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Gib den Sorgen keine Macht!

3 Tipps, wie Sie Sorgenkreisel unterbrechen und Zukunftsängste loslassen können.


Wie soll es nur weitergehen? Diese Frage stellen sich die meisten Menschen irgendwann einmal in ihrem Leben. In schwierigen Situationen Sorgen und Zukunftsängste zu haben, ist etwas ganz Natürliches.

Aktuell sorgen sich aufgrund der Coronakrise viele Menschen um ihre Zukunft. Die einen haben Angst, am Virus zu erkranken; andere fürchten eher um ihren Job. Ängste zu haben, ist per se nicht problematisch. Schließlich schützen unsere Ängste uns auch. Wer Angst vor Ansteckung hat, wird eher darauf achten, Abstand zu anderen zu halten. Und wer aus welchen Gründen auch immer um seinen Job fürchtet, überlegt sich schon jetzt, wie es nach einem Jobverlust weitergehen könnte.

 

Doch weise und vorausschauend auf mögliche Probleme zuzugehen, ist das Eine, sich in einem Sorgenkreisel zu verfangen, etwas ganz Anderes. Hier trifft folgende biblische Aussage zu: „Wenn ihr euch noch so viel sorgt, könnt ihr doch euer Leben um keinen Augenblick verlängern“ (Lukas 12,25). Auch wenn es uns zunächst gut erscheint, vorzusorgen und jede Eventualität mitzubedenken, können wir unser Leben durch Sorgen nur selten verbessern. Vielmehr rauben uns die Sorgen von heute oft die Kraft für die Herausforderungen von morgen und wirken sich sogar negativ auf meine Lebensqualität und seelische Gesundheit aus. Doch wie erkenne ich, dass Sorgen in meinem Leben überhand nehmen? Und noch wichtiger: Was kann ich dagegen tun?
 

Wenn Sorgen mit mir Karussell fahren

Dass wir uns zu viel Sorgen machen, merken wir meist recht schnell und oft bereits instinktiv. Trotzdem reden wir uns selbst gerne ein, dass unser Sorgen noch im Bereich des Normalen liegt. Wir wollen nicht zugeben, dass Sorgen gerade die Kontrolle über uns und unser Leben übernehmen.

Um hier mit dem Selbstbetrug aufzuhören, hilft es, sich vier ehrliche Fragen zu stellen:

  1. Bringen mich meine Überlegungen der Lösung des Problems näher?
  2. Hilft mir mein Sorgen, die Sache emotional besser zu verarbeiten?
  3. Hätte es einen Nachteil, meine Gedanken einfach zu stoppen und an etwas anderes zu denken?
  4. Kann ich trotz meiner Sorgen immer noch gut schlafen und halbwegs unbeschwert schöne Momente genießen, zum Beispiel ein leckeres Essen oder mein Hobby?

 

Wenn ich alle diese Fragen mit Nein beantworte, kann ich relativ sicher sein, dass ich mich gerade unnötig sorge. Das heißt nicht, dass das Problem, mit dem ich aktuell konfrontiert bin, klein oder unwichtig ist. Ganz und gar! Aber es zeigt, dass ich mich gerade mit meinen Gedanken rund um dieses Problem im Kreis drehe – in einem sogenannten Sorgenkreisel.

Dieser etwas lustige Begriff beschreibt plastisch, was ich emotional mit mir selbst veranstalte, wenn ich mich wieder und wieder um dieselbe Sache sorge: Ich drehe dann quasi meine negativen Gedanken an wie einen Brummkreisel. Und wie ein Brummkreisel dreht sich das Sorgenkarussell immer schneller, ohne dass ich mich dabei vom Fleck bewege. Mir wird höchstens schwindelig.

In solchen Momenten hilft nur eins: Aussteigen! Doch genau das ist unheimlich schwer, wenn sich der Sorgenkreisel erstmal in Bewegung gesetzt hat. Besser also ich drehe den Kreisel gar nicht erst an oder lerne, ihn effektiv zu bremsen. Wie das gehen kann, dazu einige Tipps aus meinem eigenen Leben.
 

1. Den Sorgen keine Nahrung geben!

Ganz klar ist eines: Je schneller sich das Sorgenkarussell bereits zu drehen begonnen hat, desto schwerer ist es zu stoppen. Daher ist der erste und wichtigste Tipp, den man sich selbst und anderen in puncto Sorgen geben kann, schlicht der: Mach dir keine Sorgen!

In der Bibel wird uns immer wieder geraten, uns keine Sorgen zu machen und keine Angst vor der Zukunft zu haben. Oft wird behauptet, es stände 365-mal „Fürchte dich nicht“ in der Bibel, für jeden Tag des Jahres einmal. Das stimmt so zwar nicht, aber tatsächlich sagt Gott uns an etlichen Stellen zu, dass er für uns sorgen wird und Ängste daher unnötig sind. Warum macht er das?

