/ Wort zum Tag

Aus Klage wird Gotteslob

Claudia Schmidt über Psalm 22,11.

Du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.

Psalm 22,11

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Diese Worte betet Jesus kurz vor seinem Tod am Kreuz. Als die Schuld der gesamten Welt auf ihm liegt und Gott, sein Vater, unendlich weit weg ist.

Es sind Worte, die auch König David betet - in einem Moment, in dem er sich elend und von Gott verlassen fühlt. Er schreit zu Gott bei Tag und Nacht. Aber er bekommt keine Antwort und er findet keine Ruhe.

Dieses emotionale Gebet Davids ist überliefert in Psalm 22. Es zeigt, wie Davids Gefühle auf und ab gehen. Der zukünftige König Israels scheint in einer wirklich bedrohlichen und aussichtslosen Lage zu stecken.

Kennen Sie solche Momente, in denen die Welt Kopf steht und Sie nur noch verzweifelt und angsterfüllt zu Gott schreien können - aber Gott scheint weit, weit weg zu sein?

Ich finde solche Klagepsalmen befreiend und erfrischend ehrlich. Sie zeigen mir: Auch vor mir gab es Menschen, die verzweifelt mit Gott gerungen haben, weil sie in tiefen Schwierigkeiten steckten und keinen Ausweg mehr sahen. Weil ihr Leben oder ihre Existenz in Gefahr war. Oder weil ihnen Unrecht widerfahren ist. Auch Menschen, die eng mit Gott verbunden waren wie David, haben solche dunklen Stunden erlebt.

Sie schreien ihre Sorgen, ihre Angst und ihre Not einfach hinaus. Ich finde, das ist ein hilfreicher erster Schritt, um mit Schwierigkeiten und Problemen besser klarzukommen. Ich sage es Gott. Auch wenn er nicht antwortet. Auch wenn ich meine, Gott ist weit weg.

Ein weiterer hilfreicher Schritt ist es, sich an Zeiten zu erinnern, in denen Gott nahe war. David erinnert sich daran, dass Gott der Heilige ist. Der, der auf dem Thron sitzt und den Israel feiert und lobt, weil er mächtig gehandelt hat. David erinnert sich an Geschichten, die ihm überliefert wurden von seinen Vorfahren, die auch in großer Not zu Gott geschrien haben. Und Gott hat sie gehört und errettet.

In seiner Not blickt David auch auf sein eigenes Leben zurück und stellt fest: „Du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.“ Diese Worte der heutigen Tageslosung stehen in Psalm 22, Vers 11.

David ist in der glücklichen Lage, dass ihm der Glaube und das Vertrauen in den großen und allmächtigen Gott schon als Säugling mit auf den Weg ins Leben gegeben wurden. Bereits im Schoß seiner Mutter - da wo er Liebe, Schutz, Trost und Geborgenheit erfahren hat - da lernt David bereits, dass sein Leben in der Hand seines Gottes und Schöpfers liegt.

„Du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.“ Daran erinnert sich David in Zeiten großer Not und tiefer Verzweiflung. Und so verwandelt sich sein Hadern und Klagen in ein großes Gotteslob: Alle Völker der Erde werden Gottes Gerechtigkeit preisen und am Ende sagen: Er hat es getan! So endet der Psalm.

Ob Sie Gott schon seit Ihrer Kindheit kennen oder ob Sie ihm erst später Ihr Vertrauen geschenkt haben, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass Sie wissen, dass Sie Gott Ihr Leid und Ihre Not klagen dürfen. Und dass Sie sich wie David an Situationen erinnern können, in denen Gott da war und mächtig gehandelt hat. Dann kann auch aus Ihrem Klagen und Hadern am Ende ein Gotteslob werden.



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