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Rest meines Lebens

Jörg Dechert über 1. Mose 35,3.

Bibelvers

Jakob sprach: Lasst uns nach Bethel ziehen, dass ich dort einen Altar errichte dem Gott, der mich erhört hat zur Zeit meiner Trübsal und mit mir gewesen ist auf dem Wege.

1. Mose 35,3

Jakob sprach: Lasst uns aufbrechen und nach Bethel ziehen, dass ich dort einen Altar errichte dem Gott, der mich erhört hat zur Zeit meiner Trübsal und mit mir gewesen ist auf dem Wege, den ich gezogen bin.

So lautet ein Satz aus dem ersten Buch der Bibel, 1. Buch Mose Kapitel 35 Vers 4. Ein Vers wie ein Scheinwerfer ins Leben eines bestimmten Menschen, zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort. „Na und?“, möchte ich fast sagen. Zu jeder Zeit brechen unzählige Menschen auf zu unzähligen Orten. Was ist daran besonders?

Ich glaube, wir können von diesem und anderen Berichten der Bibel etwas lernen, das wir nirgendwo sonst lernen können. Etwas, das das Zeug hat, unser ganzes Leben in einem neuen Licht  erscheinen zu lassen. Deshalb lade ich Sie ein, mit mir kurz einzutauchen in die Geschichte dieses bestimmten Menschen aus dem Bibelzitat.

Dieser Mensch hieß Jakob und lebte vor mehr als 3.000 Jahren. Wie sein Großvater Abraham zog er als nomadischer Hirte umher, auf dem Gebiet der heutigen Staaten Israel und Jordanien. Jakob war offensichtlich kein Ausbund von Edelmut und neigte zum Taktieren, Tricksen und Täuschen, um zu bekommen was er wollte. Bereits im Teenageralter erschleicht sich Jakob als Zweitgeborener den ersten Platz in der Erbfolge seiner Familie. Weil er die Rache seines älteren Bruders Esau fürchtet, setzt er sich von zu Hause ab, um bei einem Verwandten Schutz zu suchen.  Auf dieser Flucht hat Jakob einen Traum, in dem ihm Gott erscheint. Gott, den er bislang nur von den Erzählungen seines Großvater Abrahams und seines Vaters Isaak kennt.

Gott gibt Jakob ein Versprechen: Dass seine Flucht eines Tages ein Ende haben wird. Dass Jakob wieder an diesen Ort und zu seiner Familie zurückkehren wird. Dass Gott ihm eine große Familie schenken und ihn segnen wird. Jakob ist überwältigt, und er betet: Gott, wenn du dein Versprechen wirklich wahr machst, will ich für den Rest meines Lebens zu dir gehören. Jakob nennt diesen Ort Bet-El, zu Deutsch: „Haus Gottes“.

Es soll zwanzig Jahre dauern, bis Jakob zu diesem „Haus Gottes“ zurückkehrt. Zwanzig Jahre, in denen Jakob in der Fremde lebt, selbst Betrug und Täuschung erleidet, zu Wohlstand kommt, eine Familie gründet, Söhne und Töchter bekommt, seine Frau verliert, sich mit seinem Bruder aussöhnt. Zwanzig Jahre Achterbahn des Lebens, und aus dem Teenager wird ein lebenserfahrener Mann.

Und dann, eines Tages, wird Jakob erneut das Reden Gottes bewusst. Und Gott erinnert ihn, ruft ihn zurück nach Bet-El. Zurück an den Ort, an dem Gott ihm zwanzig Jahre zuvor ein Versprechen gegeben hatte – und er, Jakob, umgekehrt Gott auch. Jakob wird bewusst: Gott hat sein Versprechen gehalten.  Hat ihm tatsächlich eine große Familie und Wohlstand geschenkt. Und Jakob ist klar: Jetzt ist es an mir. Jetzt ist meine Antwort gefordert.

Und dann sagt Jakob zu seiner Familie diesen Satz: Lasst uns aufbrechen und nach Bethel ziehen, dass ich dort einen Altar errichte dem Gott, der mich erhört hat zur Zeit meiner Trübsal und mit mir gewesen ist auf dem Wege, den ich gezogen bin.

Sie und ich, wir sind nicht Jakob. Aber von der Geschichte Jakobs können wir etwas lernen, das auch zu unserer Zeit gilt und an dem Ort, an dem wir leben: Dass Gott treu ist. Auch gegenüber einem Taktierer und Täuscher und Trickser wie Jakob. Auch durch alle Höhen und Tiefen des Lebens  hindurch.

Gott ist treu – diese Gewissheit hat das Zeug, mein ganzes Leben in einem neuen Licht  erscheinen zu lassen. Deshalb sage ich: Zu diesem Gott will ich für den Rest meines Lebens gehören!


Kommentare

Von Wolfgang S. am .

Hallo Herr Dechert,
zwei Sachverhalte über Jakob werden meines Erachtens kaum berücksichtigt: 1. Rebekkas Vision und die Rolle, die sie bei der Erziehung daraufhin haben wird,
2. das in 1. Mose 25, 27-28 erwähnt wird, dass Jakob sittsam war, d. h., Jakob war fromm, rechtschaffen und anerkannt. Er hat seinen Job im Betrieb gemacht, war aber nur auf Rang 2 in der Nachfolge. Er geht außerdem mit dem väterlichen Segen.
Ihn rein als Betrüger abzustempeln halte ich nicht für richtig. Das war er mehr


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