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Nase vorn

Jürgen Barth über Markus 8,36.

Bibelvers

Was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?

Markus 8,36

Das Radsportereignis des Jahres ist sicher die „Tour de France“. Und jedes Jahr stellt sich die Frage: Wer wird diesmal gewinnen? Fast 3.500 km sind in 3 Wochen zurückzulegen – 21 Etappen mit ganz unterschiedlichen Anforderungen. Vor allem die Berg-Etappen haben es in sich. Steile Anstiege und anschließend rasante Abfahrten. Manchem Fahrer wurde das schon zum Verhängnis.

Wer die Tour gewonnen hat, steht im Grunde schon am Ende der vorletzten Etappe fest. Denn es gibt ein „ungeschriebenes Gesetz“ unter den Radsportlern: Der Spitzenreiter und Führende in der Gesamtwertung wird auf der letzten Etappe nicht mehr angegriffen. Er soll den triumphalen Einzug in Paris – dem Ziel der Radrundfahrt – genießen.

Ein Fahrer hatte in diesem Jahr schon 11 Tage lang das gelbe Trikot des Führenden in der Gesamtwertung getragen. Sein Vorsprung war komfortabel. Wer sollte ihn noch einholen und ihm den Sieg streitig machen? Die vorletzte Etappe - ein Bergzeitfahren. Und dann wird es dramatisch. Sekunde um Sekunde schmilzt der Vorsprung des Führenden dahin. Etwa 1 km vor dem Etappenziel ist klar: Der so sicher scheinende Sieg ist dahin. Er wird „nur“ Zweiter. Aus der Traum vom triumphalen Einzug in Paris. Der Traum vom großen Sieg ist geplatzt. Kein Sieg – kein Erfolg – eben „nur“ Zweiter.

Gewinnen und verlieren. Darum geht es nicht nur im Sport. Darum geht es im Grunde ständig im Leben. Z. B. in der Politik – wer gewinnt oder verliert die Wahl? Wer gewinnt oder verliert Macht und Einfluss? - Darum geht es im Berufsleben – wer macht Karriere und wer nicht? Ja, selbst in der Ehe, in der Familie und in der Schule geht es oft genug ums Gewinnen und Verlieren. Wer gewinnt bzw. verliert an Ansehen und Anerkennung, an Zuwendung und Hilfe – wer kann sich behaupten und wer hat immer das Nachsehen, muss ständig klein beigeben? - Wer möchte nicht gerne „strahlender Gewinner“ sein?! Es ist schlimm für denjenigen, dem bescheinigt wird: „Du bist ein Verlierer!“

Im Markusevangelium, Kapitel 8, Vers 36 lesen wir das Wort Jesu: „Was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?“

Zunächst einmal: „die ganze Welt gewinnen“ – das ist unmöglich. Das hindert Menschen allerdings nicht daran, zu versuchen und alles dranzusetzen, sich vom „Kuchen des Lebens“ ein möglichst großes Stück abzuschneiden. Koste es, was es wolle.

Das Wort Jesu macht mich nachdenklich. Was setze ich nicht alles dafür ein, um vorne zu sein? Gewinner zu sein? Welchen Preis muss ich zahlen, um vor anderen Menschen immer die berühmte „Nasenlänge“ voraus zu sein? Um erfolgreich zu sein und Karriere zu machen? Das Wort Jesu erinnert mich daran: Erfolg ist nicht alles! Und: Besitz und Reichtum ist auch nicht alles! Anerkennung, Macht und Einfluss ist ebenfalls nicht alles!

Wie viele erfolgreiche und auch steinreiche Menschen gibt es, die sich nahezu fast alles leisten können und überglücklich sein müssten und die dennoch in ihrem Herzen zutiefst unerfüllt und unglücklich sind?! Menschen, die trotz aller Gewinne in ihrem Leben Schaden an ihrer Seele genommen haben, die sich selbst verloren haben. - Materielle Dinge können das Leben zwar in vielerlei Hinsicht einfacher und angenehmer machen, aber sie können letztlich nicht die tiefe Sehnsucht in uns nach einem erfüllten Leben stillen. Diese Sehnsucht kann nur einer stillen – nämlich Jesus Christus. Das erfahren wir im Glauben an ihn und in der Nachfolge.

  • Jesus nachfolgen – d.h. Leben gewinnen. Leben, das erfüllt ist und Sinn macht, weil er uns mit seiner Liebe beschenkt.
  • Jesus nachfolgen – d.h. Bleibendes gewinnen; das, was am Ende, bei Gott, zählt und Bestand hat.
  • Jesus nachfolgen – d.h. Hoffnung gewinnen. Die Hoffnung, dass wir auch über unseren Tod hinaus durch die Liebe Jesu mit dem lebendigen Gott in Ewigkeit verbunden sind. Wer Jesus nachfolgt, steht zuletzt auf der Seite des Siegers. Daran ändern auch nichts die Niederlagen und Misserfolge, mit denen wir hier und jetzt noch leben müssen.



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