/ Wort zum Tag

Ausländer – von Anfang an

Luitgardis Parasie über 1. Petrus 1,17.

Führt euer Leben in Gottesfurcht, solange ihr hier in der Fremde weilt.

1. Petrus 1,17

Christen sind Ausländer. Sie leben hier in der Fremde, heißt es im ersten Petrusbrief. Denn unsere Heimat, die ist nicht auf der Erde, die ist im Himmel. Hier auf der Erde müssen wir uns integrieren. Unser Leben in Gottesfurcht führen, sagt der Bibelvers. Also Gott und unsere Mitmenschen respektieren.

Ausländer, das ist ja ein Thema, das die Bibel von Anfang an durchzieht. Glaubensvater Abraham musste seine Heimat am Persischen Golf verlassen und nach Kanaan, ins heutige Israel, ziehen. Völliges Neuland, und er kannte da keinen Menschen. Später ist er wegen einer Hungersnot nach Ägypten gegangen, ein Flüchtling, genaugenommen ein Wirtschaftsflüchtling. Er kehrte dann mit seiner Frau irgendwann wieder nach Kanaan zurück. Aber sein Urenkel Joseph wurde von seinen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft. Wider Erwarten machte er dort groß Karriere und holte später seine ganze Verwandtschaft nach. Familiennachzug vom Vater und 11 Brüdern mit ihren Familien. Die wurden über Generationen dort sesshaft – und am Ende sehr schlecht von den Ägyptern behandelt. Als Menschen zweiter Klasse.

Sind wir heute so viel anders? Neulich postete jemand bei Facebook den Satz: „Solange nur ein einziger Rentner hier hungert, hat kein Flüchtling hier was zu suchen.“ Ich war und bin immer noch fassungslos darüber. Abgesehen davon, dass der Verfasser vermutlich keinen blassen Schimmer davon hat, was Hunger z. B. in manchen Ländern Afrikas wirklich bedeutet.

Ausländer, von Anfang des Glaubens an. Es ist, als ob Gott sagen wollte: Bindet euch nicht zu sehr an diese irdischen Orte, hängt euer Herz nicht daran. Das ist alles nur vorläufig, eure wirkliche Heimat ist im Himmel. Das, was ihr habt, was ihr für eures haltet – es ist gar nicht eures, ist nur geliehen. Und es ist nicht eure Aufgabe, es wie der reiche Kornbauer zu horten, sondern es zu teilen.

Der 31jährige Ahmad war in Syrien verhaftet worden. Als Arzt hatte er angeblich regierungsfeindlichen Rebellen geholfen. Man brachte ihn ins Gefängnis des Luftwaffen-Geheimdienstes, die schlimmsten Gefängnisse, die es in Syrien gibt. Er wurde mit Stromschlägen gefoltert und mit glühenden Zigaretten verbrannt. Durch eine Kette von Wundern gelang es ihm anderthalb Jahre später zu fliehen und nach Deutschland zu kommen. Heute sagt er: „Gott hat mich gerettet.“

In Aleppo war Glaube kein Thema für ihn gewesen. Sein muslimischer Vater hatte ihn oft ermahnt zu beten und zu fasten. „Aber das interessierte mich nicht“, sagt Ahmad. „Fußball, Freundin, Medizin, das war mein Leben. Und im Gefängnis habe ich Gott gehasst. Ihn beschimpft. Ein alter Mann schrieb mir auf einen Zettel: ‚Gott liebt dich. Wenn du ihn nicht liebst, liebt er dich trotzdem.’ Dieser Gedanke ist mir vom Islam total fremd. Aber er hat mich berührt. Ich denke oft daran, wenn ich zweifle.“

Heute ist es besser zwischen Gott und ihm. Er besucht den Gottesdienst, liest in der Bibel, hat sich taufen lassen. Ist glücklich, hier wieder als Arzt arbeiten zu können. Er sagt: „Euer Gott hat mir geholfen. Ich stelle ihm viele Fragen, aber ich bin immer höflich zu ihm. Wenn ich zur Kirche gehe, fällt es mir leicht zu glauben. Christen haben mich aufgenommen, sie haben die Menschlichkeit gezeigt, die wir in Syrien verloren haben. Ich bin gläubig, weil ich liebevolle Christen kennengelernt habe. Denn Gott spricht und handelt durch Menschen.“

Christen sind Ausländer. Und wie wunderbar, wenn es ihnen gelingt, andere Ausländer mitzunehmen zur himmlischen Heimat.



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Kommentare

Von erich am .

Liebe Frau Parasie, danke für die inspirierende Auslegung.
schalom erich

Von Ulrich am .

Vielen Dank für diesen Kommentar!

Von Rainer am .

Guten Morgen. Vielen Dank für die wunderbare und inhaltsreiche Auslegung.

Von Günther D. am .

Das unterschreibe ich hundertprozentig, liebe Pastorin Parasie. Mein Leben hat sich durch eine iranische Familie, die wegen ihres Glaubens fliehen musste, stark verändert. Sie schreiben mir aus dem Herzen. Bleiben Sie behütet.


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