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/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Gott leiht mir sein Ohr

Ellen Hörder-Knop über Psalm 10,14-18.

Du siehst es ja, / denn du schaust das Elend und den Jammer; es steht in deinen Händen. Die Armen befehlen es dir; du bist der Waisen Helfer. Zerbrich den Arm des Frevlers und Bösen / und suche seinen Frevel heim, dass man nichts mehr davon finde. Der HERR ist König immer und ewiglich; die Heiden sind verschwunden aus seinem Lande.[...]

Psalm 10,14-18

„Kannst du mir einen Moment dein Ohr leihen?“ Weil mich interessiert, was eine Arbeitskollegin mir mitteilen möchte, höre ich ihr gerne zu.

Ein Beter der Psalmen, des Liederbuches Israels, möchte Gott mitteilen, was ihn bewegt. Allerdings scheint es, als sei Gott nicht daran interessiert. Enttäuscht stellt der unbekannte Verfasser von Psalm Nummer 10 fest:

„Gott, du bist so fern, wenn ich dich brauche! Wo bist du? Warum schweigst du? Du siehst meinen Kummer, warum greifst du nicht ein? Warum lässt du zu, dass skrupellose Menschen Unrecht tun und Unschuldige leiden? Gott, steh endlich auf und tu was!“

Darf ich so mit Gott sprechen?

Der Psalmbeter nimmt kein Blatt vor den Mund. Ungeniert schleudert er Gott seine Enttäuschung entgegen. Wie ein drängelndes Kind liegt er Gott mit seinen bohrenden Fragen in den Ohren. Das bewahrt ihn davor, bitter zu verstummen. Indem der Beter seinem Herzen Luft macht, zieht ein neues Vertrauen auf Gott bei ihm ein. Das zeigt ein weiterer Satz seines Gebets:

 „HERR, du hörst das Verlangen der Hilflosen. Du schenkst ihnen Gewissheit und leihst ihnen dein Ohr.“

Die Überzeugung des Psalmbeters ermutigt mich, Gott zu sagen, was mich beschäftigt. Dazu verlangt Gott nicht meine Höflichkeit; er will meine Ehrlichkeit. Auch wenn es Zeiten gibt, in denen meine Gebete unbeantwortet bleiben und keine ersehnten Wunder passieren, will ich darauf vertrauen, dass mein Leben bei Gott in guten Händen ist. Er kümmert sich um mich und leiht mir jederzeit sein Ohr, denn er liebt mich. Der Kirchenvater Augustinus hat schon vor rund 1600 Jahren gesagt: „Gott hat sein Ohr an deinem Herzen!“ Was Gott wohl heute dort hört?

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Kommentare (1)

Werner K. /

Herzlichen Dank für den heutigen "Anstoß. Genau diese Worte habe ich heute gebraucht und sie haben mir sehr gut getan.