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Glück gehabt!

Ulrich Nellen über Matthäus 5,8.

Bibelvers

Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

Matthäus 5,8

Wenn sich zwei Computerspezialisten unterhalten, verstehe ich manchmal nur Bahnhof – oder diese Fachworte kommen mir zumindest sehr spanisch vor. Manchmal hat die Bibel auch solche Worte in ihrem Repertoire, die erklärungsbedürftig sind.

Im heutigen Bibelvers aus dem Matthäusevangelium sagt Jesus:

„Selig, sind die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“

Das ist eine Aussage, die gut klingt, aber übersetzt werden will. „Selig“ ist ein Begriff, der so in unserer Sprache ja nicht vorkommt – das Originalwort im Griechischen jedoch kennen wir: „Glücklich“ heißt es da.

Also solche Menschen, wie sie dann im Weiteren beschrieben werden, können sich glücklich schätzen. Na, das ist doch mal eher eine Sprache, die wir verstehen – denn das Glück sucht nun mal jeder und wer Glück hat, hat das Glück dann auch gefunden – sei es im persönlichen Leben oder eben, wie hier angedeutet, dann, wenn wir einen Zugang zu Gott gefunden haben.

Schauen wir weiter: „Herz“ ist kein Ausdruck aus dem Bereich der Kardiologen als Spezialisten für Herzensangelegenheiten. Der Ausdruck steht für mein gesamtes Leben äußerlich und innerlich mit Gefühlen, Verstand, und Willen.

Und wenn dann hier von einem „reinen Herz“ die Rede ist, meint dies, dass wir uns in einem Zustand befinden, in dem wir Gott begegnen können.

Und ein „reines Herz“ meint nicht, dass nur der sich Gott nahen darf, der ohne Schuld und Fehler ist. Dann wären wir „rein“ im Sinne von perfekt – und das ist nur einer - nämlich Gott selbst. Und das würde bedeuten, dass kein einziger Mensch dem Schöpfer der Welt gegenübertreten könnte. Neudeutsch nennen wir das vielleicht: Wir sind „inkompatibel“ mit Gott. Tja, wenn wir jetzt nur diesen Vers hätten, müssten wir an dieser Stelle resigniert die Bibel zuschlagen.

Wenn ich jedoch mehr von Jesus weiß, dann stelle ich fest: He, dieser Vers spricht von mir als einem Christen!

Denn ein Christ hat durch seinen Glauben jederzeit die Möglichkeit, zu diesem Schöpfer der Welt zu kommen - zum Beispiel, wenn er betet.

Und das alles, ohne irgendetwas zu leisten oder Perfektion anzubieten. „Reine Herzen“ bekommen wir nur durch diesen Sohn Gottes, indem wir an ihn glauben – und dann können wir „Gott sehen“ – auch hier nicht mit unseren körperlichen Augen. Im ursprünglichen Text steht hier: Wir nehmen Gott überhaupt erst mal wahr, „dass er ist“. Es steckt auch drin: Er selbst ist dabei aktiv und wir werden dadurch auch aktiviert. Dadurch erkennen wir auch ein Stück weit, wie Gott ist.

Und in diesem griechischen Wort steckt sogar ein „Hören“ drin – „wir hören mit sehenden Augen“ und daraus ergibt sich übrigens immer auch der Glaube.

Und dann schließt sich der Kreis: „Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“



Kommentare

Von Silke S. am .

Lieber Pfarrer Ulrich Nellen,
ja, danke für Ihre Auslegeung. Liebe kann man wahrnehmen... Gott ist ja Liebe... und Liebe sind einerseits Beziehungen - mit den jeweils angemessenen Facetten von Philia, Eros, Agape.... und Jesus ist ein Bild / Ebenbild dieser Liebe in Person... Das ist das, was Physiker mit dem Holographischen Universum / Fraktalem Universum meinen... - das auch den Welle /Teilchendualismus erklärt.... Ich denke an das neutestamentliche Gleichnis vom Weltgericht: da haben mehr


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