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Die große Ernte

Ulrich Pohl über Matthäus 9,35 – 10,4.

Vorschaubild: Matthäus 9

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Matthäus 9

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Vor einem Monat haben wir mit der Lektüre des Matthäusevangeliums im vierten Kapitel begonnen. Dort hat Jesus seine ersten Jünger berufen. Es folgten die Kapitel fünf bis sieben, dort hat uns der Evangelist davon berichtet, was Jesus gesagt hat und was seine Lehre war. Dann kamen die Kapitel acht und neun, sie berichteten davon, was Jesus getan hat, was seine Taten waren. Heute beginnt das Kapitel zehn. Und der heutige Abschnitt der Tageslese geleitet uns hinüber in einen neuen Sinnabschnitt des Evangeliums. Er handelt davon, was die Jünger tun sollen. Er handelt vom Auftrag der Jünger.

Zu Beginn präsentiert uns der Evangelist tatsächlich so etwas wie ein kleines Inhaltsverzeichnis dessen, was vorher war: Jesus zog durch die Stadt und Dörfer. Erstens:  er lehrte und predigte. Zweitens: Er heilte alle Krankheiten und ihre Leiden. Und nun folgt drittens: Jesus sendet seine Jünger aus.

Aber wozu? Wozu braucht Jesus seine Jünger? Er ist doch selbst da. Er kann doch alles, er hat doch bisher alles selbst gemacht. „Er heilte alle Krankheiten“, steht da, „und jegliche Gebrechen.“

Was Jesus dazu bewegt, seine Jünger einzubeziehen, ist sein Erbarmen. Es jammerte ihn, übersetzt Martin Luther. Er sah, wie abgekämpft die Menschen waren, müde und verloren. Wie Schafe, die keinen Hirten haben. Je mehr Helfer es gibt, die die Herde hüten, desto mehr Menschen wird damit Gutes getan.

Also: Hirten sollen die Jünger sein; und im gleichen Atemzug bemüht Jesus ein zweites Gleichnis: Die Jünger sind auch Arbeiter. Arbeiter in der Ernte. Und die Ernte ist groß!

Eine große Ernte …

Das ist eines der Wunder, wie sie sich nur unter den liebenden Augen des Heilands vollziehen können. Die Menschenmenge, die sich da um Jesus scharrte, was war mit denen anzufangen? Bedürftig waren sie, hungrig und erschöpft. Durstig waren sie und ausgezehrt von dem, was der karge Alltag ihnen abverlangte. Hungernd und dürstend auch nach Gerechtigkeit waren sie, in diesem von der Besatzungsmacht geschundenen Land rechts und links des Jordan. Es waren die Elenden, mühselig und beladen, so ruft sie Jesus einige Abschnitte später zu sich.

Aber hier - vollbringt er an ihnen erst einmal ein Wunder. Er sieht sie an und sieht vor sich - keine Armut, kein Elend, sondern ein weites, reifes Ährenfeld. Die Ernte ist groß! Wir brauchen Arbeiter! Und alle Bedürftigkeit wandelt sich in Jesu Augen in das, was Reichtum bringt. Alles Elend wird zur Schönheit und aller Mangel zum Segen. Die Ernte ist groß!

Die Ernte ist groß, nun braucht es die richtigen Arbeiter. Feldarbeiter, die sich nicht zu schade sind, für die Anstrengung in der Hitze. Arbeiter, die wissen, wie man die Halme schneidet. Die das Feld mähen. Die die Ähren dreschen und das herausholen, was am Ende allen Hunger stillt.

„Und diese Arbeiter“, sagt Jesus zu seinen Jüngern, „diese Arbeiter seid ihr!“

Nur, wie sollen sie das machen? Davon handelt das ganze folgende zehnte Kapitel des Matthäusevangeliums. Dort nimmt Jesus seine Jünger sozusagen in die Lehre. Er hält eine lange Ansprache. Er gibt Verhaltensanweisungen und Ratschläge. Ich bin gespannt, welche das sind und wir werden davon in den folgenden Tagen hören.

