/ Wort zum Tag

Beten: Mein Wille geschehe?

Jörg Dechert über Johannes 14,14.

Bibelvers

Jesus spricht: Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.

Johannes 14,14

Wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es tun.

Das hat Jesus gesagt. Zu seinen Freunden. Vor 2.000 Jahren. Ich lese ihn heute in meiner Bibel, im Johannesevangelium Kapitel 14, Vers 14. Und ich frage mich, was ich mit diesem Satz heute anfange, „wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es tun“. (NGÜ)

Gilt das auch für mich? Funktioniert das auch noch heute, wenn ich Jesus um etwas bitte? Um irgendwas?

Generationen von Christen haben innig und tiefgreifend gerungen mit der Spannung zwischen dem Beten um Etwas und dem Nicht-Passieren dieses Etwas. Viele haben gebetet um Heilung – und sind doch krank geblieben. Viele haben gebetet um Wohlstand – und sind doch arm geblieben. Viele haben gebetet um Bewahrung – und sind doch wegen ihres Glaubens verfolgt worden. „Wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es tun“ - ist dieser Satz von Jesus am Ende gar kein Versprechen, sondern eher ein Versprecher?

Ich merke: Ich komme nicht weiter, wenn ich diesen einen Satz für sich allein lese, ihn aus seinem Zusammenhang reiße. Denn das macht ihn am Ende zur magischen Formel, die Jesus mir vermeintlich in die Hand gibt. Die Praxis aus 2000 Jahren Kirchengeschichte beweist das Gegenteil. Wie arrogant wäre es zu denken, dass alle diese Christen einfach nur nicht richtig gebetet hätten!

Der Satz von Jesus – ich muss ihn anders – besser - verstehen. Am besten im Zusammenhang dessen, was Jesus bei der Gelegenheit sonst noch gesagt hat zu seinen Freunden. Jesus hat damals versucht, seinen Freunden begreiflich zu machen, was es bedeutet, an ihn zu glauben. Ihm zu vertrauen. Ihm zu folgen. „Vertraut mir!“, so lädt Jesus seine Freunde im Johannesevangelium, Kapitel 14, Vers 1 ein, und in den folgenden Sätzen malt er ihnen vor Augen, wie weit er ihnen selbst vertrauensvoll entgegenkommt – indem er nämlich bereitwillig und rückhaltlos mit ihnen teilt, in dreifacher Hinsicht:

Da ist erstens der Wohnort, das räumliche Zusammensein. „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen, und ich gehe jetzt hin, um dort einen Platz für euch bereitzumachen“, sagt Jesus in Vers 2. Ja, Jesus wird gekreuzigt werden und auferstehen und in den Himmel auffahren, und sie werden ihn eine Zeitlang nicht sehen, aber am Ende, sagt Jesus, „werde ich zurückkommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin“. Christen werden am Ende da zu Hause sein, wo Christus zu Hause ist.

Und Jesus teilt zweitens den Zugang zu seinem himmlischen Vater mit seinen Freunden. Vers 7: „Wenn ihr mich kennt, werdet ihr auch meinen Vater kennen.“ Das heißt: Wenn ihr mich, Jesus, kennenlernt, wer ich bin und wie ich bin – dann lernt ihr dadurch auch Gott den Vater kennen. Denn „ich lebe im Vater und der Vater in mir“. Christen können in dem Maß Gott kennen, wie sie Christus kennen.

Drittens: Jesus teilt seine Vollmacht mit seinen Freunden. Vers 12: „Wer im Glauben mit mir verbunden bleibt, wird die gleichen Taten vollbringen, die ich tue“. Jesus erinnert seine Freunde an das, was sie Gott durch ihn hatten tun sehen: Wie seine Predigten den Zuhörern mitten durchs Herz gingen. Wie Gott auf sein Gebet hin Kranke gesund gemacht hatte. Wie Menschen aufgrund der Begegnung mit ihm neues Vertrauen zu Gott gefasst hatten. All das, sagt Jesus ihnen, teile ich mit euch: Wenn ihr in meinem Namen predigt, wenn ihr betet, wenn ihr Menschen ermutigt – dann werde ich all das durch euch tun. Wenn Christen im Namen Jesu handeln, dann handelt Christus durch sie.

Es ist dieses vertrauensvolle Miteinander, in das Jesus dann sein Versprechen legt: Wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es tun. Dieser Satz ist keine magische Formel, kein Gebetsrezept, kein göttlicher Automatismus. Er formuliert vielmehr eine Gewissheit, aus der heraus ich heute als Christ lebe: Ich werde bei Christus zu Hause sein. In ihm begegnet mir schon jetzt Gott selbst. Und wenn ich in seinem Namen handle, dann wird er durch mich handeln.

Nicht als Erfüllungsgehilfe meiner nach formalen Kriterien richtig gebeteten Wünsche und Vorstellungen. Sondern – viel besser – als der Gott, der sein eigenes Leben vertrauensvoll mit mir teilt, und der mich einlädt: „Vertraue mir. Komm und folge mir nach!“



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Kommentare

Von App am .

Wir sind einige Tage am Bodensee und haben das Losungsbuch vergessen. Da waren uns Ihre Worte eine große Freude und Hilfe. Danke! dafür.

Von Gertrud-Linde W. am .

unserem HERRN sei Dank, daß Sie sich Zeit und Kraft dafür bewahrt haben, auch selbst JESUS zu bezeugen und zu verkünden.

Von Siegfried G. am .

Vielen Dank Herr Dr.Dechert
Sie konnten mir durch ihre Auslegung eine für mich wichtige Frage beantworten, Warum lässt Gott Leid zu und sieht dabei zu wie die Menschen leiden müssen. Ja es geht nicht um das hier und jetzt sondern um das was kommen wird. Hiob ist uns da ein sehr gutes Beispiel.


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