/ Wort zum Tag

Eintagsfliegen beten nicht

Werner Hanschmann über Jakobus 5,16.

Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

Jakobus 5,16

Herr H. ist irritiert. Weshalb? Das ist ihm selbst nicht ganz klar und ist Teil seiner Irritation.

Schon als Kind hat Herr H. gebetet. Er ist in einem Elternhaus groß geworden, in dem der Glaube an Jesus Christus und auch das Beten wichtig war.

Als Kind hat er gerne gebetet. Das Vertrauen, da ist der Eine, der mich hört, gefiel ihm.

Das ist lange her. Heute ist Herr H. längst erwachsen. Das Beten gehört aber nach wie vor zu den Dingen, die er täglich wahrnimmt.

Wenn er auch nicht genau sagen kann, was ihn irritiert, so weiß er doch, dass es mit dem Beten zu tun hat. Erst heute Morgen hat er im Jakobusbrief, Kapitel fünf, Vers sechzehn, die Aussage des Apostels gelesen: „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“

Genau das irritiert ihn. Wenn Herr H., gerade jetzt in der Corona-Pandemie erlebt, dass seine Gebete scheinbar nicht erhört werden, bedeutet das, dass er nicht ernsthaft dafür betet? Oder dass er nicht gerecht ist, was immer das genau heißen mag?

Ja, er hat gute Erfahrungen beim Beten machen können, wenn er nur an den Konflikt im Büro denkt, der geklärt werden konnte. Doch zu seinem Gebetsleben gehören auch unerhörte Gebete, gerade jetzt in der Corona Zeit. Glaubt er nicht richtig? Liegt es an ihm, wenn der HERR auf seine Gebete nicht antwortet? Herr H. ist so irritiert, dass er etwas macht, was er noch nie getan hat. Er ruft den Pastor seiner Gemeinde an und bittet um ein Gespräch.

Herr H. betet – und er ist nicht irritiert. Das Gespräch mit dem Pastor hat ihm geholfen. Es hat ihm auch geholfen den Satz aus dem Jakobusbrief „…des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist…“ besser zu verstehen.

Wenn er betet, kann er etwas - sogar viel - erwarten, sagte ihm der Pastor. Das Gebet hat das Versprechen des HERRN, den betenden Menschen zu hören. Der Pastor erklärte ihm weiter, dass das Gebet und der Lebensstil des Betenden zusammengehören. Wer betet, ist interessiert am Willen Gottes. Er lässt weder vor noch nach dem Beten Gott einen guten Mann sein und macht was er will. Der Gerechte ist der Mensch, der nach Gottes Willen fragt, beim Beten, wie im alltäglichen Leben. Der Betende will, dass der Wille Gottes geschehe, nicht nur im Himmel, sondern auch auf der Erde.

„Das Gebet ist keine Eintagsfliege“, sagte der Pastor und weiter: „Beten und Leben, Beten und Lebensstil - das gehört zusammen! Du wirst nicht anders beten als du lebst!“

Herrn H. kommen dazu zwei Worte aus dem gesellschaftlichen Leben in den Sinn: Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit. Das gilt auch beim Beten. Nicht halbherzig, mit ganzem Herzen kann er beten. Ihm ist klar: Der betende Mensch gleicht nicht der Eintagsfliege, sondern dem Marathonläufer, der nicht aufgibt, weil er das Ziel kennt. So weiß auch Herr H., zu wem er betet.



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