Ob die Jünger sich das haben träumen lassen? Dass man ihre Namen noch nach zweitausend Jahren liest, in den heiligen Schriften der Christenheit? Sorgfältig zählt der Evangelist Matthäus jeden einzelnen auf, manchen mit Vor- und Beinamen. Dabei gibt er ihnen eine Reihenfolge: Der erste ist Simon, genannt Petrus, der Felsenjünger. Der letzte ist Judas Iskarioth, und Matthäus bemerkt schon hier: er war es, der Jesus hernach verriet. Dazwischen stehen die Namen der übrigen Jünger.

Sie verwandeln sich in unserem Bibelabschnitt übrigens ganz nebenbei in Apostel. Apostel, das ist ein griechisches Wort, es heißt Gesandter. Johannes gehört dazu, Jakobus und Philippus, auch der Jünger Thomas. Sie alle werden nach der Auferstehung Jesu tatsächlich zu Gesandten, zu Männern, die die Botschaft von Jesus weit in die damals bekannte Welt hinaustragen.

Ach ja, nur Männer sind es, und man wünscht sich, an dieser Stelle würden auch die Namen einiger Frauen erklingen. Das Evangelium kennt sie durchaus. Aber sie stehen hier nicht. Ist das deshalb so, weil eine Frau damals unmöglich ohne männliche Begleitung als Gesandte „in der Weltgeschichte herumreisen“ konnte? Ist es deshalb so, weil Frauen damals nicht zugehört wurde, erst recht nicht in religiösen Dingen? Beides ist heute anders. Und deshalb sind die zwölf männlichen Namen, die wir in unserem Bibelabschnitt heute lesen, ein Anlass, die Frauen mitzudenken. Martha, die Jesus tatkräftig diente, Maria Magdalena, die ihn so von Herzen liebte. Maria, die Mutter, die ihn zur Welt gebracht hat und zuletzt unter dem Kreuz von ihm Abschied nahm.

Und wir? Ob unsere Namen auch genannt werden, wenn sich die Generationen nach uns über ihre Bücher beugen, über die Bücher, die dann gelesen werden?

Ich wünsche mir, nicht in Vergessenheit zu geraten. Ich wünsche mir, man soll von uns lesen, wie wir von den Jüngern lesen: Mit dem, was sie getan haben, mit dem, was sie gesagt haben, mit dem, was sie waren. Aber ich ahne: So wird es für kaum einen kommen, nur für die Allerwenigsten, die Herausragendes geleistet haben. Die meisten von uns gehören nicht dazu.

Aber ein Buch gibt es, in dem stehen wir doch. In dem stehen unsere Namen ebenso sorgfältig und liebevoll aufgeschrieben, wie die der Jünger in unserem Bibelabschnitt. „Freuet euch aber, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind.“ Das sagt Jesus zu den Jüngern, als sie nur wenige Tage nach ihrer Aussendung erfolglos und abgeschlagen zurückkehren, der Evangelist Lukas erzählt davon. „Freuet euch, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind“, das dürfen wir auch für uns gelten lassen. Petrus, Bartimäus, Andreas, Johannes … so wie man sich noch heute an die Zwölf erinnert, in Liebe und in Respekt vor dem, was sie offenbar ohne nennenswerten Erfolg versucht haben, so erinnert sich Gott an uns, wer auch immer wir sind und was auch immer wir ohne nennenswerten Erfolg versucht haben.

Die Ernte ist groß. Unser Heiland will sie einbringen.

Keinen wird er vergessen. Und keine.

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Kommentare (1)

Peter W. /

Die Auslegung vom „Wunder der Ernte“, bei dem „alles Elend… zur Schönheit und aller Mangel zum Segen“ wird, kann ich nicht nachvollziehen. Als „Ernte“ bezeichnet Jesus ausdrücklich GOTTES GERICHT mehr