Andacht Lesezeit: ~ 7 min

Family first!? (3)

Die Eltern ehren – die Bedeutung verändert sich im Lauf unseres Lebens.


Die Eltern ehren. Dieses Gebot Gottes zur Familie ist oft missverstanden worden. Und manche haben es sogar missbraucht. Was Gott damit meint, die Eltern zu ehren, darum geht es nun im 3. Teil dieses Artikels.
 

Die Eltern ehren – die Bedeutung verändert sich im Lauf unseres Lebens

Und schließlich zum dritten Grundsatz. Die Bedeutung des Wortes „ehren“ im 5. Gebot verändert sich im Lauf unseres Lebens. Und das will ich jetzt auch begründen und zeigen, warum ich meine, dass es tatsächlich so ist. Haben sie sich schon einmal gefragt, warum Gott in diesem Gebot ausgerechnet ein Wort verwendet, das so vieldeutig ist? Ich meine das Wort „ehren“. „Ehren“ beinhaltet ja ein ziemlich breites Bedeutungsspektrum.

Und deshalb stellt sich auch immer gleich die Frage: Was heißt das denn jetzt, die Eltern ehren? Was bedeutet das in der Praxis? Ich denke, Gott hat sich ganz bewusst für dieses Wort entschieden. Denn er will, dass das 5. Gebot so lange für uns gilt, solange unsere Eltern leben. Mit anderen Worten:

Die Eltern ehren gilt nicht nur für diejenigen, die noch zuhause bei ihren Eltern leben. Nein, auch diejenigen unter uns, die schon lange ihren eigenen Hausstand führen, auch sie sollen ihre Eltern ehren. Und zwar solange sie leben.

 

Aber was das konkret bedeutet, das verändert sich mit der Zeit in unserem Leben. Und ich meine das lässt sich anhand der biblischen Aussagen auch nachweisen.
 

Für kleine Kinder

Für kleine Kinder, also solche, die auch von ihrem Alter her noch Kinder sind, heißt das Gebot „Ehre Vater und Mutter“ ganz einfach: höre auf deine Eltern. Das macht Paulus, der leidenschaftliche Jesusmann, sehr deutlich, als er das 5. Gebot in einem seiner Briefe auslegt. Er schreibt an die Gemeinden im Umfeld der Weltmetropole Ephesus: „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern! So erwartet es der Herr von euch, mit dem ihr verbunden seid. »Ehre deinen Vater und deine Mutter!«“ (Epheser 6,1-3). Paulus spricht hier direkt die Kinder an. An die Eltern richtet er sich dann im nächsten Vers.

Deshalb meine ich, heißt das 5. Gebot für kleine Kinder: hört auf eure Eltern. So ehren sie ihren Vater und ihre Mutter. Und das leuchtet auch relativ schnell ein. Denn ein kleines Kind kann nicht unterscheiden, wo der Wille der Eltern vielleicht gar nicht dem Willen Gottes entspricht. Deshalb sollen sie zunächst einmal auf die Eltern hören. Im Vertrauen darauf, dass die Eltern das Beste für ihre Kinder wollen und sich selbst von Gott auch immer wieder hinterfragen lassen.
 

Für Erwachsene

Wenn die Kinder aber erwachsen werden, dann ist es an der Zeit, dass sie ihre Prioritäten ändern. Dann gilt für sie nämlich immer mehr, dass sie zuallererst auf Gott hören und seinen Willen tun. Wenn Kinder erwachsen geworden sind, will Gott auch, dass sie sich wirklich lösen von ihren Eltern und ihr Leben in ihre eigenen Hände nehmen.

Im 1. Buch Mose lautet das so: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden“ (1. Mose 2,24). Das bezieht Gott im unmittelbaren Zusammenhang zunächst einmal darauf, dass ein Mann und eine Frau heiraten. Dann verändern sich auch die Beziehungen eines Menschen. Und der Ehepartner ist jetzt die wichtigste Beziehung im Leben eines Menschen. Und die Eltern kommen erst danach.

Ich meine, das gilt aber nicht nur, wenn jemand heiratet. Sondern immer, wenn ein Kind erwachsen geworden ist. Nicht umsonst argumentiert Paulus, dass es jetzt, in der letzten Zeit, besser ist, nicht zu heiraten, sondern allein zu bleiben. So wie er selbst auch (1. Korinther 7,7-8;26-40).

Deshalb denke ich: wenn Kinder Erwachsene geworden sind, dann heißt „ehren“ nicht länger „gehorchen“. Jesus hat das ja deutlich gezeigt: als Erwachsene können wir in die Situation kommen, in der wir unseren Eltern auf keinen Fall gehorchen können. Und das will Gott offensichtlich auch gar nicht von Erwachsenen. Auch nicht mit dem 5. Gebot.

Aber ich soll meine Eltern dennoch ehren, auch wenn ich erwachsen geworden bin. Und das bedeutet jetzt „die Eltern achten, sie mit Respekt behandeln“. Viele Anwendungen des 5. Gebots, die Gott dem Mose offenbart hat, zeigen das ganz deutlich. Ein Beispiel: direkt im Anschluss an die 10 Gebote wird das Gebot, die Eltern zu ehren, ganz praktisch erläutert. Und da heißt es: Niemand soll seinen Vater oder seine Mutter schlagen. Und niemand soll seinem Vater oder seiner Mutter fluchen (2. Mose 21,15.17).

