/ Wort zum Tag

Anders denken

Daniel Eschbach über Lukas 24,26.

Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?

Lukas 24,26

Es ist mit Abstand meine liebste Ostergeschichte. Die Erzählung von den beiden Jüngern, die einige Tage nach Jesu Tod unterwegs nach Emmaus immer noch zu begreifen versuchen, warum er sterben musste.

Während sie unterwegs sind nach Emmaus, ist Jesus schon längst auferstanden. Die beiden Jünger haben davon zwar sagen hören. Aber sie bringen das Puzzle nicht zusammen. Sie diskutieren endlos, auch mit dem Unbekannten, der sie eingeholt hat. Seine Erklärungen zur Auferstehung klingen sinnvoll. Sie sind beeindruckt ... und kommen doch der frohen Botschaft immer noch nicht auf die Spur. Erst als sie mit dem Unbekannten zu Tisch sitzen und der das Brot bricht, wie es Jesus immer getan hat ... erst in dem Moment begreifen sie. Es fällt ihnen wie Schuppen von den Augen. Sie erkennen Jesus. Und im selben Moment ist der verschwunden.

Ich liebe diese Geschichte, weil sie meinem eigenen Erleben so nahekommt. Wie oft bin ich genau wie diese beiden Jünger unterwegs. Ich frage, ich diskutiere und wäge ab. Eigentlich habe ich alle Puzzleteile beieinander. Aber ich kriege sie nicht zusammen zu einem schlüssigen Bild. Ich brauche die Hilfe von Christus, um zu verstehen und glauben zu können. Und ich merke nicht, wie er schon längst mit mir im Gespräch ist und meinem Glauben auf die Sprünge hilft. Aber wenn dann der Groschen fällt, spüre ich ihn. Einen flüchtigen Moment nur - und doch lange genug, um glauben zu können.

Warum erkannten die Emmaus-Jünger Jesus nicht? Warum merke ich so oft nicht, wie nahe mir Christus ist und wie behutsam er Einsichten reifen und Glauben entstehen lässt in mir? – Den beiden Emmaus-Jüngern stellte Jesus in Lk 24,26 die Frage: „Musste der Christus das nicht alles erleiden, um in die Herrlichkeit seines Reiches zu gelangen?“ (Lk 24,26)

Es ist doch genauso, wie er es ihnen früher schon oft erklärt hatte. Aber sie hatten ihn nie richtig verstanden. Sie hatten die eigenen Erwartungen und Vorstellungen nicht losgelassen. Denen zufolge konnte Gott nicht leiden. Der Weg zum Sieg konnte unmöglich über die totale Niederlage führen. Der Messias musste ein unwiderstehlicher Kämpfer sein, ein Winnertyp und nicht ein leidender Gottesknecht.

Ich glaube, das Problem besteht darin, dass wir Menschen immer wieder mit unserer eigenen Logik begreifen wollen, was Gott will und tut. Es muss doch zu unseren Vorstellungen und Erwartungen passen. Wir verstehen zu wenig, wie radikal Gott unsere Wahrnehmung und unser Denken in Frage stellt. Beim Propheten Jesaja heißt es: ‚Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege!‘ (Jes 55,8f) Wir stehen uns mit unseren Prinzipien und Wahrheiten immer wieder selbst im Weg. Wir verstehen nicht, weil wir zwar die richtigen Puzzleteile haben, aber die falsche Vorlage benutzen.

Ostern erleben wir dann, wenn wir unsere Vorstellungen, Erfahrungen und Überzeugungen loslassen können und uns auf die Worte Christi einlassen. Wenn wir es wagen, ganz anders zu denken als wir es gewohnt sind. Dazu laden die Emmaus-Geschichte und insbesondere Jesu Rückfrage ein: Wagt es, die Welt und das Leben aus Gottes Perspektive anzuschauen. Dann werdet ihr begreifen. Ihr werdet ihn hören und sehen. Und ihr werdet glauben.



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