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Erzählt Geschichten!

Wie Christen mit muslimischen Menschen von Jesus sprechen können.


Wenn Christen den Wunsch haben, muslimischen Mitmenschen von Jesus zu erzählen, kann es leicht passieren, dass ein Streitgespräch entsteht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass muslimische Gesprächspartner einwenden, dass Gott auf gar keinen Fall einen Sohn haben könne. Von klein auf hat man Muslimen beigebracht, dass dies eine schlimme Gotteslästerung ist. Kern ihrer Religion ist der Glaube an einen einzigen Gott. Die christliche Überzeugung, dass sich Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart, wirkt für Muslime absurd und verwirrend. Gleichzeitig können sie es sich nicht vorstellen, dass ein Gesandter Gottes wie Jesus entwürdigend an einem Kreuz hingerichtet worden sein soll.

Aber Gott hat sich nach christlicher Überzeugung entschieden, seinen Sohn in die Welt zu senden und die Menschheit durch den Tod Jesu und seine Auferstehung mit sich zu versöhnen. Christen wünschen sich von Herzen, dass Muslime dies erfahren und ihr Vertrauen auf Jesus setzen können. Umgekehrt machen sich muslimischen Freunde Sorgen um ihre christlichen Bekannten und wollen sie mit aller Macht von solchen abwegigen Ideen abbringen. So können erregte Debatten entstehen, in denen beide Seiten beweisen und plausibel machen wollen, was sie glauben. Es geht dann leicht darum, wer besser argumentiert und wer schlagfertiger oder klüger ist. Und am Ende bleiben enttäuschte oder in ihrer Ehre verletzte Gesprächspartner zurück, die sich neuen Erkenntnissen eher verschließen als öffnen.

Es können so erregte Debatten entstehen, in denen beide Seiten beweisen und plausibel machen wollen, was sie glauben. Es geht dann leicht darum, wer besser argumentiert und wer schlagfertiger oder klüger ist. – Roland Denner

 

Erzählen als Schlüssel

Wie können Christen Muslimen Jesus Christus näherbringen? Das Gespräch sollte nie ein Monolog sein. Christen sollten zuhören und herausfinden, wie Muslime über Jesus denken. Das hilft, sie besser zu verstehen und durch geduldiges Zuhören finden auch sie Gehör, wenn sie von Jesus erzählen wollen. Erzählen ist dabei der Schlüssel. Christen sollten es neu lernen, einfach biblische Geschichten von Jesus zu erzählen. Sie müssen sie nicht beweisen oder durch Argumente plausibel machen. Sie müssen sie erzählen! Und sie dürfen vertrauen, dass die biblischen Geschichten die Kraft haben, Menschen zu überzeugen. Sie sind Gottes Wort und Gottes Wort ist wirkungsvoll. Das größte Drama ist, dass Muslime fast nie die Chance erhalten, Geschichten aus der Bibel zu hören.

Erzählen ist der Schlüssel. Christen sollten es neu lernen, einfach biblische Geschichten von Jesus zu erzählen. – Roland Denner

 

In den meisten muslimischen Kulturen liebt man gut erzählte Geschichten! Außerdem hören Muslime gerne von Jesus, weil sie ihn respektieren und er auch in ihrer Überlieferung als ein herausragend guter Mensch gesehen wird. Dabei hilft es sehr, dass viele Muslime Träume und Visionen von Jesus hatten, oder jemanden kennen, der dies erlebt hat. Wenn Muslime von Jesus hören, können sie erkennen, dass Jesus größer und bedeutungsvoller ist, als sie das aus dem Islam kennen.

 

Geschichten offenbaren Jesu' Größe

Wenn Jesus einem Sturm befiehlt und der Sturm gehorcht, wenn er Sünden vergibt, Dämonen austreibt, allein durch seine Worte Kranke heilt und Tote auferweckt, dann handelt er in der Autorität Gottes. Anstatt zu versuchen, die Dreieinigkeit Gottes oder die Tatsache, dass Jesus Gottes Sohn ist, zu beweisen oder zu erklären, können Christen Geschichten erzählen, die zeigen, dass Jesus Gott ist, und die illustrieren, was es bedeutet, dass er Gottes Sohn ist. Dann ist es möglich, dass muslimischen Gesprächspartner nach und nach von diesen Geschichten ableiten können, dass Jesus ganz anders ist, als sie das im Islam gelernt haben!

