/ Wort zum Tag

Jakob – der schlaue Fuchs

Jürgen Neidhart über 1. Mose 32,11.

Jakob sprach: HERR, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte getan hast.

1. Mose 32,11

Jakob, der Sohn Isaaks und Enkel Abrahams, war alles andere als ein Mensch mit einer reinen Weste. Im Gegenteil: Er war ein ziemlich hinterlistiger Kerl. Schon sein Name „Jakob“ bedeutet „Betrüger“. Und tatsächlich, sein Leben ist durchzogen von Versuchen, andere zu hintergehen und sich selber an die erste Stelle zu setzen. Angefangen damit, dass er seinem älteren Bruder Esau das Erstgeburtsrecht abluchst - und zwar als Gegenleistung für ein Linsengericht. Mit Hilfe seiner Mutter erschleicht er sich dann auch noch den Erstgeburtssegen, indem er seinen blinden Vater belügt und betrügt. Mit gravierenden Folgen: Esau will an ihm Rache nehmen und plant, ihn zu töten.

Daher flüchtet Jakob zu seinem Onkel Laban ins Ausland und lebt dort 20 Jahre lang. Er heiratet, bekommt 12 Kinder und wird wohlhabend. Doch eines Tages fordert Gott ihn auf, in das Land seiner Väter zurückzukehren. Dort würde er aber auf seinen Zwillingsbruder Esau treffen! Und so muss er sich seiner jahrelang verdrängten Vergangenheit stellen.

Jakob schickt Boten zu Esau mit der folgenden Nachricht: „Ich, Jakob, dein Diener, bin bis jetzt bei Laban gewesen. Dort habe ich mir viele Rinder, Esel, Schafe und Ziegen sowie Diener und Mägde erworben. Jetzt sende ich dir, meinem Herrn, diese Nachricht und hoffe, dass du uns großzügig aufnimmst!“ (1. Mose 32,4-6 - HFA).

Wie höflich und unterwürfig ist doch diese Botschaft! Und was ist mit dem Erstgeburtsrecht Jakobs? Der schlaue Fuchs verlangt gar nichts vom väterlichen Erbe, das ihm eigentlich zusteht. Er ist sogar bereit, seinem Bruder Esau noch etwas zu geben. Im Fach Diplomatie würde er eine „sehr gut“ erhalten, denn er will damit seine eigene Haut retten. Unschlagbar, oder? Aber Esau ist dafür nicht zu haben. Esau ist schon auf dem Weg zu dir! 400 Mann begleiten ihn!“ (Vers 7), melden Jakobs Boten bei ihrer Rückkehr.

400 Mann kommen gewöhnlich nicht, um Blumensträuße zu überbringen. Eine brenzlige Situation! Voller Angst teilt Jakob seinen Besitz in zwei Hälften: „Wenn Esau eine Gruppe angreift und alles niedermacht, können wenigstens die anderen entkommen!“ (Vers 9) Ausgeklügelt und listig plant er weiter.

Er wird am nächsten Tag drei Gruppen seiner Knechte mit insgesamt 550 Tieren Esau entgegenschicken. Mit diesem großzügigen Geschenk will er seinen Zorn besänftigen und ihn milde stimmen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Doch was ist, wenn das alles nichts nützen wird? Jakob besinnt sich auf Gott und betet voller Angst zu ihm:

„HERR, du Gott meines Großvaters Abraham und meines Vaters Isaak, du hast zu mir gesagt: ‚Kehr zurück in deine Heimat zu deinen Verwandten. Ich werde dafür sorgen, dass es dir gut geht!‘ Ich habe es nicht verdient, dass du so viel für mich getan und immer wieder deine Versprechen eingehalten hast! Als ich damals den Jordan überquerte, besaß ich nur einen Wanderstock. Und nun komme ich mit zwei großen Gruppen von Menschen und Tieren hier an! Bitte rette mich vor meinem Bruder Esau! Ich habe große Angst, dass er uns alle umbringt …“ (1. Mose 32,10-12)

Dieses ernsthafte und ehrliche Gebet berührt mich zutiefst. Jakob beruft sich auf Gottes Zusage und Versprechen. Demütig betet er: „Ich bin es nicht wert, dass du mir, deinem Diener, mit so großer Treue und grenzenloser Liebe begegnest“ (1. Mo 32,11 - NLB).

Das empfinde ich genauso. Gottes Güte, Liebe und Treue in meinem Leben sind völlig unverdient. Trotz allem Versagen darf ich zu ihm kommen, weil die Zusagen Gottes in der Bibel mich dazu ermutigen. Gott erhört ein von Herzen kommendes Gebet.

Daher bekam auch Jakob so Hilfe in seinen Ängsten und sein Bruder versöhnte sich mit ihm. Vertrauen Sie doch Gott! Was immer Sie auch belasten mag, er hat ein offenes Ohr für Sie. Er beschenkt auch Sie so gern mit seiner grenzenlosen Liebe und Treue.



Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Kommentare

Von Wolfgang S. am .

Sehr geehrter Herr Neidhart,
die immer wieder kolportierte Behauptung, Jakob wäre ein Betrüger, gibt die Bibel so nicht her. In 1. Mose 25, 27-28 steht vielmehr, dass Jakob angesehen und fromm war. Die Biographie zeigt, dass aufgrund seiner Ausbildung er im Gegensatz zum Streuner Esau für die Nachfolge im elterlichen Betrieb prädestiniert war. Bei einem Altersunterschied von 60 Jahren wird er dem Drängen der Mutter wohl nichts entgegen zu setzen gehabt haben. In der Bibel steht immer wieder, mehr

Von Rainer am .

Jakob bedeutet: "Betrüger "??
Der Name Jakob kommt aus dem Hebräischen. Er leitet sich aus dem Wort "Jaweh", was "der Name Gottes" bedeutet, ab und wird mit "Gott beschützt" übersetzt. Das Wort "akew" bedeutet im Hebräischen Ferse, weshalb der Name auch mit "Fersenhalter" übersetzt wird. Diese Bedeutung geht auf das Alte Testament zurück. Jakob der Sohn Isaaks soll bei der Geburt seinen Zwillingsbruder Esau an der Ferse gehalten haben, um der Erstgeborene zu werden.


Das könnte Sie auch interessieren