Zum einen sicherlich, damit wir ihm vertrauen und uns nicht nur auf unser eigenes Planen und Tun verlassen. Zum anderen aber auch, weil Sorgen uns nicht weiterbringen. Sie beschäftigen uns zwar, aber sie helfen uns nicht, irgendein Problem zu lösen – weder ein gegenwärtiges noch ein zukünftiges. Vielmehr fressen sie nach und nach jede Lebensfreude auf.

Sorgen beschäftigen uns zwar, aber sie helfen uns nicht, irgendein Problem zu lösen – weder ein gegenwärtiges noch ein zukünftiges. Vielmehr fressen sie nach und nach jede Lebensfreude auf.

 

Sorgen sind schlicht nicht gut für uns. Vielleicht hilft es, sich bewusst zu machen, dass es sich dabei auch um ein psychologisches Phänomen handelt: Menschen sorgen sich gern, da es ihrem Unterbewusstsein suggeriert, eine gewisse Kontrolle über die eigene Zukunft zu haben. Anders erklärt: Meine Psyche versucht, durch das Sorgen machen mögliche negative Erlebnisse vorwegzunehmen und sich so für alle zukünftige Eventualitäten abzusichern. Dies mag sich kurzfristig entlastend anfühlen („Ich bin vorbereitet!“), langfristig blockiert das Sorgenkarussell allerdings unsere Handlungsfähigkeit, da wir uns immer weniger auf Neues einlassen können.

Und wie bei jeder anderen schlechten Gewohnheit hilft da nur eins: Sich bewusst dagegen entscheiden, jeden Tag aufs Neue. Denn eines ist auch klar: Uns Sorgen zu machen, steckt tief in uns drin. Und jedes Mal, wenn ich es wieder tue, geht mir diese Gewohnheit etwas mehr in Fleisch und Blut über. Daher müssen wir uns an jeder Wegabzweigung, wo es einen Grund gäbe, sich zu sorgen, neu entscheiden, es nicht zu tun.
 

2. Den Sorgen ihre Macht nehmen!

Gut, aber was, wenn ich schon tief in Sorgen drinstecke? Was, wenn es mir schlicht unmöglich ist, meine Sorgen loszulassen? Auch dann können wir etwas tun und zwar bewusst auf die Sorgen zugehen. Als ich unter Schlafstörungen litt, riet mir eine Psychologin dazu, mich immer dann auf einen Stuhl neben mein Bett zu setzen, wenn ich anfing, mir Sorgen zu machen. Ich fand das damals recht banal und habe es nur ein- oder zweimal gemacht.

Doch ich habe aus dem Prinzip an sich etwas gelernt und zwar: Sorgen werden meist kleiner, wenn wir uns ihnen bewusst stellen. Ihre Macht liegt darin, dass sie uns im Alltag überfallen und wir die ganze Zeit um sie kreisen, während wir eigentlich anderes tun wollen, zum Beispiel schlafen. Aber wenn ich mich entscheide, mich hinzusetzen und mir ganz genau anzuschauen, was mir solche Angst macht und wieso, werden die Sorgen oft automatisch kleiner.

Sorgen werden meist kleiner, wenn wir uns ihnen bewusst stellen. Ihre Macht liegt darin, dass sie uns im Alltag überfallen und wir die ganze Zeit um sie kreisen, während wir eigentlich anderes tun wollen.

 

So habe ich es in der damaligen Situation auch gemacht. Zusammen mit meinem Mann habe ich mich mit Stift und Zettel bewaffnet und wir haben notiert, was mich belastet hat und welche Handlungsmöglichkeiten sich mir bieten. Damit war ich meine Sorgen nicht auf einen Schlag los, aber ich konnte meiner Zukunftsangst jetzt etwas entgegenhalten.

Sicherlich birgt diese Methode Gefahren. Das Beschäftigen mit den eigenen Sorgen kann Ängste im schlimmsten Fall verstärken, besonders wenn es um Situationen geht, an denen ich selbst wenig ändern kann. Auch kann es sein, dass ich die Methode als Vorwand nutze, um mich weiter im Sorgenkreisel zu drehen. Daher hilft es, Ergebnisse zu notieren. Wenn ich etwas schriftlich festhalte, kann ich immer wieder einen Blick darauf werfen und weiß: „Darüber habe ich mir schon Gedanken gemacht. Das muss ich jetzt nicht erneut tun.“ Auch eine Vertrauensperson kann eine Hilfe sein.
 

3. Den Blick auf Schönes richten!

Sorgen ihre Macht nehmen, ist etwas ganz Entscheidendes. Doch das gelingt nur, wenn wir nach erfolgreicher Analyse unseres Problems den Sorgen auch tatsächlich den Rücken kehren. Daher ist Ablenkung in puncto Sorgenbekämpfung sehr wichtig. Ablenkung, aber nicht Verdrängung. Wenn wir Sorgen nur wegdrücken, kommen sie immer wieder. Um das zu verhindern, haben wir uns unsere Sorgen ja bereits angeschaut und analysiert.

