/ Wort zum Tag

Es muss einfach raus

Jörg Dechert über Lukas 19,37-38.

Bibelvers

Die ganze Menge der Jünger fing an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Lukas 19,37–38

Wer schon mal eine Zeitlang im Ausland unterwegs war –beruflich oder für einen längeren Urlaub – der weiß: Die meisten Menschen in den meisten anderen Ländern gehen offener und lautstärker mit ihren Emotionen um, als die meisten Menschen in Deutschland. Im Negativen genauso wie im Positiven: Da wird im Verkehrschaos viel gehupt und vehement geschimpft – aber genauso auch der eigenen Freude lautstark Ausdruck verliehen.

Wenn ich’s mal sehr pauschal sagen darf: Mit der lautstarken Freude sind wir in Deutschland meistens doch eher etwas zurückhaltend. Mit regionalen und jahreszeitlichen Ausnahmen – dem Karneval. Und mit Ausnahme von Fußball. Wenn die eigene Lieblingsmannschaft Deutscher Meister wird, dann wird gejauchzt, geschrien und gejubelt, das kann man als Fan unmöglich für sich behalten, es muss einfach raus.

So ähnlich stelle ich mir das vor, als Jesus in Jerusalem einzog. Damals, vor rund 2.000 Jahren. Für seine Freunde und Jünger war er ganz klar der von Gott versprochene Retter. Der nun – endlich – in Jerusalem einzieht, das religiöse Zentrum des Judentums betritt. Und sie waren überzeugt und voller Hoffnung: Nun würde sich endlich die Herrlichkeit Gottes zeigen! Nun würde sich Jesus endlich als König der Juden zu erkennen geben. Nun würde sich endlich der „Schalom“, der umfassende Friede Gottes, im Land ausbreiten.

Der Evangelist Lukas beschreibt dieses Ereignis im 19. Kapitel seines Evangeliums ab Vers 37 so:

Die ganze Menge der Jünger fing an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Was für eine Freude! Was für ein Jubel! Für die Jünger muss das so gewesen sein, wie für eingefleischte Fußballfans der Gewinn von Deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League auf einmal.

Aber nicht jeder geht auf in dieser Atmosphäre der Freude und des Jubels. Mitten in der Menge stehen welche, die halten den Jubel um Jesus für religiös unangemessen. Und das sagen sie ihm auch, wie Lukas in Vers 39 weiter berichtet:

Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht!

Fast sehe ich ihre Gesichter vor mir. Die gerunzelte Stirn. Der kritische, verächtliche Blick. Die vermeintliche moralische Überlegenheit. Jesus, wie kannst du dich nur so feiern lassen? Geht es nicht auch eine Nummer kleiner, würdiger, … wohlgeordneter? Muss man es gleich so übertreiben?

Ja, muss man – sagt Jesus. Für ihn ist die Freude seiner Anhänger keineswegs eine Übertreibung, sondern nur angemessen und realistisch. Jesus wörtlich – Vers 40 - :

Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Wenn Gott zu den Menschen kommt, sagt Jesus damit, dann ist das ein Grund zur größten Freude. Es muss einfach raus. Der Versuch, diese Freude religiös zu regulieren oder im Namen des Anstands auf ein emotionales Mittelmaß zu reduzieren, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der Jubel über Jesus wird sich seinen Weg suchen – und wenn ihn nicht seine Nachfolger feiern, dann eben die Steine, die Gott geschaffen hat.

Ich persönlich bin jetzt nicht der größte Fußballfan. Ich tue mich eher schwer, für eine Mannschaft mit zu fiebern. Aber wenn ich im Gottesdienst bin, oder wenn ich christliche Lieder singe, oder wenn ich beim Laufen im Wald bete, dann möchte ich nicht, dass Gott auf Steine zurückgreifen muss. Dann gilt für mich: Die Freude über meinen Retter, der Jubel über Jesus - er muss einfach raus!


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