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/ 51:09 Min. / ERF Mensch Gott

Meine Seele war überfordert

Drei Verluste innerhalb kürzester Zeit – Dominik ist überfordert und verliert den Halt.

Redaktion: Martina Eibach
Martina Eibach

Dominik nimmt seit seinem 13. Lebensjahr Drogen und arbeitet als Softwareentwickler. Dann treffen ihn kurz hintereinander drei Schocknachrichten: Seine Freundin trennt sich von ihm. Ein Jugendfreund wird tot aus dem Main gezogen. Und seine Mutter, die Krebs hat, kommt ins Krankenhaus und stirbt wenig später auf der Palliativstation. Mit Trauer umzugehen, hat Dominik nie gelernt. Er nimmt noch mehr Drogen, am Tag „drei bis sieben unterschiedliche“, und überlebt eine Überdosis GBL. GBL ist eine Droge, die auch Liquid Ecstasy genannt wird. Ein Brief der Führerscheinstelle bringt ihn schließlich an seinen Tiefpunkt. Dominik kniet vor seinem Bett und betet: „Hey, Jesus, hol mich da raus.“ In den Tagen danach merkt er nach eigener Aussage, dass sein Verlangen nach Drogen verschwunden ist.

Dominik wächst in Würzburg auf und kommt als Achtklässler zu Drogen: Nach dem Nachsitzen bietet ihm ein älterer Schüler einen Joint an. Weil Dominik sich in keiner Clique richtig zugehörig fühlt, werden die Drogen und die Freunde, mit denen er sie nimmt, zu seiner Identität. Seine Mutter spricht ihn immer wieder auf den Konsum an. Dominik fühlt sich dadurch von ihr abgelehnt, obwohl er ihr eigentlich nahe sein will. Als Jugendlicher überlebt er einen Suizidversuch und verbringt zwei Wochen in einer Psychiatrie. Den Ausschlag für seinen Weg zum Glauben gibt am Ende das Sterben seiner Mutter. Die gläubige Christin strahlt in ihren letzten Tagen einen Frieden aus, der Dominik überzeugt: Ihr Glaube ist echt. Seine Geschichte zeigt, wie Trauer einen Menschen überfordern kann, der jedes Gefühl mit Drogen betäubt hat.

 

Warum greifen manche Menschen in der Trauer zu Drogen?

Bei Dominik lag es daran, dass er nie gelernt hatte, mit schweren Gefühlen umzugehen. Er hatte, wie er sagt, „wirklich jede Emotion direkt mit einer Masse an Drogen behandelt“. Nach der Trennung, dem Tod seines Freundes und dem Tod seiner Mutter griff er deshalb zu dem Einzigen, was er kannte. Den Schmerz über die Verluste beschreibt er als „wie eine Explosion“. Das ist Dominiks persönliche Erklärung, keine allgemeine Aussage über Trauer und Sucht.

Kann man drogenabhängig sein und trotzdem im Job funktionieren?

Dominik hat das jahrelang so erlebt. Er war jeden Tag auf Drogen und ging trotzdem zur Arbeit: unter der Woche Schmerzmittel und Cannabis, am Wochenende Partydrogen auf Technopartys. Er hatte das Gefühl, sein Leben im Griff zu haben, weil er sein Geld verdiente und „alles so auf die Reihe“ bekam. Im Rückblick sagt Dominik, er sei gefangen gewesen und hätte allein nicht herausgefunden.

Wie kann man Abschied nehmen, wenn die eigene Mutter bald stirbt?

Für Dominik und seine Familie waren die letzten Tage mit seiner Mutter auf der Palliativstation schwer und schön zugleich. Sie besuchten sie jeden Tag und schauten mit ihr Fotoalben aus der Kindheit an. Wegen der Metastasen im Kopf konnte Dominiks Mutter nur noch kurze Sätze sagen, zum Beispiel „Ich liebe dich“. Dominik konnte sich bei ihr entschuldigen und spürte, dass sie ihre Liebe ernst meinte: „Das haben auch ich und meine gesamte Familie gebraucht in dieser Zeit.“

Kann der Glaube an Gott helfen, von einer Sucht loszukommen?

Dominik hat das so erlebt, kann es aber nach eigenen Worten „bis heute nicht ganz erklären“. Nach dem Brief der Führerscheinstelle zog er eine große Menge Ketamin, war aber nach eigener Schilderung plötzlich „komplett nüchtern“ und erkannte: „Krass, mein Leben ist in Trümmern.“ Er betete zu Jesus. In den Tagen danach merkte er, dass das Verlangen weg war, das er wie „ein Feuer oder so ein Hunger unter dem Brustkorb“ gespürt hatte. Das ist Dominiks persönliche Glaubenserfahrung und kein Versprechen, dass eine Sucht auf diese Weise endet.

Warum fühlt man sich abgelehnt, obwohl man dazugehören möchte?

Dominik hat sich seit der Schulzeit in keiner Gruppe ganz zugehörig gefühlt. Auch die Sorge seiner Eltern über den Drogenkonsum empfand er als Ablehnung. Als er später in die Kirchengemeinde zurückkehrte, in der er getauft worden war, rechnete er wieder damit, nicht hineinzupassen. Dort wurde er aber willkommen geheißen, fand Freunde und seine heutige Frau. Rückblickend sagt Dominik: „Viel von dieser Ablehnung, die war in mir drin.“

Wie lernt man, mit schwierigen Gefühlen umzugehen, ohne sich zu betäuben?

Dominik sagt, er musste das nach dem Ende der Drogen erst lernen und sei „noch auf dem Weg“. Wenn heute Angst, Wut oder Ablehnung hochkommen, hilft ihm, rauszugehen, durchzuatmen, zu beten, mit einem Freund zu reden oder direkt das klärende Gespräch zu suchen. Eine allgemeine Lösung gibt es dafür nach seiner Erfahrung nicht.

 

Wo finde ich Hilfe?

Wenn dich Trauer, eine Drogensucht, Suizidgedanken oder das Gefühl, nirgends dazuzugehören, belasten, musst du damit nicht allein bleiben. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 1110111 und 0800 1110222.Auch beim ERF kannst du dich melden: Gebet beim ERF.

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