/ Wort zum Tag

Wie schwache Christen wieder auf die Beine kommen

Rolf Hille über Hebräer 12,12-13.

Stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und tut sichere Schritte mit euren Füßen.

Hebräer 12,12-13

Sie ist restlos begeistert und entzückt, die ältere Dame, bei der ich zu Besuch bin. Sie zeigt mir auf ihrem Handy einen Videoclip von ihrer Enkelin. Die ist gerade mal ein Jahr alt und beginnt, auf eigenen Beinen zu stehen. Am Stuhl zieht sie sich hoch. Dann macht sie unsichere, ziemlich wackelige Schritte auf ihren Papa zu. Die Arme weit ausgestreckt, um seine Hand zu fassen. Das sieht wirklich ganz drollig aus.

„Darum stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und macht sichere Schritte mit euren Füßen, damit nicht jemand strauchle wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde.“ So heißt unser heutiges Bibelwort aus dem Hebräerbrief, Kapitel 12, Vers 12 und 13.

Sicherlich sind viele Ältere unter Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer. Sie können nicht mehr mit so schnellen Schritten durch den Tag gehen wie in jüngeren Jahren. Die Knie beginnen zu zittern. Oft fehlt die Kraft. Die Hände fühlen sich zu schlaff an, um zuzupacken.

Aber der Hebräerbrief hat noch eine andere Situation im Auge. Er richtet sich an eine müde gewordene Gemeinde. Der Schwung des Aufbruchs ist längst verflogen. Leid, Verfolgung, Schwierigkeiten prägen das Leben. Viele sind abgehängt, sie kommen nicht mehr zum Gottesdienst. Die Bibel sagt ihnen nichts. Zum Beten sind sie zu müde. Die Nachfolge ist zu anstrengend. Sie wollen den Weg nicht mehr weitergehen.

Nun ist es ein Trost, dass Gottes Wort ehrlich und schonungslos die Situation von den Anfängen der Christenheit beschreibt. Wenn Sie Jesus innerlich schon gekündigt haben und aus Enttäuschung seiner Gemeinde den Rücken kehren wollen, dann hören Sie bitte nochmals auf das heutige Wort von den wankenden Knien, den unsicheren Schritten und den müden Händen.

Jesus selbst hat den mühseligen Weg durch heiße Wüsten und über steinige Gassen auf sich genommen. Seine Hände haben die Lahmen berührt. Er hat den Tauben die Ohren geöffnet und die Aussätzigen geheilt. Er kennt die Müdigkeit, denn er hat schwere Lasten getragen. Wenn seine Knie dabei wankten, dann hat er den Vater im Himmel um Hilfe angefleht; besonders wenn er sich kraftlos fühlte.

Wenn wir auf Jesus schauen, dann bekommen wir neue Kräfte. Er schenkt Kraft anzupacken. Bei ihm erfahren wir, wie die Bibel den schwachen Glauben stärkt. Er nimmt uns mit hinein ins Gebet. So können wir sichere Schritte tun. Der Gottesdienst wird uns zur Raststätte auf dem Weg zum Ziel. Und wenn wir das Ziel vor Augen haben, die Heimat bei Gott, dann können wir aufrecht weitergehen. Das Ziel wird zur Ermutigung auf dem Weg.

Die Zeugen Jesu Christi, die uns vorausgegangen sind, inspirieren uns und schenken Mut. Es ist, wie der Hebräerbrief bildhaft sagt, eine große Wolke von Zeugen Jesu Christi, die uns vorausgegangen sind. Von ihnen geht eine ansteckende Gesundheit aus und wir können in die Liedstrophe einstimmen:

Ich will mich nicht mehr selber führen,
Du sollst als Hirte mich regieren;
so geh denn mit mir aus und ein!
Ach, Herr, erhöre meine Bitten
und leite mich auf allen Tritten;
ich gehe keinen Schritt allein.

Amen.

 



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