/ Wort zum Tag

Rettende Selbsterkenntnis

Gerhard Weinreich über Psalm 139,23-24.

Bibelvers

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Psalm 139,23–24

Es war einmal ein Salatkopf. Bald übertraf er alle anderen Salatköpfe im Beet an Größe. Das stieg ihm so sehr in den Kopf, dass er hochnäsig tönte: „Ja, ja, Köpfchen muss man haben!“ Schließlich kam der Tag der Ernte. Der große Salatkopf meinte, natürlich als Erster geerntet zu werden. Er sollte sich täuschen. Man mochte ihn nicht mit seinen großen, aber zähen Deckblättern. Man schnitt die Salatköpfe ab, die ein zartes Herz hatten. Zu spät erkannte er: Der Kopf tut’s nicht – das Herz ist gefragt!

Psalm 139 sagt uns: Genau das hatte der größte König Israels, David, erkannt. Nicht sein Kopf – sein Herz war gefragt! Gefragt von Gott. Gefragt von dem, der ihn genau kannte. Der seine Gedanken von ferne verstand. Der alle seine Wege sah. Der jedes Wort auf seiner Zunge wusste. Und trotzdem war von Gott sein Herz gefragt! Nicht deshalb, damit Gott dann vieles von David erfahren würde, was ihm bisher unbekannt war. Nein, David wollte selber neu erkennen, wie es um sein Herz bestellt war! Deshalb bat er Gott am Ende seines Psalms: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege."

Was für ein mutiges Gebet! David hätte doch Angst haben müssen, was ihm Gott alles aufzeigen könnte: jede offenkundige Schuld, jede verborgene Sünde. Ohne Chance, sie zu leugnen oder sich selber davon freizusprechen.

Ist es dann nicht riskant, sich Gott so auszuliefern, wie es David getan hat? Mit der Aufforderung an Gott, uns zu erforschen, zu prüfen und zu erkennen, würden wir uns ihm doch ans Messer liefern –  ja, unser eigenes Todesurteil sprechen! Das wäre so, wenn Gott nicht vor 2000 Jahren seinen eigenen Sohn uns Menschen ausgeliefert und geopfert hätte. Nur aus dem einen Grund: damit Sie und ich durch und mit Jesus den Weg zum ewigen Leben finden und gehen. Deshalb nur Mut zur Selbsterkenntnis, die Gott uns schenken will! Sie ist die Rettung für jeden Menschen. Er mag getan haben, was er will.

Ein junger Mann steht mir vor Augen. Er musste mich unbedingt sprechen. Kaum hatte er in meinem Amtszimmer Platz genommen, legte er los: „Herr Pfarrer, mein Herz ist ein Saustall! Meine Frau wollte sich von mir scheiden lassen. Ich nicht. Ich wollte sie umstimmen. Vergeblich. Da packte mich so die Wut, dass ich sie vergewaltigte! Jetzt habe ich mein ganzes Leben versaut.“ „Stimmt nicht!" antwortete ich ihm. „Es gibt für Sie noch eine zweite Chance. Drehen Sie sich mal um! Hinter ihnen hängt ein Kreuz an der Wand. Es ist die Garantie: Der daran starb, starb auch für Ihre Schuld!“ Deshalb konnte ein Luther sagen: ‚Ist unser Herz unser Verteidiger, ist Gott unser Ankläger. Ist aber unser Herz unser Ankläger, ist Gott unser Verteidiger.’ Womit Luther sagen wollte: Wer sich selbst beschuldigt, den entschuldigt Gott! Wer ihm gegenüber seine Schuld zugibt, dem vergibt er sie – um Jesu willen! Das ist Ihre zweite Chance,“ ermutigte ich den Mann. Er schwieg. Ich betete mit ihm.  Dann ging er wieder.

Ob ihn unser Gespräch zu Jesus geführt hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, Jesus wartet darauf, dass Sie und ich – und wenn es mit Herzklopfen ist – mit David beten: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz.“ Und wir dann mit unserer Selbsterkenntnis zu ihm gehen, unter sein Kreuz, weil das unsere Rettung ist!


