/ Wort zum Tag

Zupacken mit Gefühl

Michael vom Ende über 1. Johannes 4,16.

Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

1. Johannes 4,16

Vermutlich hat sich kein christliches Kinderlied so in mein Gedächtnis und meine Seele eingebrannt wie dieses: „Gott ist die Liebe“. Ich sehe mich noch heute, wie ich immer wieder als Kind eine kleine Geige halte und die Melodie durch das Streichen der jeweiligen leeren Saiten ergänze – und das in verschiedenen Alten- und Pflegeheimen. Die erste Strophe lautete:

„Gott ist die Liebe, lässt mich erlösen, Gott ist die Liebe. Er liebt auch mich. Drum sag ich’s noch einmal: Gott ist die Liebe. Gott ist die Liebe, er liebt auch mich.“

„Gott ist die Liebe“. Dieser Satz steht so in der Bibel, sogar mehrfach. In der lateinischen Übersetzung der Bibel, der Vulgata, klingt das so: Deus caritas est. Gott ist Caritas, Liebe.

Caritas – da klingelt es sofort bei mir. Tag für Tag sitze ich als Geschäftsführer von faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft, in unserer Zentrale in Würzburg in einem Gebäude, das einer Genossenschaft innerhalb der Caritas Würzburg gehört. Caritas, das ist der größte Anbieter von diakonischen Leistungen in Deutschland neben dem Diakonischen Werk – mit zusammen ca. einer Million Tätigen. Die Caritas steht für praktisches Zupacken für Hilfsbedürftige. Auch wenn sie heute ein Sozialunternehmen ist, das den wirtschaftlichen Regeln des Marktes unterworfen ist; entstanden ist sie auf der Grundlage eben dieses Bibelwortes:

„Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh. 4, 16)

Zweimal in diesem Satz und sage und schreibe 29-mal im Textabschnitt um diesen Satz herum steht dieses Wort „Liebe“ - es ist ein zentrales Wort, das das Wesen Gottes und ihn selbst am besten beschreibt.

Gott ist Liebe, aber jetzt mal Klartext: Wie ist Liebe, wie ist Gott?

Er ist der Erfinder des Mitfühlens. Wie kein anderer kann er sich in die Lage jedes Menschen hineinversetzen. Er lacht und freut sich mit uns, er weint und trauert mit uns, er leidet und ängstigt sich mit uns, er schweigt und redet mit uns. Aber das ist nicht alles.

Er ist der Erfinder des Zupackens. Wie kein anderer lässt er seinem Mitgefühl Taten folgen. Er kommt als der allmächtige Herrscher als ein kleines ohnmächtiges Kind. Er schaut sich auf seiner Erde um, spricht mit und zu seinen Menschen, er heilt und ermutigt, er räumt im Leben von Menschen auf. Er rettet uns durch seine Liebe. Durch all das hilft er seinen Menschen zum Leben und Lieben, zum Glauben und Hoffen.

Solange nur Gott Caritas, Liebe, ist, sind wir Zuschauer. Jetzt aber sind wir dran. Der Aufruf ist klar: Lasst uns lieben! Also raus aus der Zuschauerrolle. Jetzt brauchen wir keine hundertseitige detaillierte Arbeitsanleitung, sondern haben mit der Bibel ein Muster- und Beispielbuch. Jetzt ist kein Theoriekurs angesagt, sondern wir können loslegen mit Lieben. Wir können loslegen mit Mitfühlen und Zupacken. Loslegen - wie Gott. Loslegen - weil Gott es vorgemacht hat und vormacht. Und dranbleiben. Das sollen heute Menschen in meinem Umfeld merken, dass Gott ihnen begegnet. Durch mein Mitfühlen und mein Zupacken.

Deus caritas est – Gott ist die Liebe. Das erwähnte Lied aus meiner Kindheit hat damals nicht in fünf Strophen beschrieben, warum Gott auch mich liebt, sondern wie er mich liebt. Sein Mitgefühl und Zupacken erreicht heute andere – durch mich.



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