/ Wort zum Tag

Herrlichkeit Gottes

Werner Bücklein über 2. Mose 33,18.

Es war an meinem Geburtstag. Wir hatten eine lange Fahrt mit unserem gemieteten Wohnmobil hinter uns und waren gerade damit fertig geworden, uns auf dem neuen Platz einzurichten. Inzwischen hatten wir uns daran gewöhnt, dass hier alles etwas größer ist. Der Camper, die Stellplätze in den Campgrounds, selbst die Burger in den Restaurants schienen üppiger zu sein als zu Hause.

Meine Frau und ich hatten uns eine Reise gegönnt, auf die wir schon längere Zeit hin gespart hatten: eine Wohnmobil-Tour durch den Südwesten der USA. Wir waren schon einige Tag unterwegs und sind etliche Meilen herumgekommen. Nun sind wir also hier: Dead Horse Point State Park in Utah, USA, Ende Juni. Diesen Park hatten wir bei unserer Vorbereitung eher zufällig gefunden und ihn in unsere Tour mit aufgenommen. Der Tag neigte sich dem Ende und wir beschlossen, an das Ende des Parks zu fahren, hinauf auf ein Hochplateau mit einer atemberaubenden Fernsicht.

Tief unter uns schlängelt sich der Colorado und gräbt sich sein Bett in das Sandsteingebirge. Das Land ist in tiefrotes Licht getaucht, die Felsen um uns herum leuchten, die ganze Szenerie entlockt mir ein „Wow!“ Wir schauen uns um und bemerken, dass wir wirklich ganz alleine hier oben sind. Kein anderer Besucher teilt mit uns diesen Blick. Er gehört nur uns. Meiner Frau und mir. Exklusiv, sozusagen.

„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“, sagt meine Frau und nimmt mich in den Arm. Dann sagt sie mir Dinge, die ich für mich behalte und die nicht hier ins Radio gehören. Auch exklusiv. Nur für mich.

Die Worte aber und dieser hinreißende Anblick (ja, auch der meiner Frau - ich meinte aber eigentlich die Landschaft) sind mir so lebendig im Gedächtnis geblieben, als hätte jemand diesen Moment in mein Herz gemalt.

Nun sitze ich hier in meinem Arbeitszimmer und schaue zum Fenster hinaus. Es ist grau und es regnet. Die Bäume bewegen sich im Wind, als wollten sie die Kälte des Februars abschütteln. Kleine Tropfen bleiben auf meinem Dachfenster sitzen. Noch während ich schreibe und immer mal wieder nach draußen schaue, bleibt mein Blick an einem dieser Tropfen hängen. Niemand anders teilt gerade diesen Blick mit mir. Er gehört nur mir. Ganz exklusiv, sozusagen, nur für mich.

Ich denke an das Bibelwort, aus 2. Mose 33,18: „Herr, lass mich Deine Herrlichkeit sehen“. Mose hat sich das gewünscht, damals in schwieriger Zeit. Um weiter leben zu können, um weiter Mut zu haben, das zu tun, was jetzt gerade notwendig ist, braucht er den Zuspruch Gottes, ja, er muss sehen. Die Antwort Gottes ist gut. „Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden“ – und dann zeigt er sich - anders, als Mose sich das vorgestellt hat, ganz anders. Aber Mose darf sehen, ganz exklusiv – und bekommt Mut, die nächsten Schritte zu gehen.

Was mir erst nach dieser Begebenheit in den USA und gerade eben mit dem Regentropfen aufgegangen ist: Wer die Herrlichkeit Gottes sehen will, der kann ja schon mal bei seiner Schöpfung anfangen zu staunen. Und wer wirklich sehen will, kann zu dem gehen, der von sich sagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“, Jesus Christus. Die Herrlichkeit Gottes sehen – das fängt beim Regentropfen an und findet seinen Höhepunkt bei Jesus, der sie uns wirklich zeigt, wie sie ist. Auch dieses Sehen und Erkennen ist in gewisser Weise exklusiv. Nur bei ihm.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sehen und erkennen, wie herrlich Gott ist.



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Kommentare

Von Stefan K. am .

Da spricht mir einer so sehr aus dem Herzen. Ganz lieben Dank, Pastor Bücklein, auch was meine Frau anbelangt. Wie sehr beschenkt ER uns Tag für Tag, wenn wir IHN einfach machen lassen und IHM voller Vertrauen unser Herz schenken. Einen segensreichen Tag Ihnen und ihrer Frau und Ihrer Gemeinde.


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