/ Wort zum Tag

Notwendiges Übel

Manfred Schultzki über Lukas 2,15.

Die Hirten sprachen untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

Lukas 2,15

Das war sicher die verrückteste Nacht, die diese Männer je erlebt haben. Umso erstaunlicher, mit welcher Eindeutigkeit sie feststellen: Der Herr, Gott selbst, hat uns diese Botschaft zurufen lassen. Dabei sagte man ihnen nach, nicht zu den Frömmsten im Lande zu gehören.

Regelmäßigen Besuch in der Synagoge ließ ihr Dienst nicht zu. Die Kälte der Nacht brachte sie dazu, mehr innere Wärme zu suchen in Form von Wein oder stärkeren Getränken. Wer sich nicht vor wilden Tieren fürchtet oder vor Dieben, die versuchen, Schafe zu stehlen, der ist auch sonst vielleicht eher rauflustig und geht keinem Streit aus dem Weg. Alles in allem - Hirten waren aus dem Blickwinkel der anderen Menschen ein Übel, wenn auch ein notwendiges.

Aber gerade sie werden in dieser Nacht angesprochen. Ja, sie erkennen sogar, dass es Gott ist, der hier zu ihnen spricht. Und so machen sie sich auf den Weg. Sie wollen wissen, was geschehen ist. Vielleicht wollen sie sogar den Wahrheitsgehalt prüfen. Aber sie spüren auch, dass es sie selbst betrifft. Darum leisten sie es sich, die Herden nur mit einer Notwache zurückzulassen.

Ich wünsche Ihnen allen, dass auch Sie sich voller Neugier auf den Weg machen zu Jesus. Das ist nicht selbstverständlich - trotz so vieler Feiertage. Der Sinn des Christfestes ist doch ziemlich überlagert und zugedeckt mit vielen anderen Dingen - und seien sie noch so schön. Ich wünsche Ihnen, dass Sie zum Kind in der Krippe kommen, auch wenn Sie dabei überrascht entdecken – das ist der Mann aus Nazareth. Das ist der, der am Kreuz starb. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich nicht abwenden, weil das Kreuz Sie erschreckt, sondern dass Sie entdecken – das alles gehört zusammen.

In der Advents- und Weihnachtszeit ist unsere Wohnung immer geschmückt. Da stehen mehrere Krippen, eine große Pyramide und mehrere Schwibbögen. Einen dieser Bögen liebe ich besonders - obwohl auf ihm keine Kerze steht, sondern nur daneben. Er stammt von einer Diakonisse des Mutterhauses, in dem ich viele Jahre tätig war. Nicht Bergmann und Klöpplerin schmücken ihn, sondern eine Krippenszene. Und der große strahlende Stern im oberen Bereich ist zugleich ein Kreuz.

Wer immer dieses Motiv einmal entworfen hat, hat zusammengebracht, was zusammengehört. Der zweite Weihnachtsfeiertag macht es uns bewusst: Stephanustag, Erinnerung an den ersten Märtyrer der jungen Gemeinde. Jener Stephanus, der gesteinigt wurde, weil er von Jesus sprach, dem Sohn Gottes und Erlöser. Krippe und Kreuz gehören zusammen. Wir dürfen sie nicht gedanklich auseinanderreißen. Das Kind, dessen Geburt wir feiern, ist der, den Gott gesandt hat, um uns zu erretten. Das ist mehr als nur ein Tagesereignis. Es ist Geschichte Gottes mit Ihnen und mir.

Die Hirten haben sich nicht nur alles angesehen und geprüft, was daran wahr ist. Sie haben es dann auch weitererzählt. Wer einmal den Zusammenhang zwischen Krippe und Kreuz, zwischen damals und heute, zwischen Jesus und sich selbst entdeckt hat, der hat etwas zu erzählen. Und diese Tage sind doch auch Erzähltage. Wie wäre es, wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, weitererzählten von Krippe und Kreuz und Gottes persönlicher Geschichte mit Ihnen?



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