/ Wort zum Tag

Frieden

Ingo Maxeiner über Kolosser 1,19-20.

Es hat Gott gefallen, alle Fülle in Christus wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.

Kolosser 1,19–20

Wie gestern, so stammt auch heute der Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine aus einer Schriftlesung zum Karfreitag. Da heißt es im Brief des Apostels Paulus an die Kolosser im ersten Kapitel: „Es hat Gott gefallen, alle Fülle in Christus wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz“.

Gestern war die Barmherzigkeit das Thema, heute der Friede. Der Apostel Paulus blickt in seinem Christushymnus zurück auf den Tod Jesu am Kreuz. Der ist das Zentralereignis der Weltgeschichte. Gott hat seinen Sohn der menschlichen Willkür preisgegeben. Himmel und Erde werden durch diesen Tod berührt, verwandelt, versöhnt und zum Frieden gebracht. Er löst einen Vorgang aus und führt zu einem Zustand.

Der Vorgang: Was getrennt und entzweit, was gespalten und verfeindet ist, das wird zusammengeführt und versöhnt, in eine gemeinsame Sohnschaft gebracht. Die streitenden Parteien, die Menschen finden Ruhe in dem einen gemeinsamen Vater.

Der Zustand: Weil die Menschen sich auf einen Vater beziehen, in ihm ihren Ursprung sehen, haben sie Frieden. Der hat den höchstmöglichen Preis, den Tod des Gottessohnes, und ist deswegen ganz und gar fest und gewiss, von Gottes Seite aus. Und auf der Seite der Menschen? Ist der Frieden gewiss und beständig, gar automatisch wirksam?

Dazu schauen wir uns einige Charakteristika des Friedens an. Der Frieden wird als Geschenk empfangen, als Haltung verinnerlicht und als Auftrag ausgebreitet und ins Werk gesetzt. Der Frieden durch den Kreuzestod ist ganz und gar Gottes Tat in Christus. Er wird uns geschenkt. Wir können ihn in Anspruch nehmen im Glauben und Vertrauen. Wer sich auf Christi Tod beruft, der erhält die Gemeinschaft mit Gott neu. Das ist der versprochene Frieden.

Frieden ist aber auch eine Haltung: Will ich in dem Frieden leben? Will ich der oder die Befriedete sein und bleiben? Möchte ich den Frieden Gottes bewahren? Diese Anfrage ergeht an jede Person, die Gottes Frieden empfängt. Sollten wir die Frage mit Ja beantworten, ergeht an uns ein doppelter Auftrag: den Frieden ausstrahlen, ihn dadurch bezeugen, und ihn dann aktiv ausbreiten.

Fragen uns Menschen nach unserem inneren Halt, nach der eigenen Geborgenheit? Erleben sie: Wo wir sind, da ist gut sein? Dieses Erlebnis braucht unsere aktive, engagierte Ergänzung: Höre ich zu? Würdige ich mein Gegenüber? Sage ich ja zur Person? Gebe ich Raum zur Entfaltung? Zugleich: Stehe ich zu Wahrheit und Liebe und setze ich dazu Grenzen? Rede ich so, dass Sehnsucht nach Frieden aufkommt? Wehre ich der Hassrede? Ergreife ich aktiv Partei für Wahrheit und Gerechtigkeit? All das hat Christus getan. Mit seinem ganzen Leben. Was tun wir?

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.



Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Das könnte Sie auch interessieren