sollen die Leute erahnen, woher der Segen kommt, der hier ihr Leben so positiv in Bewegung bringt. Sie spüren etwas von dem Atem Gottes. Sie sollen ahnen, dass hier der Geist Gottes wirkt. Sie sollen einen Vorgeschmack der Ewigkeit bekommen. Es soll in ihnen eine Sehnsucht nach der Ewigkeit wachsen. Sie sollen wahrnehmen, dass das Reich Gottes ein lohnenswertes Ziel ist. Sie sollen persönlich entdecken, dass das Reich Gottes Gerechtigkeit bringt, Heilung, Frieden, höchste Qualität und größte Freude.

Bei solch einer Botschaft und solch einem Angebot ist es höchst gefährlich, dass daraus nur ein Lockvogel gemacht wird. Die Gefahr des Missbrauchs ist offenkundig. Deshalb weist Jesus die Jünger daraufhin, dass sie keineswegs daraus einen Geschäftsbetrieb machen dürfen. Lasst euch diesen Dienst nicht bezahlen. Bereichert euch nicht daran, indem ihr die Sehnsucht der Menschen missbraucht. Verleitet auch die Leute nicht, euch zu folgen, nur weil sie von euch etwas Gutes bekommen.

Jesus stärkt sie: „Meine Jünger, habt keine Angst. Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. Der Vater im Himmel wird euch belohnen und versorgen.“

In speziellen Seminaren und Wochenenden arbeite ich mit Gemeinden und Teams an diesem Konzept von Jesus. Wir wollen das für unsere heutige Situation praktisch werden lassen.

Denn auch heute ist es nötig, dass die Beziehungen und Netzwerke von unseren Kirchen und Gemeinden im Alltag gestärkt werden. Dass Menschen wieder neugierig werden auf die Botschaft von Jesus.

Und dann wird es eine zweite Begegnung geben. Die evangelistische Begegnung. Da werden wir dann die Menschen auffordern, dass sie sich abwenden von der Todeszone und hinwenden zu Gott durch Jesus Christus.

Lassen Sie uns doch in den nächsten Tagen ebenfalls solch ein Praktikum durchführen:

Gehen Sie in den nächsten Tagen zu einem Menschen in Ihrer Nachbarschaft, in Ihrem Umfeld. Ein Mensch entsprechend Ihrer Kultur und Ihrer Muttersprache. Bringen Sie eine selbst gemachte Konfitüre mit, oder selbst gekaufte Marmelade, oder Blumen oder einen Kuchen. Vertreiben Sie dadurch den Geist der Einsamkeit. Schenken Sie den Menschen ein offenes Ohr. Legen Sie Ihre Hand auf die Wunden, die Wunden der Seele oder die Wunden des Körpers. Fragen Sie, ob Sie für diese Person beten dürfen. Weisen Sie darauf hin, dass Gott auch für diese Person einen guten Plan hat.

Natürlich wird es auch Menschen geben, die uns abweisen. Darauf weist Jesus die Jünger ebenfalls hin. Nach meiner Erfahrung kommen bei zehn Besuchsversuchen zwei sehr gute Besuche zustande. Wie gehe ich mit diesen acht Absagen um? Ich schüttle den Staub von meinen Füßen. Ich lasse diese Absage nicht an mir haften. Die Anfeindung perlt an mir ab. Sie hat nichts mit mir zu tun, sondern ist eine Ablehnung gegenüber Gott. Mein Leben aber ist oberflächenbeschichtet mit Segens-Öl aus der Ewigkeit. Deshalb gehen ich und andere hin, zu den Menschen mit Kraft und Frieden.

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Kommentare (1)

Peter W. /

Nach Mk.6,12 zogen die Zwölf aus „und predigten, man sollte Buße tun.“ Wenn man nicht annehmen will, dass sie ohne Auftrag Jesu zur Umkehr aufriefen, wird Jesu Anweisung in Mt.10,7 ebenso zu mehr