/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Verschieden und doch einmütig
Gedanken von Susanne Thyroff zum Bibeltext Philipper 2,2
so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid.
„Mama, mein Bruder hat mir etwas weggenommen. Das gehört mir! Der ist blöd!“ Solche Streitereien kenne ich als Mutter aus der Zeit, als meine Kinder noch klein waren.
Wie schön ist es dagegen, wenn Geschwister am Abendbrottisch einmütig beieinandersitzen. Ich liebe es, wenn alle versammelt sind, erzählen, was sie beschäftigt, und sich gegenseitig zuhören und ermutigen. Umgekehrt ist es für Eltern schwer, mitzuerleben, wenn die eigenen Kinder sich bekriegen.
Daran denke ich, wenn ich lese, was der Apostel Paulus vor circa 2000 Jahren an die Gemeinde in Philippi schreibt – die erste christliche Gemeinde auf dem europäischen Kontinent. Paulus hat sie mit ins Leben gerufen. Seine Worte klingen für mich fast wie die eines Elternteils, das sich freut, wenn Geschwister liebevoll miteinander umgehen:
„Macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid.“ (Philipper 2,2, Lutherbibel 2017)
Einmütig sein heißt nicht immer einer Meinung sein. Meine Kinder können unterschiedliche Berufe wählen, unterschiedliche Partner haben und ihre Zeit verschieden verbringen. Trotzdem können sie einmütig sein.
Was meint Paulus mit „eines Sinnes sein“? Das griechische Wort phroneō kann nicht nur das Denken, sondern auch die innere Haltung beschreiben. Paulus erklärt gleich danach, wie diese Haltung aussieht: den anderen in Demut achten und nicht nur auf die eigenen Interessen schauen (Philipper 2,3–4).
Auch in einer Gemeinde kann ich anderer Meinung sein und trotzdem Einmütigkeit suchen. Für mich heißt das: zuhören, nicht unterbrechen, ausreden lassen. Vielleicht wiederholen, was ich verstanden habe, und nachfragen. Erst dann möchte ich meine eigene Meinung sagen, geschweige denn durchsetzen. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, aber ich kann es üben: im Gespräch mit Gott und mit anderen.
Das ist echt herausfordernd. Aber ich möchte es üben: zuhören und mein Gegenüber ernst nehmen, auch wenn ich anderer Meinung bin.
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