Wenn Muslime die Geschichten um die Hinrichtung Jesu hören, können sie verstehen, dass das Kreuz zwar die schändlichste, grausamste und demütigendste Art einer Hinrichtung war, dass Gott darin jedoch sein gerechtes Gericht über die Sünde der Menschheit vollzogen hat. Sie können erahnen, dass der Gesandte Gottes Jesus in diesem Moment keine Niederlage erlitten, sondern den größten Sieg der Weltgeschichte errungen hat. Als sich der Himmel verdunkelte, der Vorhang im Tempel zerriss und Gräber aufgingen, hat Jesus den Sieg über Tod und Sünde gewonnen!

 

Glaube braucht Zeit

Dabei ist es wichtig, dass Christen ihren muslimischen Mitmenschen Zeit geben! Dass Jesus tatsächlich am Kreuz gestorben und auferstanden ist, dass er der ewige Sohn Gottes ist, ist so undenkbar, fremd und sogar beängstigend für Muslime, dass es sehr großen Mut erfordert, sich vertrauensvoll darauf einzulassen. Viele ehemalige Muslime, die Jesus nachfolgen, bezeugen, dass selbst, als sie Jesus schon von Herzen liebten und sich zu ihm bekannten, es immer noch sehr schwierig für sie war, sich die Trinität vorzustellen oder Jesus Gottes Sohn zu nennen. Oft brauchten sie dafür eine lange Zeit.

Dass Jesus tatsächlich am Kreuz gestorben und auferstanden ist, dass er der ewige Sohn Gottes ist, ist so undenkbar, fremd und sogar beängstigend für Muslime, dass es sehr großen Mut erfordert, sich vertrauensvoll darauf einzulassen. – Roland Denner

 

Vielleicht ist es hilfreich, sich daran zu erinnern, dass die Jünger Jesu trotz bester Unterweisung durch Jesus selbst, und obwohl sie ihn intensiv erlebten, Jahre brauchten, bis sie ihn als Messias erkannten. Und noch länger dauerte es, bis sie verstehen und akzeptieren konnten, dass Jesu Identität als Messias seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung einschließen würde.

 

Bezeugen statt überzeugen

Christen müssen andere Menschen nicht von Jesus überzeugen. Ihr Auftrag ist es, ihn zu bezeugen. Sie dürfen davon erzählen, was sie mit ihm erleben und was die Bibel über ihn berichtet. Das ist ihr Auftrag. Christen müssen Jesus nicht verteidigen oder beweisen. Mir hilft die Vorstellung, mit meinen muslimischen Freunden vor Jesus zu stehen und gemeinsam immer mehr zu verstehen und darüber zu staunen, wie Jesus ist und wer er ist!

Christen müssen andere Menschen nicht von Jesus überzeugen. Ihr Auftrag ist es, ihn zu bezeugen. Sie dürfen davon erzählen, was sie mit ihm erleben und was die Bibel über ihn berichtet. – Roland Denner

 


Dieser Artikel ist erstmalig erschienen in „ReachAcross Aktuell“, der Informationszeitschrift von ReachAcross Deutschland. Wir danken Roland Denner für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.


Roland Denner (Foto: privat)

Roland Denner ist evangelischer Theologe und leitet seit 2006 Leiter den deutschen Zweig von ReachAcross, einer internationalen Organisation, die sich dafür engagiert, Muslimen zu dienen und sie mit dem Evangelium bekannt zu machen. Roland Denner ist in Deutschland in unterschiedlichen Gemeinden und Institutionen unterwegs, u.a. um Christen zu schulen, damit sie ein besseres Verständnis für Muslime und ihren Glauben gewinnen und ihnen mit Liebe, Mut und Respekt begegnen können.


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