/ Wort zum Tag

Glauben und Sehen

Christoph Reeps über Hebräer 11,1.

Bibelvers

Es ist der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

Hebräer 11,1

„Au! Das tat weh.“ – Haben Sie sich schon mal so richtig im Dunkeln den Kopf an einer Schrankecke gestoßen? Schnell noch etwas aus dem Nebenzimmer holen, herunterbücken, umdrehen, aufrichten, … - und dann kracht es. So sehr, dass Sie im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr wissen, wo Ihnen der Kopf steht, - aber sehr wohl merken, dass er noch da ist.

Spätestens das ist dann auch der Moment, in dem Sie wissen: Der Satz: „Ich glaube nur, was ich sehe“ ist eindeutig falsch. Es gibt viele Dinge, die wir nicht sehen und die doch ganz unzweifelhaft da sind. Und selbst wenn Sie geglaubt haben, Sie könnten sich dort frei bewegen/dort wäre nichts, dann hat der Schrank Sie heftig davon überzeugt: Er war doch da.

Warum wir etwas nicht sehen können, das kann ganz verschiedene Gründe haben. Die Schrankecke haben Sie nicht gesehen, weil es dunkel war. Ein Licht hätte sie sichtbar gemacht.

Bakterien sehen wir nicht, weil sie zu klein für unsere Augen sind. Sie werden mit Mikroskopen sichtbar gemacht. Die Coronaviren werden in Laboren mit fluoreszierenden Substanzen sichtbar gemacht. Weit entfernte Sterne sehen wir erst mit einem Teleskop. Elektrische und magnetische Felder sehen wir gar nicht. Wir können nur ihre Auswirkungen messen.

Wir sind also weit davon entfernt, mit unseren 7 Sinnen die Welt um uns herum vollständig erfassen zu können. An vielen Stellen können Geräte oder Hilfsmittel unsere eigenen Möglichkeiten erweitern. Was in anderen Teilen der Welt geschieht oder was in der Vergangenheit geschah, kann uns nur durch Berichte anderer Menschen zugänglich gemacht werden.

In der Bibel, im Hebräerbrief, heißt es: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Also: glauben/sich verlassen auf etwas, ist nicht ein illusorisches Wünschen und Erträumen. Es ist das sichere Rechnen mit Fakten. Es ist das Bauen auf eine feste Grundlage/ein festes Fundament – wie es wörtlich heißen müsste.

Vom Fundament eines Hauses sieht man meistens auch nichts, aber es ist normalerweise fest und sicher und massiv und unverrückbar vorhanden. Und man kann sicher darauf bauen. Auf die Fakten des Christseins kann ich mein Lebenshaus bauen. In einer anderen Übersetzung klingt dieser Satz noch viel überzeugender: „Der Glaube aber ist eine Wirklichkeit dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht“ (ELB).

Da bleibt also nichts Ungewisses, Fragliches, … nichts, was man einfach nur glauben sollte, ohne es zu hinterfragen. Es kann zwar sein, dass ich einige Dinge mit meinen Sinnen noch nicht erfassen kann, aber mit den richtigen Hilfsmitteln habe ich mit dem Vertrauen auf Gott ein absolut verlässliches Fundament für mein Lebenshaus und für meine Ewigkeit.

Auch wenn es für die, die diese Andacht heute schon früh morgens hören, nicht richtig in die Zeit passt: Matthias Claudius hat das, was ich sagen wollte, viel schöner und romantischer in einem Abendlied ausgedrückt. In „Der Mond ist aufgegangen“ heißt es im 3. Vers:

„Seht ihr den Mond dort stehen?

Er ist nur halb zu sehen

und ist doch rund und schön.

So sind wohl manche Sachen,

die wir getrost belachen,

weil unsre Augen sie nicht sehn.“


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