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Eigentlich...

Ulrich Mack über Römer 7,22-23.

Bibelvers

Paulus schreibt: Ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde.

Römer 7,22-23

Au weia, schon wieder rutscht mir ein ruppiges Wort aus dem Mund – und ich wollte doch so freundlich sein. Kennen Sie das? Die „eigentlich“-Momente?

Eigentlich wollte ich ja brav 100 fahren, aber dann blitzt es doch am Straßenrand. Eigentlich will ich die Machtspielchen der anderen nicht mitmachen, aber dann lasse ich mich doch reinverwickeln. „Der Gaul geht mit mir durch“, so sagt man dann. Wobei sich die Frage stellt: Wer oder was ist da eigentlich der Gaul? Anders gefragt: Was leitet uns da – wenn wir etwas tun, was wir eigentlich nicht wollen?

Paulus geht im Römerbrief darauf ein, auf diesen Zwiespalt im Menschen: „Das Gute“, so schreibt er, „das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich“. Was passiert dabei im Menschen? Paulus erklärt es so - im Römerbrief, Kapitel 7, ab Vers 22: „Denn ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde.“

So Paulus über diesen Zwiespalt, über den Widerstreit der Kräfte im Menschen, in der Seele, im Denken und Tun. Eigentlich will ich nach Gottes Willen leben, nach seinen Geboten, aber dann handle ich doch nach einem anderen Muster, ich kann auch sagen: nach einem anderen Programm, das in mir abläuft. Paulus nennt es „Gesetz der Sünde“. Es hat die Kraft, im Menschen zu regieren und ihn gefangen zu halten – ob in schwierigen Emotionen oder in Geldgier oder im Internet, wenn Bilder einen fesseln – und dann folgen Selbstvorwürfe und Scham.

Von Friedrich Hebbel stammt der Satz: „Der ich bin, grüßt sehnsüchtig den, der ich sein möchte.“ Und was dann? Muss es bei der Sehnsucht bleiben? Wenn wir Paulus fragen und bei ihm weiterlesen, dann klingt das wie ein Schrei, ein Hilferuf: „Ich unglücklicher Mensch! Wer rettet mich aus dieser tödlichen Verstrickung?“ So fragt Paulus. Und ohne Zögern antwortet er: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!“

Da klingt ein tiefes Aufatmen durch: Es muss nicht beim „eigentlich“ bleiben und nicht beim Ärger über sich selbst. Jesus ist da. Er hat die Kraft, uns rauszuholen aus dem inneren Programm, das Paulus „Gesetz der Sünde“ nennt. Jesus will uns mit seinem Geist füllen. Er gibt uns die Kraft, „nein“ zu sagen, wenn andere ihre Machtspielchen treiben. Er schenkt uns Gelassenheit, wenn Ärger in uns hochkochen will. Und wenn der Gaul mit uns durchzugehen droht, dann hat Gottes Liebe die Kraft, diesem Gaul Zügel anzulegen. Gott sei Dank! Zeit zum Aufatmen.

Aber was, wenn wir doch wieder Grund haben, uns über uns selbst zu ärgern? Wenn Selbstvorwürfe quälen? Dann gilt, was Paulus gleich danach schreibt: „So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“ Keine Verdammnis, auch keine Selbstzerknirschung. Sondern: Herr füll mich neu mit deinem Geist – auch in den „eigentlich“-Momenten heute.



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Kommentare

Von Stefan K. am .

Ganz lieben Dank für diese aufbauende und tröstende Predigt. Die ist sehr gut gelungen.


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