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Die Frage nach dem Fasten

Eckehard Graubner über Matthäus 9,14–17.

Vorschaubild: Matthäus 9

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Matthäus 9

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Fasten Sie?

Und wenn ja, warum? Was sind Ihre Motive zum Fasten?

Es gibt das Heilfasten, um schlanker zu werden oder den Körper von ungesunden Stoffen zu entlasten. Diese Form des Fastens wird immer beliebter. Zunehmend mehr Menschen machen das. Gesundheits-Zeitschriften empfehlen das. Wir sind zu wohlgenährt, also ist es gut zu fasten.

Dann gibt es das religiöse Fasten. Auch diese Form des Fastens wird - nach meiner Beobachtung - immer beliebter. Christen verbinden ihre Gebetszeit mit einer Fastenzeit, um ihrem Gebet mehr Konzentration zu geben. Beten und Fasten: Jesus empfiehlt das an anderer Stelle in den Evangelien seinen Jüngern als eine besonders intensive und geistlich kraftvolle Gebetsform. Ich habe Freunde, die machen das so. Und sie erzählen davon, wie intensiv sie diese Zeit und die Begegnung mit Gott im fastenden Gebet erleben – auch wie stark sie Gottes Handeln dabei erleben.

Ich selbst praktiziere diese Gebetsform nur selten. Doch ich kann bestätigen: Fasten ist nicht „out“, sondern immer mehr im Kommen.

Noch einen wesentlichen Unterschied gibt es zwischen Heilfasten und Gebetsfasten: Das erste ist auf mich selbst gerichtet. Da geht es um mich, um mein Wohl. Das zweite ist auf Gott gerichtet. Da suche ich Gott.

Auch die Jünger von Johannes dem Täufer haben gefastet, ebenso die Pharisäer. Das war damals zur Zeit Jesu in Israel üblich. Es gab Fastengebote, die festlegten, zu welchen Zeiten im Jahr gefastet werden sollte. Das Fasten wurde als eine Buße für die eigene Sünde und die Sünden des ganzen Volkes Israel gesehen. Und es wurde als Vorbereitung für den Messias verstanden. Wenn der Messias kommt, der ersehnte Erlöser des Volkes Israel, dann wollte das Volk bereit sein, ihn zu empfangen. Das Fasten war eine Form der Vorbereitung.

„Warum fasten wir und die Pharisäer so viel und deine Jünger fasten nicht?“ Die Jünger des Johannes waren total irritiert, als sie mit ihrer Frage zu Jesus kamen. Wollte Jesus etwa auch dieses Gesetz abschaffen, so wie er es mit anderen Ordnungen aus dem Gesetz Moses ja auch nicht so genau zu nehmen schien?

Um Jesu Antwort zu verstehen, muss man die Symbolik verstehen. „Wie können die Hochzeitsgäste Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“, fragt Jesus zurück.

Stellen Sie sich vor, Sie richten eine Festmahlzeit aus, laden Ihre Freunde und Verwandten ein. Die sitzen alle am Tisch, blicken betrübt in die Runde und rühren nichts von dem Essen an. Wie fühlen Sie sich als Gastgeber?

Jesus meint sich selbst als Bräutigam, der gekommen ist, um sich mit seiner Braut, dem Volk Israel, zu vermählen. Der Vergleich von Gott als Bräutigam und dem Volk Israel als seine Braut oder Ehefrau taucht in der Bibel häufiger auf. Jesus, der Messias, der Gottessohn, im Bild gesagt: Der Bräutigam ist da. Die Hochzeit kann gefeiert werden. Solange Jesus da ist, ist Festzeit. Da gibt es keinen Anlass zum Fasten. Der, auf den die Israeliten gewartet und gehofft haben, ist mit Jesus gekommen. Das Ziel, auf das hin das Volk regelmäßig gefastet hat, ist erreicht. Das Fasten des Volkes hat sich damit erfüllt. Darum fasten Jesu Jünger nicht. Nur die Pharisäer, die haben das nicht gemerkt, oder sie wollten es nicht wahrhaben, dass Jesus der Messias, der Bräutigam ist. Darum haben sie unbeirrt weitergefastet nach der Vorschrift der Tora, um den Messias herbeizufasten.

