Andacht Lesezeit: ~ 5 min

Family first!? (2)

Die Eltern ehren: Was Gott damit meint – und was nicht.


Gott sagt „Ja“ zur Familie. Darum geht es im 5. Gebot: „Ehre deinen Vater und deine Mutter“. Und er will, dass wir begreifen, wie zentral unsere Treue zu unseren Angehörigen ist. Für unser eigenes Wohlergehen. Und dass wir dann auch ganz „Ja“ sagen zu unseren Familien.
 

Missverstanden und missbraucht – das 5. Gebot

Wer voll und ganz „Ja“ sagen will zur Familie, der will natürlich auch wissen: Was meint Gott denn überhaupt mit dem Gebot: „Ehre deinen Vater und deine Mutter“. Was bedeutet das denn, seine Eltern zu ehren? Was heißt das jetzt ganz praktisch? Viele werden dem vermutlich zustimmen und sagen: Ja, ich will meine Eltern ehren. Ich weiß nur nicht, wie ich das in meinem Alltag leben soll.

Und selbst diejenigen, die ihre Familie von ganzem Herzen lieben, werden wahrscheinlich zustimmen und sagen: Eltern können manchmal ganz schön schwierig sein. Und manchmal können sie sogar ihre Kinder zutiefst verletzen. Und ihnen schaden. Manche Eltern nutzen ihre Autorität aus oder sie missbrauchen ihre Position regelrecht. Ja, es gibt Eltern, die ihren Kindern entsetzliches Leid zufügen.

Kinder werden auch in ihren eigenen Familien Opfer von Gewalt, von Missbrauch, manchmal körperlich, manchmal psychisch. Und das ist Unrecht. Himmelschreiendes Unrecht, das Gott nicht gleichgültig ist.

 

Die Frage, die sich dabei natürlich stellt: Was meint Gott mit dem 5. Gebot, wenn es doch kein Freibrief für Eltern sein soll? Wenn er doch nicht will, dass Eltern ihre Kinder misshandeln und missbrauchen. Ich sehe hier drei wesentliche Grundsätze, die sehr hilfreich sind, das 5. Gebot richtig zu verstehen. Dem auf die Spur zu kommen, was Gott damit im Sinn hat. Und ich denke, sie sind von entscheidender Bedeutung.
 

Ehre wem Ehre gebührt

Der erste Grundsatz: Mit dem Wort „ehren“ – „ehre deine Eltern“ – verbindet Gott auch ein bestimmtes Verhalten der Eltern. Das werde ich jetzt gleich verdeutlichen. Gott wendet sich also ebenfalls an die Eltern: sie sollen sich so verhalten, dass sie würdig sind, geehrt zu werden.

Das 5. Gebot richtet sich zunächst einmal an die Kinder. Ja. Aber es richtet sich auch an die Eltern. Im Anschluss an die 10 Gebote werden alle diese Gebote weiter ausgeführt. Besonders im 2. und 3. Buch Mose, aber auch in anderen Büchern des Alten Testaments. Das wissen viele zwar gar nicht, aber gerade hier werden die Gebote von Gott selbst schon ausgelegt und angewendet. Und dort gibt es viele Gebote, die die Kinder schützen. Auch vor Übergriffen der eigenen Eltern. Und diese Gebote beziehen sich auf das 5. Gebot.

Hier ein paar Beispiele: In der Antike gab es in vielen Kulturen Gesetze, die Eltern das Recht einräumten, ihre eigenen Kinder töten zu lassen. Einfach so, weil sie als Eltern das Recht dazu hatten. In den Gesetzen Roms war das z.B. so. Gott verbietet das in seinem Volk (2. Mose 20,13; 21,12, 3. Mose 18,21).

Eltern verfügen nicht über das Leben ihrer Kinder. Das erscheint uns heute nicht unbedingt als ein besonderer Schutz für Kinder vor ihren Eltern. Aber in der Antike, vor 3.500 Jahren, war das ein gewaltiger Schritt nach vorne.

Vieles hat Gott den Eltern in seinem Volk verboten, was in den anderen Kulturen des Altertums völlig normal gewesen ist. So verbietet Gott, Kinder zu opfern (5. Mose 12,29-31), sie sexuell zu missbrauchen (3. Mose 18,6) und sie als Prostituierte auszubeuten (3. Mose 19,29; 5. Mose 23,18).

Und daneben gibt Gott den Eltern eine ganze Reihe von Anweisungen, ihre Kinder zu fördern, sie aufzuziehen und sie anzuleiten, damit sie Gott und seinen Willen kennenlernen (5. Mose 6,7). Für manche ist das vermutlich ganz selbstverständlich.

