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Fragen

Hans-Georg Filker über Klagelieder 3,40.

Bibelvers

Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen, und lasst uns zurückkehren zum HERRN!

Klagelieder 3,40

Wer dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm.

1. Korinther 6,17

Es gibt Situationen, da kann sich meine Frau maßlos über mich aufregen. Ich gestehe freimütig: mit Recht. Wir sind unterwegs mit dem Auto. Ich bin mir sicher, dass ich weiß, wo ich hin muss. Wenigstens die Richtung. Wo war nur gleich die Abbiegung. Jetzt sieht alles ganz anders aus. Meine Frau merkt an: "Da vorne geht jemand. Den könnten wir doch fragen." Fragen? Ich gebe vorsichtshalber Gas. Irgendwann muss ja mal ein Hinweisschild kommen.

Ein Männerproblem? Gönnerhaft können wir ja von uns geben: „Fragen kostet nichts!“; praktisch fällt es mir – uns? – schon schwer, das Fragen. Ist ja in gewisser Weise auch ein Eingeständnis des Unvermögens und der Schwäche. Ausprobieren – Versuch und Irrtum – bis ich mich ganz verfranst habe. Dann wird es manchmal peinlich. Einmal war das Ziel ganz nah und wir wären binnen kürzester Zeit angekommen. Ein anderes Mal war ich auf einem völlig falschen Kurs und jeder Such-Versuch hat uns nur weiter vom Ziel abgebracht.

Kennen Sie solche Situationen aus eigenem Erleben? Wanderungen mit der sprichwörtlichen Abkürzung, die sich als grandioser Umweg herausstellt. Sturheit beziehungsweise Rechthaberei des Leitenden, wachsender Groll beziehungsweise Resignation der Leidenden.

Überblick verloren. Ziel aus den Augen geraten. Innehalten und Orientierung wären nötig!

Was sich im Beispiel als häuslicher Konflikt darstellt, den man mit etwas Einsicht entschärfen kann, gibt es in vielen Lebensbereichen und manchmal ist guter Rat teuer. Man spürt: das „Weiter so“ funktioniert nicht. Das gilt für ganz persönliche Lebenssituationen, aber auch für Gemeinden und Vereine, für Hauskreise und Hobby-Gruppen, für den Beruf und in der Erziehung.

„Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen“. Bin ich eigentlich wirklich, wo ich hinwollte? Komme ich so zum Ziel? Anhalten, Innehalten, ja, unter Umständen mit der nicht ganz leicht zu verdauenden Erkenntnis eines Irrtums.

Sich fragen. Sich fragen lassen. Sich hinterfragen lassen. - Bricht da wirklich ein Zacken aus der Krone?

„Das habe ich immer so gemacht!“ bzw. „Das haben w i r immer so gemacht!“ kann sich auf eine als hilfreich erweisende Erfahrung und Tradition beziehen. Es kann aber leider auch abgrundtief dumm sein, wenn sich Umstände und Verhältnisse geändert haben. Warum fällt uns das theoretisch leicht einzusehen, aber praktisch schwer anzuwenden? Weil Orientierung eben nicht so einfach ist.

Manchmal ist ein Weg zurück der schnellste Weg nach vorne. Es kommt öfter vor: Der Abriss und Neubau eines vermurksten Gebäudes ist besser, schneller und billiger als nicht enden wollende Reparaturen, die doch nicht das gewünschte Ergebnis bringen.

Und weil vielleicht noch eine Dimension fehlt, die zu bedenken hilfreich wäre: bei dem Propheten Jeremia in den sogenannten Klageliedern heißt es einmal: Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen, und lasst uns zurückkehren zum HERRN!  

Zurückkehren zum HERRN.

Wo liegt der Mehrwert einer Rückkehr zum HERRN, von dem das Bibelwort spricht? Nur ein frommer Wunsch? Reicht nicht der praktische Tipp: prüfen und erforschen?

„Prüfen und Erforschen“ sind wichtig, aber was leitet mich, was leitet uns? Welche Kriterien sind wichtig? Gerade für persönliche Beziehungen. Menschen sind kein Setzbaukasten, den man nach Plan ordnen kann. Die Orientierung an Gott, der uns in Jesus Christus begegnet, bringt  Liebe und Verantwortung mit ins Spiel. Und die Freiheit, nicht alles wissen zu müssen, sondern auch fragen zu können. Von dieser Freiheit will ich mir in Zukunft mehr nehmen.


Kommentare

Von Alfred A. J. am .

Haben Sie auch schon einmal von einem Navigationsgerät gehört? Die meisten Zeitgenossen haben es im Auto fest eingebaut oder hinter die Fronstscheibe geklebt. Das könnte auch in Ihren Situationen eine Hilfe sein. Wie wär's mal über Navigationsgeräte fürs Leben nachzudenken? Oder über Leuchttürme?

Von Urö am .

Sehr geehrter Herr Filker,
Sie haben Recht. Wir müssen mehr fragen. Aber fragen bedeutet für viele Schwäche - upps, ich weiß es nicht.
In unserer Gesellschaft lautet das Credo" nicht schwach sein, tschaka-tschaka".
Und die Stärke, die wir benötigen, kommt aus dem Geist. Um aber diesen Geist zu erforschen benötigen wir Ruhe, Konzentration und Empathie.
Wer hat das schon im Zeitalter von Schnelligkeit, Gier etc.
Instagram, Facebook etc. engen ebenfalls ein und minimieren den Blick auf "Sehen mehr

Von Irene Z. am .

Mein Mann und ich sind 51 Jahre verheiratet. Es ist vieles auch so gelaufen wie in Ihrem Wort zum Tag. Aber vor 20 Jahren bin ich zu Gott gekommen und mein Mann vor 15 Jahren. Unser Verhältnis zueinander hat sich sehr geändert, durch das Wort Gottes sind wir uns sehr näher gekommen im Denken und auch im Tun. Wir sind sehr dankbar darüber, und dass unser Bibelkreis auch sehr dazu geholfen hat. Ohne unser tägliches Danke zu Gott geht es nicht mehr.

Von Norbert N. am .

Ehrwürdiger Herr Filker,
mit solchen Andachten, Predigten, Worten stößt man die Herzen auf. Ich frage bzw wir fragen Gott täglich, warum hast du unsern Yannick so früh zu dir gerufen. Dennoch danken eir Gott für die geschenkten Jahre. Und versuchen weiterhin, in seinem Geist zu leben. Eine harte Prüfung.
Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit amen!


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