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Herbert Laupichler über Jeremia 23,3.

Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren.

Jeremia 23,3

Der Prophet Jeremia hatte die undankbare Aufgabe, den Rest Israels in der Zeit vor dem Exil in Babylon mit seinem prophetischen Dienst zu begleiten. Ein Teil des Volkes war bereits verschleppt, unter anderem auch die Propheten Daniel und Hesekiel. Jeremia war jedoch in Jerusalem geblieben. Und scheinbar machten die führenden Männer unbeeindruckt weiter wie bisher. Denn Jeremia muss ihnen vorwerfen, dass sie die Schafe der Herde Gottes zugrunde richten. Sie zerstreuen, vertreiben und sehen nicht wie gute Hirten nach ihnen.

Dazu konnte Gott nicht schweigen und kündigte durch Jeremia an: „Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren.“ (Jeremia 23,3)

Wobei mit dem Ich Gott gemeint ist. Gott spricht von seiner Herde und vergleicht damit die Menschen in Israel mit einer Herde von Schafen. Sie runzeln die Stirn? Ich auch. Denn oft gilt ein Schaf als dumm und schwach. Und doch ist es besser dran als alle anderen Tiere. Denn es hat einen Hirten, der für das Schaf sorgt, es begleitet und schützt. So müssen Schafe nicht kämpfen, sie werden gehütet, gepflegt und geweidet. Der Hirte kennt jedes einzelne Schaf. Er trägt die kleinen und leitet die großen, er versorgt die Kranken und schont die müden.

Gott hatte die Aufsicht und Fürsorge für die Herde weitergegeben. An Könige, Priester und Leviten. Und diesen Hirten, dieser Elite des Volkes, wirft Gott nun vor, dass sie sich nur selbst geweidet haben. Sie sind mit der Herde umgegangen, als ob sie ihr Eigentum wäre. Sie haben die Menschen als Untergebene betrachtet und nicht als etwas, das ihnen anvertraut war.

Die Führer des Volkes Israel haben sich nicht wie Hirten verhalten, sich nicht um die Schwachen, Kranken, Verirrten und Verwundeten gekümmert. Und darum haben die Schafe die Orientierung verloren. Sie hatten keine Vorbilder und keine Führer mehr.

Sie wurden nicht mehr geweidet. Und jetzt sind sie zerstreut und schutzlos. Doch Gott überlässt seine Herde nicht ihrem Schicksal. Er lässt Jeremia sagen, dass er die Herde wieder sammeln will. Gott will immer nur das Beste für seine Herde. Was in der Geschichte des Volkes Israel auch immer wieder eindrucksvoll bewiesen wird. Doch nun zu uns Christen.

Wenn ich das Neue Testament richtig verstehe, gehören die Nachfolger von Jesus, also wir Christen, auch zu der Herde Gottes. Und Jesus selbst malt sich als der gute Hirte vor die Augen seiner Zuhörer. Der seine Schafe zusammenruft, um sie auf gute Weideplätze zu führen.

Doch Jesus ist jetzt im Himmel. Und Gott hat für das Hüten der Herde Gottes Menschen berufen. Menschen, die in Jesus den guten Hirten sehen, der sein Leben gegeben hat für seine Schafe.

Gott hat auch heute die Aufgabe des Hirten weitergegeben. Und ich denke, wo bin ich da als Hirte gefragt? Wo hat Gott mich und sicher Sie auch als Hirte hingestellt?

Doch ich will ehrlich sein und gebe zu, dass ich oft an der Aufgabe scheitere. Dass ich von mir enttäuscht bin oder mich so machtlos fühle. Falls es Ihnen auch manchmal so geht: Sie und ich sind nicht allein. Wir tragen nicht allein die Verantwortung für den uns anvertrauten Teil der Herde Gottes.

Denn Gott hat zugesagt, dass er die Übriggebliebenen seiner Herde sammeln wird aus allen Ländern und er sie wiederbringen will zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren. Gott nimmt sich also selbst seiner Herde an.



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