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Beschenkt verschenken

Simon Diercks über 2. Korinther 9,7.

„Heute hast Du aber mal ein schickes Hemd an!“ Ein aufmerksames und charmantes Kompliment. Eigentlich. Oder will mir mein Gegenüber damit nicht nur durch die Blume sagen, dass der Rest meines Kleiderschranks dringend in die Altkleidersammlung gehört?

Ich kenne da jemanden, der es mit treffsicherem Sarkasmus schafft, jedes konstruktiv gesagte Wort in einen Angriff umzumünzen und sich als Opfer zu inszenieren. Kennen Sie auch so jemanden oder selbst solche Gedanken?

Mich erfüllt es immer wieder mit trauriger Faszination, wie viele Menschen, die mit Jesus unterwegs sind, es schaffen, auf eine ähnlich zerstörerische Weise mit Gottes Zusagen umzugehen.

Mit Zusagen wie dieser: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ (2. Korinther 9,7)

Und? Löst dieser Vers ein Gefühl wohliger Wertschätzung oder doch eher ein gequältes Gewissen aus? Dass Menschen hinter einer positiven Aussage direkt die negative Zweitbotschaft wittern, hat meines Erachtens ganz viel mit Vertrauen zu tun.

Vertraue ich dem Hemdliebhaber, der mit mir redet, dass er es wirklich gut mit mir meint?
Und vertraue ich Gott, wenn er geschriebene Worte aus der Bibel zur lebendigen Zusage werden lässt, dass er es wirklich gut mit mir meint?

Der verhängnisvolle Drang dazu, immer das Gegenteil mitzulesen, hält mich manches Mal davon ab, die Stärke von Gottes Zusagen anzunehmen. Dabei gilt es auszuhalten, dass Gott nicht so simpel ist: Wenn er mir zusagt, dass er den segnet, der fröhlich gibt, sagt er damit nicht durch die Hintertür, dass er den nicht segnet, der gerade nicht gibt oder der das gerade nicht fröhlichen Herzens kann.

Was viel mehr in diesem Satz drin steckt ist, dass zu gesundem Geben eine gesunde Freude dazu gehört. Und die speist sich aus der Erkenntnis, dass ich beschenkt bin.

Und, ja, ich weiß: Der Blick darauf, wie beschenkt Sie und ich von Gott sind, fällt angesichts einer weltweiten Pandemie, Erkrankungen und Todesfällen im Bekannten- oder Verwandtenkreis und umfassenden Einschränkungen des Privatlebens nicht leicht. Aber gerade in dieser Situation tut es gut, innezuhalten und wahrzunehmen: Ich bin beschenkt.

Beschenkt mit mehr Liebe, als ich geben kann. Mit einem Leben mit Ewigkeitsperspektive. Mit einem Haufen von Zusagen Gottes, die die ganze Bibel durchziehen und in meinem Leben lebendig werden. Mit dem Leben in einem Land, das wahrscheinlich eins der besten ist, diese Pandemie durchzustehen. Mit - global betrachtet - überdurchschnittlichem Reichtum. Und der Beziehung zu einem Gott, der mich nicht überfordert - aber herausfordert: auch dazu, aus Dankbarkeit fürs Geschenkte selbst zum Schenkenden zu werden.

Und dann kann ich das annehmen: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“. Was können Sie heute geben? Einen lieben Gruß an einen einsamen Menschen, eine Spende an eine Organisation, die Hoffnung verschenkt, eine Umarmung an einen nahestehenden Menschen oder einfach ein Dankgebet?



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