In beiden Fällen geht es nicht darum, dass ein Erwachsener seinen Eltern nicht gehorcht. Nein. Es geht darum, dass ein Erwachsener seine Wut ungezügelt auf die eigenen Eltern loslässt. Einmal führt das zu körperlicher Gewalt. Und in dem anderen Fall zu verbaler und psychischer Gewalt. Das ist respektlos gegenüber den Eltern. Und Gott will nicht, dass wir als Erwachsene so mit unseren Eltern umgehen. Aber an keiner Stelle wird in der Bibel ein Erwachsener von Gott dazu aufgefordert, seinen Eltern zu gehorchen.

Es ist ein Vergehen, wenn ich als Erwachsener meine Eltern nicht achte und wenn ich sie nicht mit Respekt behandle.

 

Was es bedeutet, die Eltern zu ehren, verändert sich also ganz offensichtlich, wenn ein Mensch kein kleines Kind mehr ist, sondern erwachsen. Für Erwachsene heißt es, die Eltern zu achten und respektvoll mit ihnen umzugehen.
 

Und in der Zwischenzeit? – die Pubertät

Ich meine, das ist auch der Hauptgrund, warum die Pubertät manchmal so eine schwierige Zeit sein kann. Und zwar für beide Seiten, für die größer werdenden Kinder – und auch für die Eltern. Die herangewachsenen Kinder stehen jetzt nämlich vor einer gewaltigen Aufgabe.

Nicht nur, dass in ihrem Gehirn gerade ein Komplettumbau stattfindet. Und ihr Köper mit bislang völlig unbekannten Hormonen überflutet wird. Sondern die Teenager kommen jetzt auch immer mehr in die Situation, dass sie die Änderung, die Gott selbst für sie vorgesehen hat, – dass sie diese Änderung jetzt auch immer mehr in ihrem eigenen Leben erfahren. Schritt für Schritt.

Von welcher Änderung spreche ich hier? Gott will ja, dass Kinder sich gesund entwickeln. Und das heißt in der Pubertät, dass sie jetzt immer mehr eigene Entscheidungen treffen wollen – und das auch sollen. Kluge Eltern fördern diesen Prozess. Und geben ihren Kindern auch immer mehr Entscheidungsspielraum. Denn die Teenager sollen nun lernen, immer mehr selbst zu erkennen, was Gott will. Und so sollen sie auch immer unabhängiger werden von ihren Eltern. Bis sie dann eines Tages ihr Leben selbst in die Hand nehmen können. Und wenn es gut läuft, wollen sie das auch mit Gottes Hilfe.
 

Wenn die Eltern alt werden

Ich meine, es gibt noch eine dritte Phase, in der „die Eltern ehren“ eine weitere Bedeutung bekommt. Und das ist, wenn die Eltern alt geworden sind. Und wenn sie dann unsere Hilfe brauchen. In der Bibel wird deutlich: Wenn die Eltern alt sind, dann bedeutet, sie zu ehren, dass die Kinder für sie sorgen.

Paulus z. B. versteht das ganz genau so. Er schreibt an seinen jungen Kollegen Timotheus: „Hat eine Witwe … Kinder oder Enkel, dann sollen diese lernen, zuerst denen im eigenen Haus Ehrfurcht zu erweisen und dankbar für die älteren Generationen zu sorgen; so gefällt es Gott“ (1. Timotheus 5,4).

Und Jesus versteht das 5. Gebot auch so, wenn die Eltern alt geworden sind und Hilfe brauchen (Matthäus 15,3-7).

Wenn wir uns heute um unsere alten Eltern kümmern wollen, ist das natürlich eine große Herausforderung. Oft wohnen wir weit weg. Manche Eltern sind so gebrechlich, dass sie in einem Pflegeheim vielleicht besser aufgehoben sind, als zu Hause. Und wenn Eltern an Alzheimer erkrankt sind oder zunehmend dement werden, dann ist das auch für uns als Kinder eine schwierige Situation. Ja, das ist manchmal so.

Aber was auch immer das 5. Gebot in dem Fall heißen mag:

Sicher ist wohl, dass unsere Eltern und Großeltern ihre letzten Tage nicht alleine verbringen sollen. Sicher sollen sie auf ihrer letzten Wegstrecke nicht vereinsamen und auch nicht verzweifeln.

 

Gott segne Sie dabei, Wege zu finden, wie sie sein gutes Gebot, in die Tat umsetzten können.
 

Gott liebt Familien – ich auch?

Zum Schluss noch eine kleine Geschichte. Ich war auf dem Weg in einen Supermarkt für Computer und Zubehör. Bei der Suche nach einem Parkplatz ist mit einem Mal der Weg blockiert. Normalerweise reagiere ich beim Autofahren auf Hindernisse ziemlich empfindlich. Und meistens auch ganz schön ungeduldig. Hier aber hat mich die Szene vor mir sehr angerührt:

Da waren zwei junge Eltern hingebungsvoll damit beschäftigt, ihre drei Kinder zuerst einmal in Sicherheit zu bringen. Und sie auf dem Rücksitz ihres kleinen Autos anzuschnallen. Und das dauert natürlich etwas. Der Einkaufswagen muss dann eben erst einmal warten, selbst wenn er auf der Fahrbahn steht. Als ich diese junge Familie sehe, muss ich daran denken, wie sehr Gott Familien liebt und sich über jeden freut, der sie unterstützt.

Also warte ich geduldig – und auch total gerne. Denn ich will auch Familien unterstützen. Meine eigene – und auch andere. Überall da, wo es mir möglich ist.

Hier gelangen Sie zu Teil 1 und Teil 2 des Artikels.


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