/ Wort zum Tag

Hütet euch vor der Habgier!

Detlef Garbers über Lukas 12,15.

Bibelvers

Jesus spricht: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.

Lukas 12,15

Um jede fünfte Erbschaft wird in Deutschland gestritten. Das brachte eine Studie vor einigen Jahren ans Licht. Der Grund ist offensichtlich: Einer der Erben fühlt sich benachteiligt. Er gibt sich nicht mit dem ab, was ihm zugesprochen wird. Andere fühlen sich übergangen. Sie wurden im Testament des Verstorbenen nicht erwähnt.

Auf der einen Seite gibt es das Erbrecht auf der anderen Seite muss sich jeder fragen: Habe ich auf etwas ein Anrecht, für das ich mich nicht eingesetzt habe? Wenn in Familien um ein Erbe gestritten wird, dann leiden darunter die Beziehungen. Das war auch schon zur Zeit von Jesus so. So kommt eines Tages eine Person auf Jesus zu und bittet aus der Volksmenge heraus um Hilfe. „Meister, sage meinem Bruder, dass er mit mir das Erbe teile.“ Da fühlt sich einer übergangen. Ja, noch nicht einmal den Pflichtteil scheint er erhalten zu haben. Der Bruder hat alles einkassiert. Doch Jesus weist diese Bitte mit folgenden Worten schroff ab: „Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt?“

Und dann fügt Jesus noch einen Kommentar dazu und spricht: „Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.“ (Lukas 12,15)

Dieses Wort ist eine scharfe Mahnung an alle, die folgendermaßen denken: Wenn ich mehr habe, kann ich mir auch mehr leisten. Als frommer Mensch kann ich dann noch hinzufügen oder hinzudenken: Wenn ich mehr habe, kann ich auch mehr spenden. Doch dieses „Immer-mehr-haben-wollen“ zerstört unser Leben.

Dazu fällt mir eine jüdische Anekdote ein: Ein Jude fragt einen Rabbi. „Ich verstehe nicht, dass die Armen freundlich und hilfsbereit sind, die Reichen einen aber nicht einmal anschauen. Was hat es mit dem Geld auf sich?“ Der Rabbi erwiderte: „Geh ans Fenster, was siehst du?“ „Ich sehe Kinder auf der Straße spielen, Frauen, wie sie auf dem Marktplatz sich unterhalten. „So jetzt tritt hier vor den Spiegel“, forderte der Rabbi den Juden auf. Was siehst du jetzt?“ „Natürlich mich.“ „Schau“ sagt der Rabbi „ das Fenster ist aus Glas, doch legst du nur ein wenig Silber dahinter, so siehst du nur noch dich selbst. Genauso ist es mit dem Geld.“

 Geld und Reichtum werden die Habgier wecken. Wie gesagt: Leben tut nicht der, der immer mehr anhäuft, sondern der, der sein Leben zur Verfügung stellt. Jesus hat das getan.

Denis Mukwege ist Arzt und Pastor in Zentralafrika. Letztes Jahr hat er den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz unter kriegsgeschändete Frauen erhalten. Der Glaube an Jesus Christus ist das Fundament seines Dienstes an den traumatisierten Frauen. Er nimmt Todesgefahren auf sich, wenn er sich in der Krisenregion des Kongo und der Nachbarstaaten für diese Frauen einsetzt. Er hätte sich auch ein bequemes Leben in Europa oder anderswo machen können. Während seines Studiums in Frankreich lernte er das angenehme Leben kennen. Es war eine Versuchung, mehr zu verdienen und mehr haben zu wollen. Mit Gottes Kraft konnte er sich der Habgier nach Geld entziehen. In seiner lesenswerten Biographie „Meine Stimme für das Leben“ steht der Satz, der ihm geholfen hat: Mehr als satt essen kann ich mich hier oder dort nicht.


Kommentare

Von Sabine W. am .

Wow!
Endlich mal wieder ein gehaltvolles Wort zum Tag mit ganz direktem Bezug zum Leben!
Und so tolle Beispiele!
Herr Garbers, schreiben Sie bitte öfters!

Von Marianne H. am .

Sehr geehrter Herr Gabers, vielen Dank für Ihre Ausführungen, denen ich voll und ganz zustimme. Ganz besonders berührt bin ich von dem letzten Absatz über Dr. Denis Mukwege, dessen Biographie ich zurzeit lese. Ein sehr bewegendes persönliches Buch, dass ich wirklich empfehle zu lesen.


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