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/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Gemeinschaft trotz Gemeinheit

Jens Kilian über 1. Mose 6,5.

Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar,

1. Mose 6,5

„Gott sah an alles, was er gemacht hatte und siehe, er war sehr traurig darüber.“ So steht es tatsächlich nicht in der Schöpfungsgeschichte. Hier steht: "...und siehe es war sehr gut." Aber schon kurz später ist im 1. Buch Mose, 6. Kapitel zu lesen: „Der HERR sah, dass die Menschen voller Bosheit waren. Jede Stunde, jeden Tag ihres Lebens hatten sie nur eines im Sinn: Böses planen, Böses tun. Der HERR war tieftraurig darüber und wünschte, er hätte die Menschen nie erschaffen.“

Möglicherweise hören auch manche die Nachrichten an und denken: „Die Menschen sind schlecht und voller Bosheit.“ Das kann man vielleicht vor dem Fernseher noch mit einer gewissen Distanz sehen. Aber wenn man selbst betroffen ist, dass Menschen Böses planen und Böses tun, entstehen oft tiefe Verletzungen und eine Enttäuschung, in der wir wünschen, wir hätten den anderen nie kennengelernt.

Nun heißt es in unserem Text ganz allgemein, dass die Menschen voller Bosheit waren. Zu dieser Spezies gehöre ich ebenfalls und Sie auch. Wir sind hier nicht Opfer, jedenfalls nicht nur, sondern immer auch Täter. Sie und ich sind mit unsrer Lebensführung der Grund für Gottes tiefe Traurigkeit. Das ist erschreckend. Und vielleicht brauchen wir dieses heilsame Erschrecken ganz dringend mal wieder. Denn manchmal habe ich den Eindruck, dass wir (auch ich) so abgestumpft sind, dass wir gar nicht mehr über uns selbst erschrecken, obwohl es dazu viel Grund gäbe.

Dass Sie und ich heute leben, zeigt allerdings: Gottes Geschichte mit uns Menschen ist weitergegangen. Warum? Weil seine Liebe noch größer ist als seine Traurigkeit. Gott ist in Jesus sogar selbst Mensch geworden, und er wünscht sich, mit uns für immer Gemeinschaft zu haben. Nicht weil wir sind, wie wir sind, sondern obwohl wir sind, wie wir sind. Das mag eine harte Erkenntnis sein, aber es ist ein riesiger Grund für tiefe Dankbarkeit.

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