/ Wort zum Tag

Anders sein – anders werden!

Heinz-Werner Neudorfer über Epheser 4,32.

Bibelvers

Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

Epheser 4,32

„Der Mensch für den Menschen wie ein Wolf“. So drückte es der römische Dichter Plautus in einer Komödie aus (Asinaria, Zeile 495).

Hat er Recht? Ich denke, wir alle haben schon beobachtet oder erlebt, dass da was Wahres dran ist. Wo immer Menschen miteinander zu tun haben, entsteht nicht nur Liebe, sondern manchmal auch Hass. Da gibt es Demütigung und Bevormundung, nicht nur Zuwendung und Sympathie. Wir betrügen und verletzen einander. Zu tief steckt das Streben nach Macht und Ansehen und vor allem das Haben-Wollen in uns.

Die Bibel ist voller Beispiele von Menschen, die sich genau so verhalten haben. Nicht, weil sie mit Gott nichts am Hut hatten, sondern obwohl Gott, obwohl Jesus ihnen wichtig war. Wäre die Bibel ein Buch mit fake news zur Ausbreitung einer Weltanschauung, dann würden wir solche peinlichen Geschichten vergeblich suchen.

Ist sie aber nicht! Für uns ist es tröstlich zu lesen, wie es in den frühen Gemeinden zuging. Was für Leute es dort gab. Der Apostel Paulus wusste ein Lied davon zu singen (vgl. 1Kor 1,26-29; 6,9-11; Eph 4,28f)! Jawohl, bei Jesus bekommt auch der Dieb und der Ehebrecher die Chance, noch einmal bei Null anzufangen. So eine Lebenswende führt allerdings, wenn sie ernst gemeint ist, zu Veränderungen im Verhalten.

Paulus ermutigt die Gemeinde in der Hafenstadt Ephesus. Sie sollen ihren Umgang miteinander ihrer neuen Art zu leben anzupassen. Sicher nicht ohne Grund schreibt er ihnen:

Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

Sich so zu verhalten klingt ziemlich nach Gartenzwerg-Idylle, war aber schon damals nicht selbstverständlich! Mit Fug und Recht könnte ich nämlich auch übersetzen: „Werdet untereinander freundlich …“ usw. So ein Verhalten muss erst wachsen. Daran müssen wir arbeiten. Es stellte sich nicht automatisch mit der Taufe ein oder wenn wir mit Jesus ein neues Leben beginnen.

Freundlich und herzlich – was meint Paulus damit? Die Begriffe klingen so schwammig, so emotional. Mit Freundlichkeit ist aber nicht ein aufgesetztes Dauerlächeln gemeint. Passender wäre es von „Angemessenheit“ oder „Brauchbarkeit“ zu reden. Unser Verhalten soll von Egoismus und Gefühlsduselei frei sein. Dabei soll es von ehrlichem Mitgefühl bestimmt sein, von Empathie.

Ja, das ist eine schwierige Gratwanderung, die Paulus von seinen Gemeinden erwartet: zwischen Zuwendung und Gefühlskälte, zwischen Arbeit an gemeinsamen Zielen und einer „Ich-mache-hier-ja-nur-meinen-Job“-Haltung. Können Sie sich heute mal selbst beobachten, wie Sie mit Menschen umgehen? Am Arbeitsplatz? In der Familie? In der Gemeinde? Wie Sie zum Beispiel auf Kritik reagieren? Ob Sie bereit sind, anderen ihren Mangel an Freundlichkeit oder Sensibilität nachzusehen, ja, zu vergeben?



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Kommentare

Von Renate am .

Danke für diese gute Auslegung mit den hervorragenden Begriffserläuterungen. Ja, es ist ein Wachstumsprozess. An mir selbst beobachte ich immer wieder, wie schnell man ins Fettnäpfchen tritt und eben nicht immer angemessen/freundlich reagiert, vor allem, wenn ich (gesundheitlich angeschlagen) am Limit meiner Kräfte bin.


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