Doch Jesus kündigt an, dass auch für seine Jünger und Nachfolger wieder eine Zeit des Fastens kommen wird. Sie wird sein, wenn er nicht mehr sichtbar unter ihnen ist. Diese Zeit kam, nachdem Jesus am Kreuz gestorben war. Die Jünger waren in Trauer. Und Trauer wurde durch Fasten ausgedrückt.

Und diese Zeit ist auch jetzt, seitdem Jesus zum Himmel gefahren und nicht sichtbar bei seiner Gemeinde ist. Jesus sagt uns: Ja, es ist gut, wenn ihr mich sucht mit Fasten und Gebet. Es ist gut, wenn ihr für Eure Mitmenschen, die Gemeinde und die Welt betet und alle ihre Not vor Gott bringt. Und es ist gut, wenn ihr euer Gebet mit Fasten bekräftigt, wenn ihr mit eurem Gebetsfasten zeigt, dass es euch ernst ist, worum ihr betet und deshalb Gottes Angesicht sucht.

Das Fasten wird einmal zu Ende sein. Wenn Jesus Christus wiederkommt, seine Gemeinde zu sich versammelt, die Herrschaft endgültig übernimmt und sein Reich vollendet, dann wird auch das Fasten zu Ende sein. Dann gibt es keinen Grund und Anlass mehr dafür. Dann müssen wir nicht mehr für die Not in der Welt vor Gott eintreten, denn sie ist überwunden. Dann müssen wir nicht mehr mit Gebet und Fasten Gott suchen, denn er ist sichtbar bei uns und wir sind bei ihm.

Hinter Jesu Antwort an die Jünger des Johannes steckt aber noch mehr. Es geht nicht nur um das Fasten, sondern es geht um Rituale des Glaubens überhaupt. Es geht um die Motive, deretwegen ich sie halte. Faste ich, weil es so sein muss? Faste ich, um mich vor Gott und Mitchristen als guter Christ zu zeigen? Oder faste ich, weil ich es als einen Weg für mich gefunden habe, um mit Christus in Beziehung und Gott näher zu kommen, als einen Weg zur Gottesbegegnung, auch als eine Form, mit der ich Gott ehren und anbeten will? Was sind die Motive meines Herzens dabei? Das gilt für alle anderen Rituale auch: Warum halte ich die christlichen Festtage? Weil es so üblich ist, oder weil ich sie als Freiraum entdeckt habe, meine Beziehung mit Christus festigen zu lassen und Gott zu begegnen? Warum gehe ich zum Gottesdienst? Weil es andere auch tun? Wenn ja, dann werde ich es spätestens dann sein lassen, wenn es die anderen auch nicht mehr tun. Oder weil ich dort den Ort und die Gelegenheit gefunden habe, in Gemeinschaft mit Gott zu kommen, ihn anzubeten, auf ihn zu hören, zusammen mit anderen in der Gemeinde?

Es geht Jesus um unsere Beweggründe, aus denen heraus wir die christlichen Rituale halten. Jesus will unser Herz und nicht nur unsere Hülle.

Es geht nicht ums Halten von Ritualen und Formen um des Rituals oder der Form Willen. Es geht darum, dass Gottes Geist uns füllen kann und dass Jesus Christus immer mehr Raum in uns findet, dass er in uns wirken und uns verändern kann nach seiner Vorstellung. Es geht darum, dass Christus durch uns wirken kann, in die Welt hinein. Denn er braucht uns als Boten für Gottes Reich in der Welt. Dazu braucht er viel Raum in uns. Dafür sind Rituale gut und wichtig als Rahmen für unsere Begegnung mit Christus – ganz besonders der Gottesdienst.

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