/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Auch, wenn alles vergeht
Horst Kretschi über Jesaja 40,5-8
denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat’s geredet. Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk![...]
Ich bin ein großer Freund klassischer geistlicher Chormusik. Von Herzen gern höre ich die Schöpfung von Haydn, den Messias von Händel oder das Weihnachtsoratorium von Bach, um nur einige zu nennen. Diese Musik hellt meine Stimmung auf und gibt mir seelische Kraft auch in schwierigen Lebenslagen.
Besonders gerne höre ich auch "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms. Ich kenne kein anderes Werk, das in gleicher Weise Trauer, Vergänglichkeit und Tod, aber auch die christliche Perspektive der Ewigkeit und Hoffnung über den Tod hinaus thematisiert. Brahms greift verschiedene Bibelstellen auf, in denen es darum geht, dass Gott den Tod überwunden hat. Unter anderem verwendet Brahms eine Stelle aus dem Prophetenbuch Jesaja Kapitel 40, wo es heißt: "Der HERR wird kommen in seiner ganzen Herrlichkeit. Alle Welt wird ihn sehen, so hat er selbst es angekündigt. [...] Die Menschen sind wie das Gras, und ihre Schönheit gleicht den Blumen: Das Gras verdorrt, die Blumen verwelken, wenn der HERR seinen Atem darüber wehen lässt. Ja, nichts als Gras ist das Volk. Das Gras verdorrt, die Blumen verwelken, aber das Wort unseres Gottes bleibt gültig für immer und ewig."
Eigentlich geht es hier um das auserwählte Volk Gottes, Israel, und seine Hoffnung für die Zukunft. Brahms nimmt diese Aussage und münzt sie auf Gottes Zusage der Erlösung aller Menschen, die an Gott glauben und ihm vertrauen. Auch, wenn Brahms hier für sich eine gewisse künstlerische Freiheit in Anspruch nimmt, so hat er dennoch insgesamt recht. Ich werde als Mensch vergehen, Gottes Zusagen bleiben aber ewig bestehen. Zum Beispiel die Zusage, dass ich in Ewigkeit bei Gott leben kann. Das klingt gut, nicht nur, aber besonders, wenn es gesungen wird.
Ihr Kommentar
Kommentare (1)
Yep, Horst, sehe ich auch so.
Im Philharmonischen Chor Münster sangen wir Dvořaks "Stabat Mater" März 2oo1, nach neun Monaten intensiven Probens, mit Solisten und dem Sinfonieorchester der Stadt … mehrMünster, in der Lambertikirche, vor ca. 11oo Menschen.
Auch Elgar, Brahms, Verdi später...
Dies Irae - der Tag des Zorns, Fac ut portem... Es klingt einfach schöner, gesungen, erst recht mit großer Besetzung!
Shalom