/ Wort zum Tag

Einmal kann ich meine Uhr wegwerfen!

Gerhard Weinreich über Psalm 102,28.

Gott, du bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.

Psalm 102,28

„Als ich einmal unseren fünfjährigen Jungen abends in den Schlafanzug packte,“ erzählt ein Vater, „schaute er zum Fenster hinaus in die abendliche Landschaft, sah die Sonne hinterm Horizont verschwinden und sagte: „Jetzt wird der Tag umgeblättert.“

Was für ein treffendes Bild aus dem Mund eines Kindes für das Vergehen der Zeit: jeder Tag eine einzelne Seite im Buch der Zeit! In neun Tagen wird in diesem Buch ein Jahr umgeblättert. Freut Sie das? Vielleicht ja, weil Sie jung und optimistisch sind und sich sagen: „Es kann 2021 nur besser werden!“ Oder auch nicht, weil Sie den Zenit Ihres Lebens längst überschritten haben und ahnen: „Meine Ressourcen an Zeit, diese Vorräte sind nicht endlos! Sie werden mit jedem Jahr weniger. Und irgendwann gehen sie ganz zu Ende.“

Ob wir dann nicht alle, Jung und Alt, aufhorchen müssten, wenn im heutigen Bibelwort der Sänger von Psalm 102 zu Gott sagt: „Du bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.“?

Unsere Jahre haben ein Ende. „Unser Leben währt 70 Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind's achzig Jahre", heißt es in einem anderen Lied im Alten Testament. (Psalm 90,10)

Diese Begrenzung trifft aber nicht bloß auf die Lebensdauer, sondern auch auf seine Qualität zu! Ein hohes Alter ist oft geprägt von körperlichem oder geistigem Abbau. Ganz anders Gott! Seine Jahre sind grenzenlos. Seine Kraft kennt keine Abnutzungs- oder Verfallserscheinungen. Gott bleibt, wie er ist! Immer derselbe. Auch in seinem Wesen: barmherzig, gnädig, geduldig, von großer Güte und Treue. Deshalb hatte er sich einem Mose auch so vorgestellt: "Ich werde sein, der ich sein werde." Oder wie man Gottes Namen aus dem Hebräischen auch übersetzen kann: „Ich werde da sein, wie ich immer da sein werde.“

Unvorstellbar, aber erfahrbar: Unser Gott ist ein „Immer-da-Gott“! In jeder Lebenslage: ob wir lachen oder weinen, gesund oder krank sind, seine Nähe spüren oder nicht, seine Wege verstehen oder nicht. Das „Dabeisein Gottes" bei allen Hoch-Zeiten und Tief-Zeiten unseres Lebens – auf unseren grünen Auen und in unseren finsteren Tälern – das ist unser Glück. Das Dabeisein Gottes ist unsere Freude und Kraftquelle, unser Trost und Halt, unser Bergungsort.

Denn womit ein Mose vor tausenden Jahren das Volk Israel gesegnet hat, ist bis heute bleibende Wahrheit: „Zuflucht ist bei dem Gott, der von alters her ist, und unter seinen ewigen Armen.“ (5. Mose 33,27)

Trauen wir dieser Wahrheit! Bergen wir uns in diesen ewigen Arme! Erst recht, weil Gott sie vor 2000 Jahren aus Liebe in seinem Sohn nach uns ausgestreckt hat. Seitdem Jesus, mit angenagelten Armen an einem Kreuz hängend, sterbend schrie: „Es ist vollbracht", streckt uns Gott seine Hand zur Versöhnung hin. Wer in sie einschlägt, der ist gerettet! Gerettet für den Himmel. Gerettet für ein Leben ohne Ende.

Was das heißt, ging mir im Sommer dieses Jahres im Monbachtal bei Bad Liebenzell ganz neu auf. Zum Abschluss unserer Freizeit spielte uns Jürgen Werth ein Video mit dem Pantomimen Carlos Martinez vor. Ich war sehr gespannt, wie er das bekannteste Gebet Jesu, das Vaterunser, pantomimisch – ohne Worte, nur mit Gesten – deuten würde. Vor allem den letzten Satz: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“

Zu meiner Überraschung nahm Carlos Martinez aber nur seine Armbanduhr ab, warf sie in hohem Bogen weg und ging dann lachend ab – ins Licht! Ich verstand: In der Ewigkeit braucht es keine irdischen Zeitmesser mehr. Da kann ich meine Uhr wegwerfen. Es gibt dann kein Gestern oder Morgen. Nur ein göttliches, ewiges Heute.

Was für eine Zukunft! In der Vorfreude auf sie sage ich jetzt noch lieber als bisher am Ende des Vaterunsers: „Amen.“ Das ist gewisslich wahr!



Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Kommentare

Von Rainer am .

Total klasse. Genau auf den Punkt gebracht. Vielen Dank.

Von John am .

Wunderschön, wie kann ich (unter welcher Frequenz Erf+ empfangen ? gute Zeit für ihr Team Rosemarie John

Von Werner K. am .

Lieber Herr Weinreich,
ein herzliches Dankeschön für diese wunderbare Auslagung der heutigen Tageslosung!!
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein gesgnetes Weihnachtsfest und für das neue Jahr 2021 alles erdenklich Gute.

Von Lothar am .

Berührt hat mich das Wort zum Tag früh beim Müsli-Essen. Erbitte heute von Jesus, meinen Herrn und Heiland lichtvolle Momente, wo ich die Zeit vergessen kann. Danke für das berührende Wort.


Das könnte Sie auch interessieren