/ Wort zum Tag

Jesu Art

Johannes Holmer über Markus 10,42-43.

Bibelvers

Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.

Markus 10,42-43

Vor kurzem las ich das Buch eines Politikwissenschaftlers. Der schrieb über die Geschichte der Demokratie, die bereits bei den alten Griechen sehr präsent war. Schon damals gab es verschiedene Denk-Richtungen für die Ausgestaltung von Demokratie. Und schon in den Anfängen dieser philosophischen Gedanken war die Rede von einem Bild, das wir vor allem aus der Bibel kennen: nämlich dem Bild von den Hirten und den Schafen, den Hirten und der Herde oder den Lämmern. Auf den biblischen Gebrauch dieses Bildes gehe ich gegen Ende noch ein.

Aber bereits bei Homer und Platon war genau davon die Rede. Als „Hirten“ galten die damaligen Herrscher, als Herde das Volk, das von ihnen geleitet, betreut oder, je nach Zeit und Ausgestaltung: beherrscht und manipuliert – und oft auch für dumm gehalten wurde. Die Herrscher haben schon damals oft Völker als Manövriermasse ihrer Herrschaftssysteme missbraucht.

Genau davon spricht Jesus im Blick auf die Systeme dieser Welt. Und es ist offenbar nicht wirklich so maßgeblich, ob es sich um ein demokratisches (in dem das Volk „regiert“), oder auch monarchistisches System (in dem ein König regiert) handelt. Es gibt natürlich weitere Herrschaftsformen.

Jesus sagt in Markus 10,42–43: „Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so soll es unter euch nicht sein; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.“

Hier sagt Jesus: Unter euch, also unter denen, die ihm nachfolgen und die den Willen seines Vaters im Himmel tun wollen, soll es anders sein, anders als unter den Mächtigen dieser Welt.

Was aber soll denn anders sein?  Sie sollen bereit sein, auf Herrschaft zu verzichten und stattdessen zu dienen. Wer wirklich als groß gelten will, der soll anfangen, Diener zu werden. Das ist das blanke Gegenteil von dem, was in unserer Welt üblich und normal ist.

An anderer Stelle greift Jesus in demselben Zusammenhang dieses philosophische Bild von Homer und Platon auf und stellt dem seine Vision, die er verkündet und verkörpert entgegen.

Dort redet er von einem Mietling, also einem angestellten Hirten und sagt: Das sind die, denen die Schafe nicht gehören. Und wohl genau deswegen kümmern sie sich auch nicht wirklich um die Schafe. Sie kümmern sich vor allem um sich selbst.“ Diese gemieteten Hirten tun nur so, als würden sie sich kümmern, und als würden die Schafe ihnen sogar gehören. Stattdessen beherrschen sie sie und tun ihnen Gewalt an.

Ganz anders ist es bei dem, dem die „Schafe“ in Wirklichkeit gehören, nämlich Gott. Der ist, obwohl sie ihm gehören, obwohl er sie geschaffen hat, ganz anders aufgestellt. Er liebt sie. Er will ihr Bestes. Und er will sie nicht beherrschen, sondern sie einladen in sein ewiges wunderbares Reich, in das Reich Gottes. Da mündet dann alles ein in den wunderbaren Satz von Jesus: „Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ Hier ist das Dienen auf die Spitze getrieben. Aber Jesus fordert es nicht von anderen, sondern er lebt es vor. Er tut es selbst. Er ließ sein Leben für die Schafe, für jedes einzelne. Das ist das Alternativ-Programm Gottes für unsere Welt.

Und was bedeutet das für uns? Von Anfang an, schon im Römischen Reich, haben die Christen sich nicht gegen die Herrscher aufgelehnt, sondern einfach zeugnishaft anders gelebt. Sie haben eben nicht die ethische Liberalität der Römer übernommen, sondern nach Gottes Regeln gelebt. Sie haben zum Beispiel Kinder, Alte, Behinderte geliebt und gepflegt, anstatt sie vor oder nach der Geburt zu töten oder auf andere Weise zu beseitigen. Sie haben mit ganzer Freude und ohne Groll alternativ zum Mainstream gelebt. Sie wurden Diener. In ihrer Familie, bei den Kranken und Schwachen, bei ihren Nachbarn. Das brachte ihnen irgendwann die Beachtung und Achtung der Menschen um sie herum ein. Irgendwann wirkte ihr Zeugnis, weil es zeigte, wie der Schöpfer sich das Leben gedacht hat.

So wünsche ich uns ein solch kräftiges Zeugnis von Gottes Liebe und Gottes Willen und Wort in unsere jeweilige Umgebung hinein! Wir werden gebraucht in dieser Welt, um ihr die alternative Lebensart der Liebe Gottes zu zeigen und vorzuleben!


Kommentare

Von Sabine am .

So ein gehaltvolles Wort habe ich beim ERF lange nicht gelesen. Sehr ermutigend! Man hätte es vielleicht noch mit Beispielen aus der heutigen Arbeitswelt samt ihrem menschenverachtenden Führungsverständnis konkret untermauern können.


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