/ Wort zum Tag

Jeremia 2.0

Andreas Schenk über Jeremia 32,17.

Bibelvers

Ach HERR, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgereckten Arm, und es ist kein Ding vor dir unmöglich.

Jeremia 32,17

Haben Sie sich auch schon gefragt, was diese oder jene biblische Person in unserer Zeit sagen würde?

Beim Propheten Jeremia etwa finde ich diese Frage spannend. Aus seiner Sicht wurden grundlegende Haltungen wie Gerechtigkeit und Solidarität zu wenig beachtet. Jeremia musste den Menschen immer wieder Unheil und schlimme Zeiten voraussagen.

Sähe Jeremia heute auch Grund dazu? Was hätte er uns zu predigen?

Zu seinen Lebzeiten haben viele Jeremia wohl als „Miesepeter“ wahrgenommen. Immer wieder hat er Ungerechtigkeit, Habgier und Scheinheiligkeit angeprangert. Er bezeichnete es als Gottlosigkeit, die ins Unheil führt. Wiederholt hat er Krankheit, Hunger und den tiefen Fall des Reiches Juda prophezeit

Das hört niemand gerne. Als ein feindliches Heer Jerusalem belagert, lässt König Zedekia Jeremia in den Kerker werfen. Seine Aussagen hatten die Moral des Volkes untergraben.

„Prophezeie doch etwas, das den Kämpfenden Mut macht.“. Doch der Feind ist übermächtig. Die Angriffswälle reichen schon bis zu den Stadtmauern. Und in ihnen wüten Hunger und Pest. Niemand kann die Lage schönreden.

Doch mitten in dieser Katastrophe lässt Jeremia einen Verwandten zu sich in den Kerker kommen. Auf Gottes Geheiß hin kauft er ihm einen Acker ab. Ein Stück Land, das – wie alles – bald von König Nebukadnezar und den Babyloniern besetzt sein wird. Herausgeworfenes Geld. Jeremia kauft den Acker trotzdem. Gerade in dieser Not. Es ist ein Zeichen. „Es werden wieder Häuser, Felder und Weinberge in diesem Land gekauft und angebaut werden.“ (vgl. Vers 15)

Und nach dem öffentlich beglaubigten Kauf betet er:

„Ach HERR, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgereckten Arm, und es ist kein Ding vor dir unmöglich.“ Das lesen wir in Jer. 32,17.

Der Ackerkauf und dieses Gebet können nicht als Symbolhandlung eines unverbesserlichen Frommen abgetan werden. Sie entspringen auch nicht den Hungerhalluzinationen eines Eingekerkerten. Jeremia weiß, dass jetzt weder die Tüchtigkeit der Regierung noch ein Umdenken des Volkes eine Wende zum Besseren bringen können. 

Und doch sieht er eine bessere Zukunft. Sie kommt durch den „ausgestreckten Arm Gottes“, der sein Volk schon aus Ägypten herausgeführt hat. Das gibt ihm Zuversicht: „… und es ist kein Ding vor dir unmöglich.“

Was würde Jeremia heute predigen und tun?

Corona und Trockenheit, hohe Arbeitslosigkeit und Klimawandel, in Teilen der Welt Hunger und Krieg … auch wir leben in turbulenten Zeiten. Längst nicht alle diese Faktoren sind „gott-gegeben“. Wir alle sind gefordert, unsere Verantwortung wahrzunehmen. Wir sollen mit Tat und Wort für Frieden und Gerechtigkeit einstehen und etwas gegen die Not zu tun. Dazu würde Jeremia unmissverständlich auffordern. Das gehört zur Gottesbeziehung.

Aber allein unser menschliches Tun kann all das kaum mehr von uns fernhalten.

Ich will glauben, dass auch der zweite Teil von Jeremias Prophezeiungen weiterhin gilt: „Ach, HERR, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgereckten Arm, und es ist kein Ding vor dir unmöglich.“ Jer. 32,17



Kommentare

Von Kristian E. am .

Ich bin füt diese Ermahnung sehr, sehr dankbar. Was darf ich eigentlich mehr dazu sagen?


Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Das könnte Sie auch interessieren