/ Wort zum Tag

Kennen sie Wissi?

Burkhard Theis über 1. Korinther 15,58.

Bibelvers

Seid fest und unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, denn ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.

1. Korinther 15,58

Kennen Sie „Wissi“? Nein, nicht Wessi, oder Messi, sondern Wissi?

Wissi ist 52 Jahre alt, männlich oder weiblich, Normalgröße und Normalgewicht mit Tendenz zu etwas mehr darfs sein. Seit 40 Jahren Christ. Bewusst. Bibelunterricht, Jugendkreis, Kreis junger Erwachsener, Gottesdienste regelmäßig besucht, viele christliche Freizeiten mitgemacht, den ein und anderen Glaubenslehrgang oder Kurs auch besucht, 42 Tage oder auch 34 Tage im Hauskreis usw.

Wissi würde sich vermutlich voll und ganz hinter die Aussage des Apostels Paulus im 1. Korintherbrief stellen: „Seid fest und unerschütterlich und nehmt immer mehr zu in dem Werk des Herrn, denn ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn!“

Das würde Wissi vermutlich unterschreiben! So ganz sicher bin ich mir aber nicht, denn Wissi hält zwar fest und unerschütterlich an der eigenen Meinung, der eigenen Einschätzung fest, aber er tut sich schwer im Hinblick auf das Werk des Herrn und die Arbeit im Herrn.

Wissi weiß, wie es zu gehen hat, wie es zu tun sei, wie es biblisch auszusehen hat und mit wie viel Leidenschaft die Werktätigen ihr Werk im Herrn zu tun haben. Wissi weiß auch, worin der echte Lobpreis seinen Kern hat und wann er Anbetung ist und wann nicht. Wissi weiß auch, wie die eigene Meinung und Erkenntnis zu platzieren ist und mit welchem Gesinnungsgenossen man die zu teilen hat, damit man mit der eigenen Vorstellung durchkommt.

Dabei fällt Wissi leider nicht auf, dass so ein Vorgehen nun wahrlich nicht mehr biblisch ist. Nun, das passiert, weil man ja leidenschaftlich für das Werk des Herrn unterwegs ist. Wissis Eigenmächtigkeit und Einseitigkeit fällt zwar manchem auf, und mancher findet auch den Mut, es Wissi anzuzeigen, aber recht schnell wird der Kritiker abgestempelt. Von wegen er sei noch nicht so weit wie Wissi selbst ihm Hinblick auf das, was dem Reich Gottes jetzt gerade guttut. Wissi bleibt fest und unerschütterlich und nimmt die weitere Spaltung der Gemeinde in Kauf.

Kennen Sie Wissi?

Vielleicht kenne ich Wissi besonders gut, weil es Anteile von Wissi auch bei mir gibt. und ich mir die Arbeit sparen kann, Wissis unter den Gemeindemitgliedern oder Kirchenmitgliedern auszumachen.

Aber ich finde, sie tauchen vermehrt auf. Fest und unerschütterlich bleiben sie bei der Einschätzung, dass die Leitung der Gemeinde an vielen Stellen versagt. Dass der Pastor zu wenig tut oder das Falsche tut; seine Predigt hatte dem einzelnen Wissi angeblich noch nie etwas zu sagen! Man sei von seiner Verkündigung nicht oder noch nie satt geworden. Selbstkritik bei Wissi? Oft Fehlanzeige.

Und ich staune, mit welcher Vehemenz die Einseitigkeit verteidigt wird; an der Schuldzuweisung festgehalten wird, obwohl andere Gemeindemitglieder die Arbeit von Gemeindeleitung und Pastor ganz anders einschätzen. Ich staune, wie viel Wissi von der Bibel weiß und doch nicht weiß und wie schnell der Trennung Tür und Tor geöffnet werden. Einheit der Gemeinde – das ist für Wissis anscheinend kein Wert mehr, den es zu verfolgen gilt. Obwohl man sie doch daran erkennen soll, die Christen.

Es drängt sich mir die Frage auf, ob es eine feste Unerschütterlichkeit gibt, die sich abkoppelt vom Werk des Herrn. Jenes Herrn, der seine Jünger kritisiert hat; der sie ermahnt hat, wo sie Kinder abweisen; wo sie sich darüber streiten, wer denn unter ihnen der Größte oder Wichtigste sei; aber des Herrn, der ihnen auch diente. Für sie betete; sie lobte, sie wieder neu beauftragte nach ihrem Versagen.

Ich staune über viele Streitigkeiten und Trennungen in verschiedenen Gemeinden. Was ist da passiert? Gibt es wirklich keine Ziele, keine Arbeit, auf die man sich einigen konnte im Werk des Herrn? Wodurch wurde das Vertrauen untereinander so blockiert, dass man miteinander kein neues Blatt mehr aufschlagen kann? Habe ich Wissi richtig verstanden und hat Wissi mich richtig verstanden? Müssen wir noch mal reden? Vielleicht mit einer demütigen und selbstkritischen Einstellung ins Gespräch gehen?

Eventuell. ist das Werk des Herrn doch mehr und weiter und umfangreicher als meine aktuelle Erkenntnis, an der ich so fest und unerschütterlich festhalte.



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Kommentare

Von Bernd H. am .

Lieber Herr Theis,
eine spezielle Andacht, aber ein Thema, das Ihnen wohl wichtig war. Und eines, in dem ich mich durchaus wiederfinde. Meine eigenen Bedürfnisse für den Dienst an der Gemeinde und meinen Mitmenschen zurück zu stellen, ist und bleibt wahrlich eine Lebensaufgabe, die es jeden Tag zu bewältigen gilt. Und das schaffe ich nur mit Hilfe des Heiligen Geistes, der mir den Blick auf Jesus als Vorbild ermöglicht.
Danke für Ihren Impuls heute morgen!


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