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Standhaft bleiben

Walter Undt über 1. Timotheus 6,20.

Bibelvers

Bewahre, was dir anvertraut ist, und meide das ungeistliche lose Geschwätz.

1. Timotheus 6,20

Wenn ich unsere heutige Politik verfolge, bekomme ich manchmal Wehmut nach den vergangenen Jahren. Damals, als ein Politiker noch für das einstand, was er glaubte, als man in hitzigen Diskussionen hart aneinander geriet. Was waren das damals noch für Charaktere, bei denen man genau wusste, dass sie auch nach der Wahl noch dafür standen, was sie vorher sagten.

Heute habe ich den Eindruck, die Meinungsforschungsinstitute bestimmen, was man als Politiker sagt. Es ist fast egal geworden, wen man wählt, weil man doch nicht weiß, wofür die Person morgen steht.

Es wäre total verkehrt, das allein an den Politikern oder gar an Namen festzumachen. Denn die Politik spiegelt nur die Gesellschaft wider, bildet nur das ab, was wir denken, wie wir leben, wie wir sind. Und so haben wir uns wohl längst daran gewöhnt, dass es ist, wie es ist: Jeder hängt sein Fähnlein schön in den Wind. Weh dem, der es nicht macht.

Sie meinen, dass ist zu pauschal gesagt? Denken Sie doch bitte einmal an die letzte Diskussion, an der Sie beteiligt waren. Hatten Sie den Mut, ihre Meinung fest zu vertreten, auch als die Mehrheit anders dachte? Oder haben Sie doch die eine oder andere Aussage vorsichtiger formuliert oder ganz weggelassen?

Wenn es Ihnen gelungen ist, dann herzlichen Glückwunsch! Dann sind Sie schon ein paar Schritte weiter auf dem Weg, zu dem Paulus Timotheus auffordert, indem er ihm schreibt:

Bewahre, was dir anvertraut ist, und meide das ungeistliche lose Geschwätz.

(1. Timotheus 6,20)

Bewahre, was dir anvertraut ist! Hier geht es um das Evangelium, um das Wort Gottes. Jesus hat es uns anvertraut. Er hat uns seinen Heiligen Geist gegeben, der uns diese Wahrheit verständlich macht. Eine Wahrheit, die eine Alternative zum Leben ohne Jesus beschreibt. Kinder Gottes, erst recht, wenn sie in leitender Funktion sind, haben die Aufgabe, Bewahrer zu sein. Ein bekanntes Fremdwort dafür lautet übrigens „konservativ“. 

Timotheus, einem jungen Mann, der schon viel Verantwortung für eine Gemeinde tragen musste, wird hier Mut gemacht, anders zu leben; anders als die Welt, die nicht zu Gott gehört. Es geht dabei um das Festhalten an den unverrückbaren Werten und Geboten, die Gott uns gegeben hat. Es sind Werte, die Gott seinen Kindern anvertraut hat, damit sie in seinem Sinn damit umgehen. Kinder Gottes wissen um den Wert dieser Gebote und Regeln, wissen, dass sie letztlich das beste Lebenskonzept für uns Menschen sind.

Es ist ein Ausdruck von majestätischem Adel, wenn Kinder Gottes ihr Leben so gestalten, wie es ihrer Würde, ihrer Familienzugehörigkeit entspricht.

Was dazu überhaupt nicht passt, schreibt Paulus auch: meide das ungeistliche, lose Geschwätz!

Hier geht es nicht darum, dass Timotheus als Spaßbremse durch die Welt laufen soll, immer auf der Hut zu sein hat, dass ihm nicht mal ein falsches Wort über die Lippen kommt. Die Aussage kann ich mit Psalm 1 vergleichen. Dort heißt es sinngemäß: Gut hat es der, der sich nicht dort wohl fühlt, wo die Spötter sitzen. Man kann sehr leicht in ein ungutes Reden übereinander abrutschen - das kennt sicher jeder von uns! Eigentlich will man es nicht, aber so schnell redet man sich in Rage und dann kommen nicht anwesende Personen sehr schlecht dabei weg.

Ungeistliches Geschwätz ist es, weil der Geist der Welt, aber nicht der Geist Gottes uns dazu bringt, so zu reden. Es ist der Durcheinanderbringer, der dahinter steckt, der von Anfang an Chaos in die Welt brachte.

„Aus einem Munde kommt Loben und Fluchen. Das soll nicht so sein, liebe Brüder.“, schreibt Jakobus - und unterstreicht damit, was Paulus an Timotheus schreibt. Bewahrer von Gottes Wort sollen eindeutig sein, klar im Leben und klar im Reden als Kinder Gottes auftreten.

Darum bewundere ich im Nachhinein die kernigen Politiker von früher. Sie sprachen deutlich und klar aus, wofür sie standen, sagten den anderen, was sie von deren Einstellung hielten - und konnten sich hinterher treffen, um ein Bierchen miteinander zu trinken.

Ich möchte zwar nicht Politiker sein, aber Gottes Wort mit dem Mund und Leben bewahren und vertreten, egal was die anderen sagen - und es dabei mehr und mehr lernen, das ungeistliche Geschwätz sein zu lassen: das soll Gott mir wert sein!


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