/ Wort zum Tag

Vertrauen in der Krise

Werner Bücklein über Daniel 3,17-18.

Unser Gott, den wir verehren, kann uns erretten aus dem glühenden Feuerofen. Und wenn er’s nicht tut, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild nicht anbeten werden.

Daniel 3,17-18

Nein, vor einem glühenden Feuerofen stehe ich nicht und ich habe auch keine Bange, dass mir das in nächster Zeit widerfahren wird, dass mich da irgendjemand hineinstoßen möchte. Ich lese gerade die biblische Geschichte von Daniels Freunden, die in recht auswegloser Situation in einem fremden Land von einem fremden König dazu gebracht werden sollen, einen fremden Gott anzubeten. Tun sie das nicht, werden sie in den Ofen gestoßen, so der König.

Die Antwort der drei ist kurz, klar und eindeutig: Daniel 3,17.-8: „Unser Gott, dem wir dienen, kann uns aus dem Feuer und aus deiner Gewalt retten. Aber auch wenn er es nicht tut, musst du wissen, o König, dass wir nie deine Götter anbeten oder uns vor der goldenen Statue niederwerfen werden.“ (HFA)

Ganz schön mutig, denke ich mir. Da stehen diese Männer vor dem sicheren Tod und verlassen sich trotzdem auf ihren Gott. Wie zuversichtlich müssen sie sein – wie stark ihr Glaube, dass sie das so sagen können: „Gott kann uns aus dem Feuer und deiner Gewalt retten.“

Was mag in diesen Männern noch alles vorgegangen sein? Ich stelle mir die Furcht vor, die sie angesichts dieser Macht und der konkreten Bedrohung ihres Lebens überfallen hat, dieses Gefühl der Hilflosigkeit, dieses Ausgeliefert-Sein und die tiefe Erkenntnis: Da können wir gar nichts mehr machen.

Diese Gefühle sind mir nicht fremd. Ich treffe Menschen in den Seniorenheimen, die ich besuche und in den Gottesdiensten, die ich feiere – wir tragen Masken vor Mund und Nase, desinfizieren Hände und halten Abstand. Ein Virus hat die Welt überfallen und auch meinen Alltag kräftig durcheinandergebracht. Eine Frau hat mir geschrieben: „Uns hat’s auch erwischt. Meine Mutter kam mit Corona aus dem Krankenhaus und starb im Dezember. Ich hab mich bei ihr angesteckt und dann meine komplette Familie mit Enkel.“ Hilflos ausgeliefert, da kann man nichts mehr machen – so beschreiben mir Menschen ihre Lage in Bezug auf das Virus.

Ich selbst erlebe mich ganz unterschiedlich. Oft bin ich sehr zuversichtlich. Ich bin gesund und schütze mich, wo und so gut es geht. Ich habe meinen Alltag neu eingerichtet mit Home-Office und Kontaktbeschränkung. Manchmal aber blitzt so eine Ahnung in mir auf: Es könnte auch mich treffen. Was, wenn ich dann keinen „leichten Verlauf“ hätte, wenn ich am Ende nach nur wenigen Tagen zu denen gehören würde, die es nicht geschafft haben? In diesen Momenten spüre ich die konkrete Bedrohung meines Lebens. Bin auch ich hilflos ausgeliefert?

Ich lese die Geschichte von Daniels Freunden weiter – manchmal muss man vom Ende der Geschichte her denken, um so ein Wort zu verstehen und zu glauben. Gott hat geholfen. Gott hat errettet. Gott war da. Die drei Männer leben.

Ich möchte mir das Bekenntnis dieser Männer in mein Leben hineinsprechen lassen und wünsche Ihnen das auch, dass die Worte des Vertrauens sozusagen vom Ohr ins Herz sickern und dort diese frohe Zuversicht schaffen, dass mich Gott, der Lebendige, erretten kann. - Und wenn nicht? … auch das sprechen die drei Freunde Daniels ohne Scheu an. Dann wird das Virus nicht das letzte Wort haben.

Weil wir vom Ende der Geschichte her denken und da steht der, der den Tod überwunden hat, Jesus, der Auferstandene.

Für heute aber spreche ich Ihnen das zu; und auch in meinem ganz konkreten Alltag gilt: „Gott kann mich aus deiner Gewalt retten.“



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Kommentare

Von Margrit O. am .

Die drei Männer wussten: Gott kann - aber er muss nicht. Dies habe ich in meinem Leben auch schon oft erfahren, zuletzt, als mein Mann vor zwei Jahren an Krebs starb. Für mich und uns beide galt: Gott kann - aber er muss nicht. Und: Dennoch bleibe ich stets an dir...! Denn "Wohin sonst, Herr, sollten wir gehen?!..."

Von Irene H.- M. am .

Guten Morgen, wie wahr ihre Worte doch sind. und wie passend in diese "ver-rückte" Zeit. Ich wurde im November mit dem Virus infiziert und war einige Zeit, wie die drei Freunde gefesselt und gebunden im Feuerofen. Selbst vom Virus gebunden, nicht mehr fähig zu denken und mit Worten zu beten, wusste ich doch immer Gottes Gnade genügt, und das ist GNADE. Heute bin auf dem Weg in einen neuen, noch unbekannten Alltag. Noch ganz vieles ist nicht möglich, schreiben geht unterdessen wieder! Wie mehr


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