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Das Leben und volle Genüge

Andreas Hannemann über Johannes 10,10.

Jesus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.

Johannes 10,10

2021 – das Jahr ist erst wenige Tage alt. Was wird auf uns zukommen? Wer hätte Anfang des letzten Jahres gedacht, dass das Jahr 2020 so verläuft, wie es dann geschehen ist.

Mir begegnen Menschen, die mit Sorge in die Zukunft blicken. Wer weiß, was kommt?

Die Corona-Pandemie hat gezeigt: Zukunft ist nicht bis ins Letzte planbar. Es können Dinge eintreten, mit denen niemand gerechnet hat, Ereignisse, die alles ändern.

Diese Erkenntnis klingt banal. Fast schon so alltäglich, dass ich mich kaum wage, sie noch auszusprechen. Theoretisch wissen das viele Menschen: Zukunft ist im Letzten ungewiss. Doch was im Kopf vielleicht klar ist, ist im Herzen noch lange nicht angekommen. Vielfach haben wir uns in Europa daran gewöhnt, dass Zukunft planbar ist. Gegen Überraschungen sichern wir uns ab, wir gehen fest davon aus, dass die Ansprüche ans Leben in Erfüllung gehen. Ein niedergeschlagener Mittzwanziger sagte mir: „Das haut mich echt um. Alles, was Leben ausmacht, geht nicht mehr. Ausgiebige Partys, spontane Kurzurlaube, halt alles, was Spaß macht. Ich hatte 2020 so viel vor…“

Jesus würde dem entgegenhalten: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.“ So sagt er es im Johannesevangelium, Kapitel 10.

Volle Genüge - das bedeutet: von allem so viel, dass ich genug habe. Innerlich so reich beschenkt, dass ich glücklich bin! In den Versen vor diesem Satz spricht Jesus davon, dass er die Tür zum Leben ist. Der Glaube an Jesus darf nicht in einer äußeren Betrachtung des theoretisch Möglichen enden. Glaube ist nicht nur eine Betrachtung. Es geht um eine Beziehung. Jesus Christus ist die Türe zum Leben. Ich bin es – sagt Jesus. Er verweist nicht auf andere, er zeigt auf sich selbst und lädt zu einer Beziehung ein. Und Jesus ist es, der das Leben schenkt. Der von sich sagt: Ich bin das lebendige Brot, ich bin der Weinstock, ich bin das lebensspendende Wasser, das Herzen erfüllt, den Durst nach Leben stillt und satt macht.

Kraft seiner Auferstehung ist Jesus gegenwärtig. Er ist da, inmitten aller Trostlosigkeit und allem äußeren Verzicht.

Die letzten Monate haben mir wiederholt die Frage gestellt: Wie sehr hängst Du an den äußeren Dingen, die du bleiben lassen musst? Ja, ich habe die Weihnachtskonzerte vermisst, die Besuche auf dem Weihnachtsmarkt und all die schönen Äußerlichkeiten, die zum Leben für mich dazugehören und an die ich mich gewöhnt hatte. Ja, ich habe das Familientreffen vermisst, das eigentlich in den letzten Tagen zum Jahresbeginn hätte stattfinden sollen.

Ich habe mich dabei ertappt, dass ich enttäuscht war über das, was nicht passiert ist, ähnlich wie der Mittzwanzigjährige, von dem ich zu Beginn erzählte. Irgendwie haben sich Selbstverständlichkeiten ins Leben geschlichen, von denen ich das Gefühl hatte, dass ich geradezu einen Anspruch auf deren Verwirklichung hätte.

Jesus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.

2021 möchte ich Jesus neu begegnen. Neu den Auferstanden fragen, ob ich in ihm wirklich das Leben und volle Genüge habe. Und dann will ich die Hände aufhalten und mich von Jesus beschenken lassen.



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