/ Wort zum Tag

Gesehen, gehört, gedacht

Wolf-Dieter Kretschmer über Psalm 106,44-45.

Der HERR sah ihre Not an, als er ihre Klage hörte, und gedachte um ihretwillen an seinen Bund.

Psalm 106,44–45

„Die Erinnerung malt meist mit goldenem Pinsel“, besagt eine schwedische Volksweisheit. Wenn ich alten Menschen zuhöre, scheint es tatsächlich so zu sein. Die guten Erlebnisse aus der Vergangenheit treten in den Vordergrund. Interessanterweise gilt das auch für jene, die im Leben Schweres zu tragen hatten. Eine Ausnahme muss ich allerdings machen: Ich kenne auch Menschen, die bitter geworden sind und die dem Leben nichts Gutes mehr abgewinnen können. Aber die meisten Hochbetagten haben ihren Frieden mit der Vergangenheit gemacht. Sie schauen deshalb gerne auf das zurück, was gewesen ist.

In der Bibel stellt sich Gott als ein Gott der Geschichte vor. Er erinnert die Menschen daran, dass er sich in den Verlauf der Geschichte immer wieder eingemischt hat. Manchmal waren es scheinbar unbedeutende kleine Eingriffe. Bei anderen Gelegenheiten hat er sich machtvoll erwiesen. Ich denke beispielsweise an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei. Oder an sein dramatisches Eingreifen auf dem Berg Karmel, als der Prophet Elia gegen 400 heidnische Baal-Priester antrat.

Im Volk Israel hat sich mit der Zeit eine Erinnerungskultur entwickelt. In Liedern und Geschichten gedachte man der Wunder, die Gott, der Herr, an seinem Volk vollbracht hatte. Ein eindrückliches Beispiel ist Psalm 106.

Gleich zu Beginn heißt es: „Halleluja! Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“ Und dann fragt der Psalmbeter in Vers 2: „Wer kann die großen Taten des HERRN alle erzählen und sein Lob genug verkündigen?“ Mit anderen Worten: Wer erinnert sich an die großen Taten Gottes? Wer möchte uns davon erzählen?

Was dann im Psalm 106 folgt, ist ein Auszug aus der wechselvollen Geschichte der Israeliten. Momente des Triumphs und solche der Schmach und des Scheiterns werden berichtet. Aber zum Schluss heißt es dann:

„Der Herr sah ihre Not an, als er ihre Klage hörte, und gedachte um ihretwillen an seinen Bund“, Psalm 106, 44 und 45.

Im Rückblick auf das, was gewesen ist, lässt sich zusammenfassen: Gott hat hingeschaut. Er hat zugehört und sich an seinen Bund erinnert. Also an die Vereinbarung, die er vor Zeiten mit seinem Volk getroffen hatte. Nein, es war Gott nicht egal, was mit seinen Leuten passierte. Auch dann nicht, wenn diese sich von ihm abgewendet hatten. Wenn sie eigene Wege gegangen waren.

Schaue ich auf das zurück, was in meinem Leben passiert ist, dann kann ich die Erfahrung des Psalmbeters nur bestätigen. In der Rückschau erkenne ich, wie Gott sich in Jesus Christus mir zugewendet hat in meiner Not. Er hat beispielsweise meine Klage am offenen Grab meiner Tochter gehört. Er hat mich in meinen dunkelsten Momenten getragen und getröstet.

Und weil ich das so erlebt habe, kann ich Ihnen versichern, dass der Herr auch Ihre Not sieht. Jesus Christus kennt Ihre berechtigte Klage. Und er wird sich Ihnen zuwenden.

Versprochen ist versprochen. Sie können darauf vertrauen. Sie können sich auf Jesus verlassen.



Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Kommentare

Von Stefan K. am .

Lieber Wolf-Dieter Kretschmer, für Ihre beiden Andachten meinen herzlichen Dank. Diese einfache und doch so wahre Sprache, wie Sie die Schrift vermitteln, ist sehr wohltuend und mutmachend, macht einem das Herz offen, um sie mehrfach zu hören. Ganz lieben Dank.

Von LiN am .

Herzlichen Dank, Herr Kretschmer! Das werde ich mir zu Herzen nehmen! Auch für meine Situation gilt: Versprochen ist Versprochen!

Von Susi am .

vielen lieben Dank für den Anstoß und die Erinnerung! .........Wo warst du als es mir schlecht ging? Ich habe Dich getragen.......und genau diese Erfahrung kenne ich auch aus meinem Leben, Gott lässt dich niemals alleine, auch wenn ich es in der Situation im ersten Moment nicht sehen konnte. Rückblickend war er immer an meiner Seite.


Das könnte Sie auch interessieren