Kommentare

Von Sylvia K. am .

ich schließe mich den beiden Kommentaren an. Er mag Buße tun und ihm wird vergeben , aber die Frau wird sich erst recht scheiden lassen. Die 2. Chance mit seiner Frau gibt es nicht..Leider gibt es unter uns Menschen , die anderen Böses tun und fann meinen der liebe Herr Jesus wird es schon wieder gut machen. So ist es nicht. Vor Gott mag es gut werden , wenn die Buße echt idt , was ich auch etwas bezweifle, aber Vergebing beinhaltet nicht dass die Frau alles für ungeschehen betrachtet. Die mehr

Von Stefan K. am .

Einfach großartig beschrieben und gesprochen.. auch wenn man um IHN weiß und um Seine Heldentat.. es so gesagt zu bekommen, im eigenen Sumpf...eröffnet Leben..... Sein Leben und Lieben....Danke und vergelt's Gott.... DANKE... Das ist und war im wahrsten Sinne ein Gottesdienst. DANKE

Von Birgit am .

Wie wäre es jetzt mal mit einer Erklärung von Herrn Pfarrer Weinreich?

Von Silke S. am .

Lieber Pfarrer Gerhard Weinreich, liebe Kommentatoren,
bedanken wollte ich mich für das Beispiel mit dem Salatkopf... Ich bin selbst so ein Kopf.... und schütze mein Herz...
Die Aufregung der Kommentatoren davor verstehe schon auch... eine Freundin von mir wurde oft von ihrem Mann vergewaltigt von ihrem Exmann -
und erst Jahren hat sie es erst jetzt erzählt.
Ich bete für alle Beteiligten. Ich hab Sie, Herr Pfarrer, so verstanden, dass Sie eben einfach in dem Moment für den Mann da waren... sicher würden Sie die Frau verstehen, ihr auch helfen wollen?
Shalom,
...
und

Von Rainer S. am .

Im Grunde stimme ich beiden Kommentaren voll zu, weil ich genauso oftmals zu solch einer Urteilshaltung komme. ``Dem müsste mal ..., , der sollte mal ..., dem/der Minister/in muss man doch den kopf waschen ..., der Präsident ist doch nicht klar ..,.``Doch die Urteilsfindung von Jesus Christus und Gott hat andere, für unseren Verstand und Geist nicht nachvollziehbare Entscheidungen, an denen wir immer wieder (ver-)zweifeln. Siehe Begegnung Jesus mit der Ehebrecherin: Wer ohne Sünde ist werfe mehr

Von URo am .

"Herr Pfarrer, mein Herz ist ein Saustall! Meine Frau wollte sich von mir scheiden lassen. Ich nicht. Ich wollte sie umstimmen. Vergeblich. Da packte mich so die Wut, dass ich sie vergewaltigte! Jetzt habe ich mein ganzes Leben versaut.“
*******
Sehr geehrter Herr Weinrich,
nach dem Lesen Ihres Beitrages verstehe ich nichts mehr. Gab es auch eine Tasse Kaffee zum Gespräch? Als Mann kann ich nur abstrahieren wie es der Frau gegangen ist.
Er hat sein Leben versaut?
Was ist mit dem Leben seiner mehr

Von Birgit am .

Ich empfinde diese Beispielgeschichte als verstörend.
Der Mann hat vor allem das Leben seiner Frau versaut und bedauert sich selbst....
Ihn mit einem dummen großen Salatkopf zu vergleichen verharmlost ihn und zieht die schlimme Geschichte eher noch ins lächerliche. Ich als Frau fühle hier eher Verständnis für die Frau, die sich scheiden lassen will.
Bitte überdenken Sie künftig, wie Ihre Beispiele auf beide Geschlechter wirken.
Eine erlebte Vergewaltigung ist sicher eine Tat, über die man mehr


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