/ Wort zum Tag

„Mir ist bange“

Ulrich Mack über 2. Korinther 4,8-9.

Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.

2. Korinther 4,8–9

Es war neulich beim Zahnarzt. „Mir ist bange“, dachte ich beim Warten. Aber dann erinnerte ich mich, wie das Bangesein bei Paulus weitergeht. Er schreibt einmal: „Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.“ Als ich dann auf dem Zahnarztstuhl saß und … – ach, ich erspare uns die Details –, da dachte ich weiter an Paulus. Der hatte ganz andere Herausforderungen. Er kam oft, wie man so sagt, auf dem Zahnfleisch daher. Der hatte nicht nur Wurzelprobleme im Kiefer. Bei ihm ging‘s immer wieder an die Wurzeln des Lebens. Im zweiten Korintherbrief berichtet er: „Ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer“. Dazu kamen bei Paulus die Anfeindungen an vielen Orten. Auch die Strapazen auf den langen Reisen, meistens zu Fuß. Und schließlich quälte ihn eine chronische Krankheit, er nennt sie „Pfahl im Fleisch“.

Hätte ich das durchgehalten? Wie halten wir überhaupt durch? Ich könnte von mir ja jetzt nicht nur vom Zahnarzt erzählen, sondern von manchen Leidstrecken im Leben. Und Ihnen, die Sie jetzt zuhören, geht es vielleicht auch so. „Mir ist bange“, denkt jemand vor einer Operation – oder wenn die Wunde nicht heilt. Oder wenn seelische Wunden schmerzen, Trauer oder Brüche im Leben. Die Reihe kann lang werden. Was hilft dann?

Im 2. Korintherbrief schreibt der Apostel sehr persönlich, wie er mit den Schwierigkeiten umgeht. In Kapitel 4 lesen wir: „Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.“

Soweit Paulus – und ich denke: Wow. Das klingt stark. Fast heroisch. Will sich Paulus als Held zeigen, der über dem Leiden steht? Nein, er sieht es, zählt es ja auf: „Wir sind bedrängt, verfolgt, unterdrückt“. Doch dann das „aber“ - vier Mal „aber – aber wir kommen nicht um, aber wir verzagen nicht, aber wir haben keine Angst, aber wir werden nicht verlassen“. Es ist das Aber des Glaubens. Das Aber, das weitersehen lässt. Das Aber, das sich Gottes Gegenwart und Kraft öffnet.

Wenn wir nur auf uns sehen, haben wir Angst. Dann hängen wir an unseren Sorgen. Dann ist uns bange vor Morgen.

Aber Christus ist da. Er ist heute mit uns und morgen, auch in den Tiefen des Lebens. „Uns ist bange – aber wir verzagen nicht.“ Können wir es für heute durchbuchstabieren? Ob mitten im Alltag oder im Krankenbett, ob von der Corona-Pandemie betroffen oder in Trauer, ob im Beziehungsstress oder auf dem Zahnarztstuhl: buchstabieren wir es für uns: Ich bin einsam, aber nicht verlassen, ich bin krank, aber nicht verloren, ich bin traurig, aber nicht ungetröstet. Denn meine Zukunft liegt in Gottes Hand. Ein mutiges, fröhliches Aber wünsche ich Ihnen heute.



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