Und doch zeigen diese Anweisungen Gottes eines sehr deutlich:

Das 5. Gebot ist kein Freibrief für die Eltern. Sie sind Gott Rechenschaft schuldig. Sie sollen mit ihren Kindern so umgehen, wie Gott sich das vorstellt. Denn das Wort „ehren“ in der Bibel beinhaltet immer auch die Verpflichtung: verhalte dich so, dass du würdig bist, geehrt zu werden.

 

Dass das tatsächlich so ist, das macht spätestens Paulus klar, der Handwerker und christliche Gemeindegründer. In seinem Brief an die Christen in der Stadt Kolossä bezieht Paulus sich auf das 5. Gebot und richtet es an die Kinder. Und dann schreibt er weiter: „Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht entmutigt werden!“ (Kolosser3,21; Epheser 6,4). Das ist eindeutig, meine ich.

Väter und Mütter haben nicht das Recht, willkürlich an ihren Kindern zu handeln. Sondern so, dass die Kinder ermutigt werden, ihr Leben mit Gottes Hilfe eines Tages selbst in die eigenen Hände zu nehmen. Für Paulus ist es überhaupt keine Frage: Das Gebot, Vater und Mutter ehren, verpflichtet auch die Eltern. Sie sollen sich ihren Kindern gegenüber so verhalten, dass sie der Ehre würdig sind, die sie von ihren Kindern empfangen sollen.
 

Gottes Ehre kommt zuerst – danach die Ehre für die Eltern

Der zweite Grundsatz heißt: Gott zu ehren, das kommt auch für Kinder an erster Stelle. Die eigenen Eltern zu ehren erst danach.

 

Wenn Sie sich die 10 Gebote noch einmal bildlich vorstellen, wird das deutlich. Das 5. Gebot ist eben nicht das 1. Gebot. Das macht auch Jesus ein für alle Mal klar. Einmal spricht er davon, dass sich wegen ihm selbst Väter und Söhne, Mütter und Töchter, Schwiegertöchter und Schwiegermütter heftig streiten werden. Sogar so heftig, dass sie schließlich zu Feinden werden. Und zwar allein wegen der Frage, ob jemand an Jesus glaubt und ihm nachfolgen will.

Dazu Jesus: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, zu mir zu gehören. Wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, zu mir zu gehören“ (Matthäus 10,34-37). Die Aussage ist eindeutig:

Jesus zu ehren, ihm zu glauben und zu folgen, das ist wichtiger, als zur eigenen Familie zu halten. Immer wieder wird das bei Jesus deutlich.

 

Das sind sicher harte Worte. Aber sie sind immer noch wichtig. Z. B. wenn manchmal Eltern ihre Kinder davon abhalten wollen, Gott zu dienen. An Jesus zu glauben und dann auch seinem Ruf zu folgen. Ich kenne Menschen, die wurden von ihren Eltern enterbt. Und zwar nur deshalb, weil sie Christen geworden sind. Aber dann gilt: die Eltern zu ehren heißt nicht, mehr auf sie zu hören als auf Gott.

Die Eltern zu ehren bedeutet also keineswegs, dass wir ihrem Willen niemals widersprechen dürften. Nein. Und wenn es sein muss, dann bedeutet das sogar auch, gegen ihren Willen zu handeln. Denn sonst würden wir unsere Eltern zu einem Götzen machen. Und damit würden wir das 1. und das 2. Gebot brechen. Gottes Wille steht an erster Stelle. Immer. Das ist der zweite Grundsatz, der mir wichtig ist, um zu verstehen, was Gott mit dem 5. Gebot sagen will.

Der Artikel wird fortgesetzt mit Teil 3. Hier gelangen Sie zum Teil 1.


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Kommentare

Von Steffen Brack am .

Liebe Birgit B.
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Die 10 Gebote werden tatsächlich unterschiedlich gezählt. Und das hat auch einen Grund. Martin Luther wollte in der Reformation den radikalen Auswüchsen etwas entgegensetzten. Denn in manchen Kirchen wurden alle Bilder von den Wänden gerissen und zerstört. Begründung das 2. Gebot: Du sollst dir keine Gottesbilder machen. Deshalb hat Luther das Gebot zum Bilderverbot dann in seinem kleinen Katechismus kurzum gestrichen. Und damit er dann nicht mehr

Von Birgit B. am .

Man sollte die 10 Gebote auch kennen, wenn man darüber schreibt. Es ist das vierte Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren...


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