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/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Eitel oder sachlich?

Tanja Rinsland über Galater 6,3

Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.

Galater 6,3

Tagelang hatte ich an diesem Film gearbeitet. So manche späte Stunde saß ich noch im Büro, damit jedes Bild sitzt. Ich wollte den Film für einen Nachwuchspreis einreichen, denn ich war davon überzeugt: er war richtig gut geworden. Doch am Ende reichte es noch nicht einmal für eine lobende Erwähnung. Ganz schön ernüchternd.

Am Ende seines Briefes an die christlichen Gemeinden in Galatien beschäftigt sich der Apostel Paulus mit der Frage, wie man die eigenen Leistungen beurteilen soll. Paulus schreibt: „Wenn jemand meint, er sei etwas Besonderes, dann macht er sich etwas vor. Denn das ist er keineswegs.“ (Basisbibel, Galater 6,3)

Puh, das sitzt erst einmal. Sind denn Leistung und Erfolg nichts wert? Muss ich jedes Gefühl von Stolz vermeiden, wenn mir etwas gelingt?  Nein, darum geht es hier nicht. Paulus ergänzt: „Vielmehr sollte jeder das eigene Tun überprüfen. Dann hat er etwas, worauf er stolz sein kann, und muss sich nicht mit anderen vergleichen.“

Die Theologin Berthild Boueke hat in Hinblick auf diesen Text einen spannenden Gedanken verfasst. Sie schreibt: „Das Gegenteil von Eitelkeit ist nicht nur die Demut, sondern auch die Sachlichkeit.“* Paulus fordert nicht das Abwerten der eigenen Leistung. Vielmehr ist es der Vergleich mit anderen, der schadet. Wer zufrieden auf das eigene Tagewerk schaut, lernt Sachlichkeit. Wer allerdings neidisch auf die Leistung anderer starrt, verliert den Blick aufs Wesentliche.

Damals habe ich den Film enttäuscht in der Schublade verschwinden lassen. Heute schaue ich gelassener auf meine Lehrjahre. Meine Leistungen mögen nicht preisverdächtig gewesen sein, mein Handwerk habe ich trotzdem gelernt. Die Arbeit macht mir immer noch Freude, und ja – manchmal gelingt mir auch ein Beitrag richtig gut. Das macht mich freilich nicht besser als andere, sondern vor allem eines: dankbar.

*Boueke, Berthild: "" S.97

 

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Kommentare (1)

Monika S. /

DANKE, dass ich mich nicht "klein" machen muss oder falsche Demut heucheln. Ich finde, Sie haben dies sehr gut erklärt.