Jetzt aber, nachdem dies abgeschlossen ist, haben die Sorgen nichts mehr zu melden. Das muss auch in unserem Handeln sichtbar werden. Wenn mein Kopf immer noch um das Problem kreisen will, muss ich bewusst „Stopp!“ sagen. Nein, ich muss es nicht nur sagen, sondern ich muss es auch in meinem Handeln umsetzen.

Wenn ich immer an ein bestimmtes Problem denken muss, wenn ich im Bett liege und schlafen will, hilft oft nur eines: Noch einmal aufstehen und etwas anderes tun. Das ist meist besser als sich weiter im Bett hin und her wälzen. Den Sorgenkreisel auszubremsen, bevor er zu viel Fahrt aufnimmt, ist entscheidend, damit Sorgen keine Macht über mein Leben bekommen.

Den Sorgenkreisel auszubremsen, bevor er zu viel Fahrt aufnimmt, ist entscheidend, damit Sorgen keine Macht über mein Leben bekommen.

 

Es mag sich zunächst so anfühlen, als würde ich vor meinen Sorgen davonlaufen. Genau deshalb tun wir uns meist schwer mit solch klaren Stopps. Aber lassen Sie uns Revue passieren: Wir wissen, dass Sorgen uns schaden und uns nicht weiterbringen. Wir haben uns unseren Ängsten gestellt und Handlungsoptionen entworfen. In dieser Situation gibt es keinen, absolut KEINEN Grund, den Sorgen weitere Macht über uns zu geben. Also stoppen Sie sie!

Am besten gelingt das, wenn wir nicht nur mit unseren Gedanken aufhören und aktiv etwas anderes tun, sondern uns dabei bewusst Dingen zuwenden, die uns guttun und Freude machen. Manchen Menschen hilft es, eine Runde joggen zu gehen, um sich den Kopf mal so richtig freiblasen zu lassen. Ein anderer ruft einen Freund an oder schaut sich seine Lieblingsserie an.

Wichtig ist nur, dass wir auch diese Ablenkung bewusst wählen. Und dass es sich um etwas handelt, was uns guttut und uns nicht nur kurzfristig betäubt. Denn wenn wir keine guten Methoden haben, uns von Sorgen auch mal abzulenken, werden sich schlechte Gewohnheiten entwickeln, die uns nur weiter schaden. Wenn wir aber gute Coping-Strategien haben, können wir mit Sorgen und Ängsten viel gelassener umgehen.

Wenn wir keine guten Methoden haben, uns von Sorgen auch mal abzulenken, werden sich schlechte Gewohnheiten entwickeln, die uns nur weiter schaden.

 

Im Sorgenkreisel gefangen?

Wir merken also: Wir können Sorgen etwas entgegensetzen. Trotzdem gelingt uns das sehr oft nicht. Woran liegt das?

Ich denke, zum Einen liegt es daran, dass wir uns manchmal in der Rolle des Sorgenden gefallen. Sorgen fördern Selbstmitleid und Selbstmitleid tut irgendwie gut. Im besten Fall bekomme ich so auch von anderen Mitleid und Aufmerksamkeit. Das schmeichelt meiner Seele. Also sorge ich mich weiter, weil meine Seele dadurch die Aufmerksamkeit bekommt, nach der sie gerade lechzt.

Allerdings werde ich mit meinen Sorgen andere irgendwann nerven. Und auch mit Selbstmitleid tue ich mir letztlich nichts Gutes. Sinnvoller ist, hinzusehen, wieso ich mich so bedürftig fühle, und meine Bedürfnisse zu stillen statt Ängsten weiter Raum zu geben.

Zum Anderen glauben wir wie schon erwähnt oft, dass wir durch Sorgen einen Teil der Kontrolle über unser Leben zurückzugewinnen können. Doch genau das ist ein Trugschluss. Wir haben unser Leben nicht in der Hand. Wenn ich meine, ich könnte mich auf alle Eventualitäten des Lebens vorbereiten, indem ich jedes Worst Case-Szenario im Kopf durchspiele, ist das schlicht Blödsinn.

Sinnvoller ist es zu erkennen, dass ich nicht die Kontrolle über mein Leben habe, und das zu akzeptieren. Statt an mir selbst und meinen Sorgen kann ich mich an Gott festmachen. Er ist allmächtig und kennt meine Zukunft. Das kann Mut machen, die Unwägbarkeiten des Lebens gelassener anzunehmen.

Wenn ich meine, ich könnte mich auf alle Eventualitäten des Lebens vorbereiten, indem ich jedes Worst Case-Szenario im Kopf durchspiele, ist das schlicht Blödsinn. Sinnvoller ist es zu akzeptieren, dass ich nicht die Kontrolle über mein Leben habe.

 

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