/ Wort zum Tag

Berufung – mehr als ein Auftrag

Klaudia Wolf über Jesaja 6,8.

Ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!

Jesaja 6,8

Es gibt Momente im Leben, in denen weißt du sofort, die hast du verpasst, versäumt - und die kommen so nicht wieder. Es gibt Momente im Leben, in denen spürst du direkt, das sind deine Momente: Du erkennst die Notwendigkeit des Tuns und handelst entsprechend, du siehst in das Gesicht deines Gegenübers und sagst ihm/ihr die Worte, die in sein/ihr Herz sprechen, du bekommst Herausforderungen vor die Füße gelegt und nimmst sie direkt mit klopfendem Herzen an.

So mag es wahrscheinlich Jesaja ergangen sein. Der Prophet Jesaja kommt in die Herrlichkeit Gottes, er begegnet dem heiligen Herrn Zebaoth und dieser eröffnet ihm eine Vision. Der überforderte Jesaja will sich am liebsten in die Ecke verkriechen, als ihn Gott persönlich anspricht.

„Ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!“ So finden wir es in Jesaja 6, 8.

Drei Aspekte werden mit dieser Berufung für mich deutlich, die Vision Gottes, die Reaktion des Jesaja daraufhin und zuletzt der spezielle Auftrag, den Jesaja von Gott annimmt.

Diese typischen Elemente in einer Berufung finde ich auch in anderen Berufungsgeschichten wieder, wie zum Beispiel bei Petrus. Auf die jeweiligen Begegnungen mit Gott folgt die Bereitschaft der Angesprochenen, Gottes Ruf zu folgen und selbst zum Rufenden zu werden. Das klingt so aalglatt, doch meiner Meinung nach ist es das nicht. Solch ein Moment ist der Höhepunkt eines vorangegangenen Prozesses, der manchmal zum Teil im Unterbewusstsein des Angesprochenen nur stattfindet und erst zu diesem Zeitpunkt offensichtlich wird.

Je nach Charakter der Personen kann dieser Prozess unterschiedlich lang und intensiv sein. Gottes Nähe und Reden während des Prozesses spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Eine weitere Erkenntnis sind die Unterschiede bei den Personen. Das was bei Jesaja gut und hilfreich war, konnte bei Petrus genau verkehrt sein. Die Individualität bei Berufungen war zu biblischen Zeiten genauso wichtig, wie das auch heute noch immer wieder geschieht. Ich finde es wirklich faszinierend, wie vielfältig, wie sorgfältig und detailliert Gott auch heute bei Berufungen handelt. Gerade darin erweist er sich als ein großer, barmherziger Gott.

Darüber hinaus beobachte und stelle ich fest: Der Auftrag, den die Angesprochenen jeweils erhalten, entspricht ihren Fähigkeiten und ihrer persönlichen Leidenschaft. Oftmals sind diese Aufträge ganz spezieller Art; sehr herausfordernd für den Berufenen. Doch gerade darauf legt Gott seinen Segen, der seine geliebten Kinder an dieser Stelle nicht alleine lässt.

Das eine oder andere Mal werden die persönlichen Gaben im Vorfeld in Frage gestellt, wie zum Beispiel bei Petrus. Aufgrund seines eigenwilligen und impulsiven Charakters hat er viel Kritik anhören und manches Mal entsprechende Konsequenzen tragen müssen. Die Leugnung Jesu war sein schwächster Moment, den er bitterlich bereute. Weil Jesus ihn so sehr liebte, vergab er Petrus und schenkte ihm neu sein Vertrauen. Er nahm ihn neu an und vertraute ihm sogar seine Gemeinde an. Nach erneuter Berufung von Petrus ging er ganz auf in seinem Auftrag und war sogar noch stärker, noch weiser, noch leidenschaftlicher als je zuvor in seinem Leben.

Solch eine gigantische Entwicklung ist symptomatisch bei Berufenen. Ich will sogar behaupten, dass es Gottes Motto ist, so zu handeln. Oder anders ausgedrückt: Gott will jeden Menschen nach seinem Bild für diesen Menschen formen, weil er schon längst dieses Bild in ihm sieht. Mit einem Zitat von Dag Hammarskjöld möchte ich schließen und Sie ermutigen, Berufung in Ihrem Umfeld zu entdecken oder Ihre eigene Berufung neu zu leben.

Du wagst dein Ja – und erlebst einen Sinn.

Du wiederholst dein Ja – und alles bekommt Sinn.

Wenn alles Sinn hat, wie kannst du anders leben als ein Ja.



Ihr Kommentar

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Kommentare

Von Karl B. am .

Zu Sandra W.
Ich denke nicht dass die Warnung Jesajas umsonst waren! Auch wenn es sich im ersten Moment entmutigend anhört.
Aber Gott macht keine Fehler.
Vgl. Hes. 2, 4+5 Zitat: und sie, mögen sie es hören oder lassen, ..... sie sollen dich erkennen, dass ein Prophet in ihrer Mitte gewesen ist.
Gott richtet nicht sofort, obwohl er das Recht und die Möglichkeit dazu hat.
Er schickt Möglichkeiten zur Umkehr; siehe unseren Herrn Jesus, seinen Sohn. Auch heute hat jeder die Möglichkeit ihn anzunehmen. Mögen wir es tun oder lassen !

Von Sandra W. am .

Gute Andacht, aber das Leben Jesajas ist für viele Christen sehr entmutigend, da dieser Prophet sein Leben lang die Leute warnte, und doch niemand auf ihn hörte und am Ende alles umsonst war...
Berufung hin oder her...
Erfolg hat er jedenfalls nicht gehabt und es muss schlimm für ihn gewesen sein zu sehen, dass alles den Bach herunterging, weil ihn niemand ernst nahm, obwohl er in Gottes Auftrag jahrelang alles vorausgesagt hatte...


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