/ Wort zum Tag

Mir könnt ihr nichts vormachen

Bernhard Heyl über Jeremia 23,24.

Bibelvers

Meinst du, dass sich jemand so heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe?, spricht der HERR. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt?, spricht der HERR.

Jeremia 23,24

Der Hintergrund dieses Bibelwortes ist  so etwas wie eine Abrechnung mit Irrlehrern. Es geht um Leute, die im Namen Gottes reden und Prophetien weitergeben, obwohl sie von Gott weder autorisiert noch gesandt sind.

In Vers 21 heißt es: „Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen sie; ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie.“ Und weiter in Vers 25: „Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt.“ Sie geben Visionen weiter, die ihrem eigenen Herzen entspringen und nicht aus dem Mund des Herrn kommen, klagt der Prophet Jeremia weiter.

Das ist schon harter Tobak. Zur Zeit des Propheten Jeremia war das wohl die Masche der Propheten, die den letzten Königen Judas vor dem Exil nach dem Munde reden wollten und das Volk zu beschwichtigen suchten. „Es wird kein Unheil über euch kommen!“ ist die Kernbotschaft, die sie verbreiten. Alles gut! Ihr könnt weitermachen wie bisher. Kein Grund zur Panik! Das Wetterleuchten am Horizont der Geschichte – in diesem Falle die Heerscharen der Babylonier – wird sich bald wieder in nichts auflösen. Macht euch keine Sorgen. Wir haben einen Traum … Und das Volk lässt sich das offenbar gerne sagen.

Wenn uns jemand in dem bestätigt, was wir gerade tun, dann sind wir demjenigen in der Regel gerne geneigt. Schönes Wetter zu verkündigen, ist in der Regel eine Garantie dafür, jedermanns Liebling zu sein. Das hat allerdings einen  Schönheitsfehler: Es ist nämlich nicht wahr!

Das beschwichtigende Reden von Gott als harmlosem Lebensbewältigungshelfer, als liebem und nahem Unterstützer in jeder Lebenslage klingt zwar ansprechend, ist aber so nicht zutreffend.

„Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist?“ heißt es unmittelbar im Vers vor unserem heutigen Bibelwort Ich, Gott, kann auch anders, wenn ihr mir was vormacht. Mir könnt ihr nichts vormachen. Vor mir gibt es keine verborgenen Beweggründe, keine unerkannten Strategien. Alles ist vor meinen Augen offenbar. Ich umfasse Himmel und Erde!

Also mit anderen Worten: Was wir vor Menschen häufig erfolgreich hinbekommen, das bringt uns bei Gott überhaupt nichts. Unser menschlicher Hang, nach außen hin ein bestimmtes Bild unseres Christseins, unserer Spiritualität und unseres Glaubensernstes aufzubauen und aufrechtzuerhalten, ist nur eine Scheinwirklichkeit. Vor Gott gibt es keine Heimlichkeiten, nichts Verborgenes.

Das mag zunächst einmal beängstigend sein und uns verunsichern. Auf den zweiten Blick hat es aber auch etwas Befreiendes. Wir müssen vor Gott kein Theater spielen. Unser Leben liegt vor ihm, wie ein aufgeschlagenes Buch. Alles ist bis ins Letzte und Tiefste vor ihm offenbar. Wir müssen nichts erklären und nichts entschuldigen. Wir können vor Gott sein, wer und wie wir sind – das ist ungemein entlastend, auch wenn damit nicht gleich alle Probleme aus der Welt geschafft sind. Aber das Bewusstsein um diese Offenheit und das Wissen um die Sinnlosigkeit jedes Versteckspiels Gott gegenüber eröffnet die Möglichkeit, Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Gott sei Dank, dass er uns sieht!


Kommentare

Von Leole am .

Öffne all das Verbogene in mir, alle mein Geheimnisse und bring sie ans Licht damit ich durch die Selbsterkenntnis frei werde. - Amen


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