/ Wort zum Tag

Dunkle Zeiten

Alexander Nussbaumer über Psalm 4,7.

Bibelvers

Viele sagen: "Wer wird uns Gutes sehen lassen?" HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!

Psalm 4,7

Ein Vers aus dem 4. Psalm ist die heutige Tageslosung. Von diesem Vers gibt es eine pessimistische und eine optimistische Übersetzungsvariante. Die Zürcher Bibel bringt die pessimistische Variante: „Viele sagen: Wer lässt uns Gutes schauen? Entschwunden ist über uns das Licht deines Angesichts, Herr.“

In der Neuen Genfer Übersetzung tönt es optimistischer: „Viele Leute hört man klagen: Was haben wir noch Gutes zu erwarten? Herr, wende uns dein Angesicht freundlich zu und schenke wieder neue Hoffnung!“

Der Rückblick auf den Versanfang „Wer lässt uns Gutes schauen?“ legt eher die pessimistische Variante nahe: „Entschwunden ist über uns das Licht deines Angesichts, Herr."

Der Folgevers im Psalm heisst: „Du hast mir Freude ins Herz gegeben, mehr als in der Zeit, da es Korn und Wein gibt in Fülle.“ Das tönt zuversichtlich, so dass das optimistische „Wende uns dein Angesicht freundlich zu und schenke wieder neue Hoffnung!“ besser passt.

Welche Variante wir auch lesen: Da sehnt sich ein Mensch nach dem Guten, das die konkret erfahrbare Anwesenheit Gottes in unserem Leben bewirken kann. David ist der erste Beter von Psalm 4. Er spricht nicht nur für sich, sondern im Namen eines Kollektivs: „Wer lässt uns Gutes schauen? Lass es wieder über uns leuchten.“ Wer sind diese Leute? Vielleicht diejenigen, die David durch seine chaotischen Zeiten begleitet haben, z.B. im Zusammenhang des Aufstandes seines Sohnes Absalom. Auch die großen biblischen Figuren sind nie Einzelkämpfer, sie sind keine isolierten Solisten. Mose hatte stets seine Mitstreiter an der Seite, Paulus nennt am Anfang seiner Briefe nie nur seinen Namen, sondern immer auch die seiner Begleiter.

Diese Erfahrung haben Sie hoffentlich auch schon gemacht: In dunklen Zeiten in ein „uns“ eingebunden zu sein. Das „Leuchten des Angesichts Gottes“ über einer Person ist ein Bild für den Segen, den diese Person im Leben erfährt. Im aaronitischen Segen heißt es: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht zu dir und gebe dir Frieden. (Numeri 6, 24-26).

 


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