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/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Oberflächlichkeit hilft nicht

Oliver Jeske über Klagelieder 3,41.

Lasst uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel!

Klagelieder 3,41

Das Spielzeug ist kaputt gegangen. Oder Mama und Papa sind plötzlich nicht mehr in Sichtweite.

Bestimmt haben Sie auch schon einmal ein kleines Kind weinen gehört. Es ist herzzerreißend. Und doch haben wir als Erwachsene eine gewisse Distanz zu alledem. Hemmungslose Gefühlsausbrüche passen einfach nicht zu einem erwachsenen Mitteleuropäer.

Im 3. Kapitel des Buchs der Klagelieder in der Bibel verzichtet der Dichter auf diese Distanz. Er macht sich ganz eins mit dem Schicksal einer Stadt – seiner Stadt. Gemeint ist Jerusalem. Die Hauptstadt Judas wird im Jahr 586 vor Christus brutal von den Babyloniern eingenommen. Der Ort der Anbetung des wahren Gottes, der Tempel, ist nur noch ein Trümmerhaufen.

Angesichts dieser Ereignisse ist der Dichter zutiefst erschüttert. Er erkennt: Hier hilft es nicht mehr, eine äußere fromme Fassade zu wahren. Hier muss ein ganzes Volk sich innerlich abkehren von seiner Gottlosigkeit. Denn die ist die Ursache für die Tragödie.

Und so ruft er aus:

Wir wollen zu Gott im Himmel beten,

von Herzen, nicht nur mit den Händen. (Klagelieder 3,21 – BasisBibel)

… also nicht nur äußerlich. Hier wirft sich ein Mensch mit seiner ganzen bedrohten Existenz in die Arme Gottes – und auch noch öffentlich!

Ja, das ist uns fremd geworden in unseren Breiten. Glaube ist Privatsache. Und hemmungslose Trauer wird eigentlich nur Kindern zugestanden.

Aber vielleicht schenkt Gott Ihnen und mir ja neu offene Augen und ein offenes Herz für Leid, für Ungerechtigkeit, für persönliche Schuld oder andere schlimme Umstände. Vielleicht lassen wir es zu, dass er uns das Herz zerreißen darf.

Daraus könnte ein vielversprechender Neuanfang werden. Denn Gott wendet sich denen zu, die sich nicht nur oberflächlich, sondern mit ganzem Herzen an ihn wenden.

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Kommentare (1)

Silvia B. /

Vielen Dank! Sie haben recht, d.h. die Bibel hat Recht...; das sollte uns so geschehen: jedem Einzelnen und als ganzes Volk (ich wuenschte mir aber, dass solch ein "Zerreissen der Herzen und mehr