Andacht Lesezeit: ~ 4 min

Ernüchternd

Manchen bleibt noch nicht einmal der Name. Der Tod löscht Vor- und Nachnamen aus.


Auf einem Grabstein entdecke ich in großen Buchstaben: FAMILIE MEYER. Wie viele Personen liegen hier wohl? Eltern und Sohn Meyer? Vielleicht bereits die Großeltern? Oder ein Enkel?

Was bleibt von einem Menschen nach seinem Tod? Wenn es gut geht: Vor- und Nachname, Geburts- und Sterbedatum. Manchmal auch ein Bild des Verstorbenen. Ein Bild von jemanden, der mal lebendig war und nun?

Als ich weitergehe, entdecke ich ein Borussenzeichen. Eingemeißelt in einen Grabstein. „Ein Fußballfan,“ denke ich. War Fußball sein Leben? Hat er selbst Fußball gespielt oder war er Trainer? In welcher Liga hat er wohl gespielt?

RIP lese ich auf einem anderen Grabstein: „Ruhe in Frieden“. Ob der Verstorbene seine letzte Ruhe gefunden hat? Hat er an Jesus Christus geglaubt? Erlebt er die ewige Ruhe (Hebräer 4), nach der sich viele Christen in frühen Jahrhunderten zu Lebzeiten gesehnt haben? Womöglich ist er beunruhigt, weil er schon festgestellt hat: „Ich habe die Rechnung ohne den Himmelsschlüssel – Jesus Christus – gemacht.“ Das Grab ist hübsch bepflanzt – erinnert es an einen Paradiesgarten oder ist es ein Trugbild?

Ich gehe weiter. Mein Blick fällt auf einen Bibelvers: „Der Herr ist mein Hirte“ (Psalm 23). Eine Reihe weiter ist Jesus sogar als Hirte  auf einem Grabstein dargestellt. Ich überlege: „Der Mensch hat sich wohl auf einen anderen verlassen. Im Tod erzählt der Grabstein noch von dem, was dem Menschen wichtig war. Wer ihn im Leben und im Tod trägt und nach dem Tod die Himmelstür öffnet. Mit Jesus neben oder vor sich kann er getrost Gott, dem Vater, ins Angesicht schauen. Vorausgesetzt – Jesus war sein Hirte.“
 

Unvergessen

Unvergessen entziffere ich wieder und wieder. Unvergessen – das Wort findet sich auf vielen Herzen, die auf Gräbern liegen. Ich frage mich: „Unvergessen – für wen? Ich kannte die Menschen nicht. Wer vergisst sie nicht? Und ist dieses Wort eine Generation später noch stimmig? Sind die Menschen dann noch im Familien- oder Freundesgedächtnis auffindbar?“

Im Psalm 90, einem alten Gebet, werden nicht nur Friedhofseindrücke zur Sprache gebracht. Gott ist jemand, an den sich der Beter hält. Immer. Im Leben und im Tod. Der Beter bittet Gott ausdrücklich: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Psalm 90,12). Nichts anderes als: Lass mich vor Augen haben, dass mein Leben kurz ist. Ein Grashalm kann morgens noch saftig grün aussehen und abends bereits verdorrt sein. So sieht mein Leben aus Gottes Perspektive aus. Und so empfinde ich es auch selbst manchmal. Schon wieder ist ein Tag zu Ende. Wieder Sonntag. Schon wieder Geburtstag gefeiert. Wie oft noch?
 

Was bleibt?

Und ich frage mich: Was bleibt von mir? Ich möchte unvergessen sein im himmlischen Gedächtnis. Jesus Christus soll meinen Namen kennen, auch dann noch, wenn ich sterbe. Dann bin ich unvergessen. Jesus wird mich nach meinem Tod mit Namen ansprechen. Es wird wundervoll klingen, wenn Jesus meinen Namen ausspricht und zu Gott sagt: „Vater, das ist Elke. Wir sind seit ihrer Kindheit liebevoll miteinander verbunden. Sie hat darauf vertraut, dass ich sie rette, obwohl sie stirbt. Schau, sie lebt, so wie ich lebe.“

Was sollen Menschen von mir behalten? Sie wischte hinter jedem Krümel her? Sollen sie wissen, wie viele Artikel ich geschrieben habe? Nein! Sie sollen wissen, welche Worte mich ein Leben lang geprägt haben: Gottes Worte. Dazu gehört auch Psalm 90.
 

Ungeschminkt

Deshalb gehe ich so gerne über Friedhöfe. Sie zeigen ungeschminkt, was aus einem Hausbesitzer wird. Jetzt reicht ihm ein bescheidenes Fleckchen Erde oder eine Mauernische. Ein Lehrer ist verstummt. Dafür redet sein Grabstein für ihn und lehrt andere. Das ist Leben! Ein Hauch.  

Die Gedanken gehen weiter. Wenn ich als Tote mit so wenig Platz und Informationen über mich auskomme; brauche ich jetzt so viele Fotos an der Wand, so viele Bücher im Regal? Wie oft war ich im Kino! An welchen Film kann ich mich überhaupt noch erinnern?
 

In Erinnerung (in memoriam)

An Jesus möchte ich mich jetzt erinnern. Er soll seine Sicht in den Tag einbringen. Mich davon zurückhalten, unnötige Gegenstände zu kaufen, die ich in zwei Jahren wieder aussortiere. Jesus erinnert mich daran, dass manches Buch nach meinem Tod ungelesen im Regal stehen wird. Dafür wurde es regelmäßig abgestaubt. Jesus soll sich äußern dürfen. Und das tut er. Z. B. so: „Auch wenn es ein Bestseller ist, du musst das Buch nicht lesen. Tut es deiner Seele gut? Lebst du danach nicht zu sehr in einer unrealistischen Welt?“ Nüchtern betrachtet reicht sogar ein Buch. Die Bibel. Jesus legt mir ans Herz: „Vertiefe dich in meine Worte, damit du leichter, weitreichende Entscheidungen treffen kannst.“
 

Für immer!

Ich möchte mit Jesus mein Leben teilen. Deshalb habe ich keine Angst, auf einen Friedhof zu gehen. Ich freue mich, wenn ein Grab Himmelsfreude ausstrahlt. Ernüchtert stelle ich fest: Sie ist selten geworden. Viele Gräber wirken auf mich trostlos, verzweifelt, verwildert, hoffnungslos. Viele werfen mich auf den „Moment Leben“ zurück. Mein Leben auf der Erde soll nicht alles sein. Ich rechne mit siebzig Jahren plus Ewigkeit – wie viel Zeit! Wie viel Zeit, mit Jesus zu reden; über Gott und die Welt.


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Ihr Kommentar

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Kommentare

Von URö am .

Von Christian B. am .

Schön geschrieben, so ist es. Vielen Dank

Von Ulla S. am .

Danke für die so wertvollen Worte. Es hat mich sehr bewegt , da ich auch gerne über unsere hiesigen Friedhöfe gehe und meine Gedanken ähnlich sind . Vielen Dank!

Von Hanne C. am .

Danke für den tollen Beitrag, das geht in die Tiefe und rührt mich an . Wir haben doch so wenig Lebenszeit. Es ist so tröstend, dass unsere Namen im Himmel geschrieben sind.
Herzliche Grüße
Hanne


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